Enis Küley ist eine tragende Säule beim Aufsteiger aus Weilimdorf. Einst träumte er zusammen mit Serge Gnabry von der Profikarriere.
Ausgerechnet mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel hat Enis Küley sein bisher einziges Saisontor für den Fußball-Verbandsligisten TSV Weilimdorf erzielt. Zugezogen hatte er sich die Verletzung im Spiel gegen Tübingen, nach nur drei Partien Pause stand er Ende September gegen den VfB Friedrichshafen wieder auf dem Feld, steuerte beim 5:1-Sieg den zweiten Treffer bei – wohlwissend, dass der Muskel noch nicht ausgeheilt war. „Ich will einfach immer auf dem Platz stehen“, begründet der 28-Jährige seinen Übermut. Nach einer weiteren Pause präsentiert sich Küley aktuell vor dem letzten Hinrunden-Heimspiel gegen den SSV Ehingen-Süd (Samstag, 14.30 Uhr) wieder in bester Verfassung.
Neben dem Kapitän Bastian Joas gilt Küley als wichtigster Spieler beim Aufsteiger. An die Giebelstraße kam er vor viereinhalb Jahren. Seit rund einem Jahr agiert er in der Rolle des Strippenziehers im Mittelfeld – eine zuvor ungewohnte Position für den gebürtigen Leonberger, der aber auch weiß: „Ich kann eigentlich überall spielen.“ Wurde er bei den Weilimdorfern ursprünglich auf der Zehner-Position und manchmal auf dem Flügel eingesetzt, spielte er in seiner Karriere auch schon als Rechtsverteidiger – und das sogar im Dress der türkischen Junioren-Nationalmannschaft. „Das Highlight meiner Karriere“, sagt Küley, der dort teilweise auch die Kapitänsbinde trug, über die Spiele für die U 15 und U 17. Für sein Land zu spielen, das sei „etwas ganz Besonderes“.
Seine Fußballer-Karriere begann einst im Alter von fünf Jahren bei der Sportvg Feuerbach. Damals kickte er teils Seite an Seite mit einem gewissen Serge Gnabry, bis heute sind die beiden befreundet. Während für den heutigen Star des FC Bayern München der Traum von der Profikarriere in Erfüllung gehen sollte, landete Küley nach seiner Zeit in der VfB-Jugend bei den Stuttgarter Kickers, sammelte mit den Blauen und später in Ulm und Balingen Regionalliga-Erfahrung. Vom Oberligisten SSV Reutlingen wechselte er schließlich zum damals zwei Etagen tiefer spielenden TSV Weilimdorf.
„Eigentlich war es nicht der Plan, in meiner Karriere einen Schritt zurück zu machen“, gibt Küley zu. „Aber in den Gesprächen mit dem sportlichen Leiter Michael Bachmann hat es gepasst.“ Zudem fand er ganz in der Nähe einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann. „Ich bin jetzt in einem Alter, da muss man auch nach dem Finanziellen schauen“, konstatiert er. Zusatz mit einem Lächeln: „Am liebsten würde ich einfach nur Fußball spielen.“
Der Traum von einer Profi-Karriere wie Serge Gnabry vom FC Bayern
Ab und zu beschäftigt es Küley noch, dass es für ihn mit der ganz großen Fußballerkarriere nicht geklappt hat. „Wenn ich im ausverkauften Stadion bin, das Publikum und die Stimmung sehe“, erzählt er, „dann wird einem bewusst, was man verpasst hat.“ Das Zeug dazu habe er gehabt, ist er sich sicher, und sinniert: „Wenn ich ein bisschen mehr gemacht hätte, hätte das vielleicht auch ich sein können“ – Stichwort Gnabry. Es sind Gedanken, die zermürben können, das weiß er selbst. „Am Anfang war es nicht einfach, aber man gewöhnt sich daran, man wird schließlich auch erwachsen“, sagt Küley, und betont: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.“
Das gilt für den vielseitigen Kicker auch sportartübergreifend. 2024 nahm er an der ersten Saison der Baller League teil – jenem neu interpretierten Fußball-Format mit Streaming-Komponente, bei dem auch Weilimdorfs Ex-Coach Manuel Fischer aktiv war. Dessen Abgang hat auch Küley überrascht, der aber unterstreicht: „Es gibt kein böses Blut. Mit Oliver Stierle haben wir einen erfahrenen Nachfolger.“ Potenzial stecke ohnehin genug im Team, auch einen erneuten Aufstieg traut er den Seinen zu. Viel wichtiger aber: „Ich will gesund bleiben und Fußball spielen. Ob in der Verbandsliga oder Oberliga, ist egal.“
Für sein Team des TSV Weilimdorf wird wohl auch an diesem Wochenende wieder einiges von Küleys Leistung abhängen.