Der Fußball-Verbandsligist TSV Weilimdorf steckt bei der TSG Tübingen einen 0:2-Rückstand weg und siegt noch. Zwei Akteure schnüren den Doppelpack.
Anhand von Routinier Jonathan Zinram-Kisch lässt sich der Spielverlauf und die Gemütslage des Aufsteigers TSV Weilimdorf im wichtigen Kellerduell bei der TSG Tübingen bestens skizzieren. Schwach und unglücklich begonnen, dann stabilisiert und letztlich ein hauptverantwortlicher Baustein dafür, warum das Team aus dem Stuttgarter Norden doch noch einen verdienten 4:2 (0:2)-Sieg feierte.
Der 34-jährige Innenverteidiger mit Regionalliga-Erfahrung leistete sich nämlich in der Anfangsphase buchstäblich einen Ausrutscher. Beim Versuch eines Abstoßes verlor er die Bodenhaftung, fabrizierte dabei aus Sicht des Unparteiischen David Modro (Schiedsrichtergruppe Leonberg) eine Doppelberührung. Die Folge: ein indirekter Freistoß fünf Meter vor dem Gästetor. Indirekt tat Zinram-Kisch damit seinem Schlussmann Joel Heske einen Gefallen. Dieser, im Sommer vom Kreisliga-B-Club FSV Waiblingen II gekommen, feierte gegen Tübingen sein Verbandsliga-Debüt – Wellimdorfs Stammkräfte eins und zwei, Matej Barisic (Innenbandriss) und Sunny Simone (Knöchelverletzung), mussten passen. Und besagten Ausrutsch-Freistoß wehrte Heske ganz stark ab, schöpfte dadurch zusätzliches Selbstvertrauen und hinterließ insgesamt einen guten Eindruck – so sah es auch sein Trainer Oliver Stierle. „Vor dem Spiel nicht nervös, während der Partie souverän und bei den Gegentoren war er machtlos“, so Stierle.
Fortan fiel denn auch Zinram-Kisch durch starke Zweikampfführung und vor allem gefährlich getretene Standards auf. In Hälfte eins machte sich Letzteres aber noch nicht bemerkbar. Im Gegenteil. „Obwohl wir bis zum Rückstand mindestens 3:0 führen hätten müssen“, hat Stierle erkannt, lagen die Seinen nach jeweils fehlender Absicherung in der Defensive zur Pause durch die Treffer von Tom Abele (30. Minute) und Hennoch Grauer (36.) unnötig 0:2 zurück. Beide Gastgeber-Tore waren aber abseitsverdächtig.
Zwei Rückschläge, die die Gäste nicht aus der Bahn warfen, vielmehr noch mutiger machten. „Ich bin all-in gegangen und habe auf 3-5-2 umgestellt“, sagt Stierle. Personell bedeutete dies die Einwechslung aller Offensivkräfte – Daniel Baierle, Samir Genc und Guiseppe Berretta kamen zur zweiten Hälfte, zehn Minuten später noch Tamer-Harun Fara – und die Weilimdorfer dominierten noch mehr. Zudem kam die Glanzzeit von Zinram-Kisch und die von Verteidiger Erdinc Bozoglu, der insgesamt Weilimdorfs Bester war. Hinten verdarb er seinen jeweiligen Kontrahenten den Spaß am Spiel und vorne besorgte er per Kopfball-Doppelschlag (53./63.) den 2:2-Ausgleich. Zulieferer – einmal nach Freistoß, einmal nach Eckball – Zinram-Kisch. Auch bei der 3:2-Führung per Kopf durch Tamer-Harun Fara hieß der Eckball-Schütze Zinram-Kisch. Fara machte nach einer schönen Kombination über Bozuglu und Baierle – dieses mal per Fuß – in der 83. Minute den Deckel auf das Spiel. Für Fara gab es dann noch ein Sonderlob von Stierle. „Hochachtung vor ihm. Ich habe ihn trotz seines Doppelpacks der Vorwoche auf die Bank gesetzt, weil ich mehr Tempo im vorderen Bereich wollte. Er hat dies akzeptiert und nach seiner Einwechslung sensationell performt.“
Der Dreier in Tübingen bedeutete den siebten Punkt aus drei Spielen nach dem Restart und Tabellenplatz zehn. Er sei mehr als zufrieden, so der TSV-Coach, seinen Vorstellungen komme die Mannschaft immer näher, sie lebe und habe mittlerweile einen tollen Teamgeist entwickelt.
Dementsprechend sieht der Coach dem Heimspiel am Samstag (15 Uhr) gegen den Tabellenfünften Sportfreunde Dorfmerkingen „sehr zuversichtlich“ entgegen. Wobei auch dabei ein Ausrutscher Thema ist. Die Weilimdorfer kassierten in der Hinrunde auf der Ostalb mit 2:9 die höchste Saisonpleite.
Weilimdorfs Spieler des Spiels
Erdinc Bozoglu (Nominierungen: 2). Glänzte als zweikampfstarker Verteidiger und war einmal mehr bei eigenen Standardsituationen gefährlich. mehr noch. Er schnürte den Kopfball-Doppelpack zum 2:2 und führte sein Team damit zurück ins Spiel. Den 4:2-Endstand bereitete er darüberhinaus durch einen langen Pass herrlich vor.
TSG Tübingen: Mang – Groß, Thomas, Grözinger, Biesinger (80. Schall) – Assassa (58. Müller), Zeyer (73. Kramm), Schiffel (87. Seibold), Maier, Grauer – Abele (73. Hollnberger).
TSV Weilimdorf: Heske – Krasniqi (46. Berretta), Bozoglu, Zinram-Kisch, Milenkovic – Kuchler – Offei (46. Baierle), Bouich (46. Genc), Küley (90. Schieber), Scarcelli – Kasiar (56. Fara).