Zurück im Profigeschäft: Timo Baumgartl kickt nun in den USA bei St. Louis City. Foto: St. Louis City

Nach einem halben Jahr ohne Arbeitgeber spielt Timo Baumgartl nun Fußball in der US-amerikanischen MLS. Der gebürtiger Maichinger spricht im KRZ-Interview über seine bisherigen Erfahrungen, den Fußball-Hype in den USA und seine Ziele.

Vor über einem Jahr hat Timo Baumgartl zuletzt ein Fußball-Pflichtspiel absolviert. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Schalke 04 war der gebürtige Maichinger einige Monate vertragslos, ehe er mit St. Louis City ein neues Team fand. In den USA will der Innenverteidiger vor allem den Spaß am Fußball wiederfinden.

 

Hallo Herr Baumgartl, Sie sind jetzt seit rund zwei Monaten als Fußballer in den USA. Wie ist es Ihnen bisher ergangen?

Timo Baumgartl (29): Ich war zwar schon etwas früher da, um die ersten Sachen zu erledigen, aber es war ganz schön stressig mit dem Umzug, und ich muss noch ganz viele administrative Dinge erledigen. Derzeit wohne ich noch im Hotel und hoffe, dass ich da bald rauskomme. Nach dieser langen Zeit ist es aber wieder schön, Fußball spielen zu können und im Training dabei zu sein.

Was haben Sie in Ihrer kurzen Zeit in den USA bereits liebgewonnen und was ist neu für Sie?

Neu für mich ist die Art und Weise, wie man hier Auto fährt. (schmunzelt) Da wird rechts und links überholt, die Highways sind vierspurig. Das ist schon ein Unterschied, aber es macht schon Spaß bisher.

Sie waren nach der Vertragsauflösung bei Schalke 04 fast ein halbes Jahr ohne Verein. Wie froh waren Sie, wieder auf dem Platz zu stehen und zu trainieren?

Ich habe mich bewusst entschieden, einige Angebote abzulehnen und herauszufinden, was ich machen möchte. Ich war in der Zeit aber nicht untätig, denn ich habe lange beim VfB Stuttgart mit den jungen Spielern trainiert, was mir viel Spaß gemacht hat. Aber klar ist es jetzt was anderes, wenn man wieder bei einer Mannschaft dabei ist und jedes Wochenende spielt. Das macht deutlich mehr Spaß. Deswegen bin ich froh, dass es jetzt so ist, wie es ist.

Sie haben erwähnt, dass Sie einige Angebote ausgeschlagen haben. Warum haben Sie sich für St. Louis City entschieden?

Im Endeffekt ging es mir darum, etwas Neues zu erleben und andere Kulturen kennenzulernen. Lutz (Pfannenstiel, Sportdirektor in St. Louis City, Anm.d.Red.) war lange hinter mir her. Er hat mir einen klaren Plan aufgezeigt, wie es sein kann und welche Möglichkeiten es nach so einer langen Pause gibt, um wieder auf mein Level zu kommen. Das hat mich überzeugt. Ich habe dann mit meiner Freundin sowie meiner Familie gesprochen und mich dafür entschieden. Außerdem war es immer mein Traum, irgendwann in die USA zu gehen, und jetzt war für mich der Zeitpunkt, wo es am meisten Sinn ergeben hat.

In den USA soll der Fußball nicht zuletzt aufgrund der anstehenden WM 2026 gefördert werden. Mit Lionel Messi ist bereits ein Weltstar in der MLS. Wie ist bisher Ihr Eindruck von dem Sport in den Vereinigten Staaten?

Die MLS hat zwar einen Cap Space, sodass man für die Gehälter nur eine gewisse Summe ausgeben darf, aber es gibt sehr viele, junge südamerikanische Spieler, die sehr viel Qualität mitbringen. Dazu gibt es die sogenannten Designated Players, die die Stars der Mannschaft sind. In der Liga ist also eine sehr gute Qualität und man merkt, dass die Weltmeisterschaft bald ansteht und die Liga viel macht. Daher muss sich die MLS nicht vor einer anderen Liga verstecken.

Nehmen Sie rund um Ihr neues Team einen Fußball-Hype wahr? Schließlich gibt es in St. Louis nur ein Eishockey- und ein Baseball-Team.

Die klassischen US-Sportarten sind schon präsent, aber es gibt eine klare Tendenz, dass es eine Fußball-Stadt ist. Das Stadion ist für die gesamte Saison bereits ausverkauft und man merkt auch, dass eine Fankultur da ist. Es ist so ein bisschen so, wie man es aus Europa kennt. Die Stadt lebt schon für das Team, obwohl die Mannschaft erst in sein drittes Jahr geht.

Kommen die Fans dann auch zum Training?

Zu den Trainingseinheiten kommen sie eher weniger, das gibt es hier in der amerikanischen Sportkultur nicht so.

In ihrem Team gibt es einige deutschsprachige Spieler wie Roman Bürki, Marcel Hartel oder Cedric Teuchert. Hat das für Sie den Einstieg in das neue Umfeld etwas erleichtert?

Wir sind schon eine kleine Bastion aus Deutschen hier. Das macht es für einen neuen Spieler natürlich einfacher, weil man bei Fragen immer zu den Jungs gehen kann. Ich habe mit vielen in der U21-Nationalmannschaft zusammengespielt und gegen Roman in der Bundesliga gespielt. Ich bin aber ein sehr offener Mensch und gehe immer auf andere zu, sodass ich nie Probleme hatte, mich in einer Mannschaft einzufinden.

In den ersten beiden Saisonspielen sind Sie jetzt noch nicht zum Einsatz gekommen. War das so mit Ihrem Trainer besprochen?

Genau, denn ich hatte vor elf Monaten mein letztes Spiel. Deswegen geht es für mich darum, meinen Rhythmus zu finden, viel zu trainieren und zurück in den Fußball-Alltag zu finden. Das ist das Wichtigste, dann werden die Einsätze auch bestimmt folgen. Es war mir aber von Anfang an klar, dass es seine Zeit braucht.

Was haben Sie sich persönlich für die Saison vorgenommen? Und was sind Ihre Ziele mit dem Verein?

Im Endeffekt will ich meinen Rhythmus wieder finden und Spiele machen. Dann werde ich relativ schnell auf mein altes Level zurückkommen. Und als Mannschaft ist das Ziel ganz klar: Alle treten an, um möglichst weitzukommen, um am Ende im Finale zu stehen. Das ist auch bei uns so. Wir gehen da nicht rein und sagen, dass wir Zehnter werden möchten, es geht ganz klar darum, die Play-offs zu erreichen und dort dann möglichst weit zu kommen. Daran arbeiten wir und versuchen es schnellstmöglich umzusetzen, dass wir gut in die Saison starten.

Sind Sie froh darüber, dass Sie nach den bewegten Jahren etwas abseits von der ganz großen Öffentlichkeit wieder Ihrem Sport nachgehen können? Oder beschäftigen Sie sich schon mit größeren Zielen wie einer Rückkehr zur Nationalmannschaft?

Für mich geht es darum, Spaß am Fußball zu haben und auf einem guten Niveau zu spielen. Ich glaube, dass die MLS immer weiter in ihrem Ansehen steigen wird und versucht, die Top-5-Ligen anzugreifen. Meiner Meinung ist das auch machbar, weil es in Amerika diesen Markt gibt. Davon möchte ich einfach ein Teil sein. Und dann schauen wir mal, wo die Reise mich danach noch hinführt.

Letzte Frage zum Abschluss: Wie viel Zeit haben Sie vor Ihrem Wechsel in die USA in Ihrem Heimatort in Maichingen verbracht?

Ich war viel in Stuttgart, weil ich dort eine Wohnung habe und häufig beim VfB trainiert habe. Es war auch mal schön, seine Freunde wieder zu sehen und auch privat mal viele Momente sammeln zu können, weil ich in den letzten Jahren ja viel weg war. Ich war aber auch öfters bei meinen Eltern in Maichingen und habe dort ein-, zweimal trainiert, weil ein guter Freund von mir dort Athletiktrainer ist.