Die Brüder Nicos (links) und Kiriakos Gountoulas leiten die Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach seit dieser Saison als gleichberechtigte Trainer an. Foto: Günter Schmid

Der Verbandsligist SVF überwintert auf Platz neun. Wie ihr bisheriges Saisonfazit ausfällt und was 2026 besser werden muss, verraten die Trainer im Gespräch.

Die Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach überwintern auf dem neunten Tabellenplatz. Die Brüder Kiriakos und Nicos Gountoulas, die den Verbund nach dem Oberliga-Abstieg seit dem Sommer als gleichgestellte Trainer anführen, beurteilen im Interview die bisherige Saison, erklären, worauf sie in der Vorbereitung auf die zweite Saisonphase besonders großen Wert legen, und ob der zu Saisonbeginn ausgegebene fünfte Platz im Abschlussklassement immer noch das große Ziel ist.

 

Wie geht es Ihnen beiden? Wie haben Sie Weihnachten gefeiert?

Nicos Gountoulas: In großer Runde. Mit den Familien unserer beiden Geschwister und auch mit unseren Eltern, die aus Griechenland da waren. Wir waren rund 30 Leute. Es gab viel zu essen, vor allem Reis, Kraut, Fisch und Fleisch. Und weil wir eine deutsche Mutter haben, gab es es natürlich traditionell auch Geschenke.

Und wie viel Platz hat in der Zeit der Fußball eingenommen?

Kiriakos Gountoulas: Fußball ist bei uns immer präsent. Ohne geht es einfach nicht.

Dann haben Sie sicher auch den bisherigen Saisonverlauf Revue passieren lassen. Wie fällt Ihr Kurzfazit aus?

Nicos Gountoulas: Guter Start, Höhen und Tiefen, Stabilisation.

Kiriakos Gountoulas: Spannend, Auf und Abs, brutales Teamgefüge und geile Stimmung.

Und wenn Sie etwas ausführlicher sein dürfen?

Nicos Gountoulas: Wir sind im Großen und Ganzen zufrieden – auch wenn es vier bis fünf Punkte hätten mehr sein können. Aber wenn man bedenkt, dass wir im Sommer einen großen personellen Umbruch hatten, auch die Sportliche Leitung noch einmal neu besetzt wurde, wir auf viele wichtige Spieler verletzungsbedingt verzichten mussten und deshalb auch unser Spielsystem immer wieder anpassen mussten, wir zudem eines der jüngsten Teams überhaupt stellen, ist das bislang schon okay.

Auf welche Tugenden legen Sie bei Ihren Spielern besonderen Wert? Was zeichnet die Zusammenarbeit ansonsten aus?

Kiriakos Gountoulas: Ein guter Charakter und Disziplin sind extrem wichtig. Ohne diese Faktoren geht es nicht, da kann man noch so gut kicken und talentiert sein. Unsere Spieler haben bewiesen, dass sie beides absolut top verkörpern.

Nicos Gountoulas: Großen Wert legen wir auch auf Kommunikation und einen offenen Austausch. Gegenseitige Impulse sind wichtig, wir wollen nicht allein die Richtung vorgeben.

Außer von dem Torwarttrainer Philipp Ganser werden Sie seit Saisonbeginn auch vom achtmaligen deutschen 110-Meter-Hürden-Meister Matthias Bühler als Athletiktrainer unterstützt. Wie wichtig ist seine Arbeit?

Kiriakos Gountoulas: Im Profisport gibt es ja inzwischen für fast alle Bereiche spezielle Trainer. Daran geht kein Weg mehr vorbei. Matthias macht bei uns eine fachlich sehr gute Arbeit, er bringt uns auf jeden Fall athletisch weiter und tut uns gut.

Welche Niederlage hat Sie bisher am meisten geärgert, welcher Erfolg war der schönste?

Kiriakos Gountoulas: Es war keine Niederlage, sondern das letzte 2:2 im Heimspiel gegen den TSV Weilimdorf. Darüber rege ich mich immer noch auf. Da haben wir den Sieg verschenkt.

Nicos Gountoulas: Ich fand das 3:7 daheim gegen den TSV Berg am schlimmsten. Ein absoluter Tiefpunkt. Am besten hat mir der 2:1-Erfolg bei Calcio Leinfelden-Echterdingen gefallen. Da sind wir mit zuvor vier sieglosen Spielen hingefahren und haben die drei Punkte mitgenommen. Das war ein Befreiungsschlag, der sich sehr gut angefühlt hat.

Bis zum Start der Wintervorbereitung am 19. Januar ist es noch eine Weile hin. Verspüren Sie dennoch jetzt schon eine gewisse Vorfreude?

Nicos Gountoulas: Auf jeden Fall, auch wenn wir die freie Fußballzeit jetzt natürlich in vollen Zügen genießen. Aber wir haben schon wieder mega Lust, mit den Jungs auf dem Platz zu arbeiten.

Wie sieht es mit den Langzeitverletzten aus?

Nicos Gountoulas: Eventuell können wir mit der Rückkehr von Jonas Kohler aufs Feld rechnen. Alle anderen fallen weiterhin aus. Aber dafür können wir unsere Zugänge Adam Heilig vom FV Ravensburg und Kristijan Dulabic, der in Österreich in der Regionalliga gespielt hat, im Training begrüßen.

Worauf werden Sie den Trainingsschwerpunkt bis zum ersten Spiel am 28. Februar beim FC Rottenburg setzten?

Kiriakos Gountoulas: Wir wollen und müssen auf jeden Fall unsere Defensive stabilisieren. Mit 39 Gegentoren stellen wir die sechstschlechteste Abwehr. Aber auch im Spiel mit dem Ball wollen wir einen Schritt nach vorn machen. Wir wollen mehr Ballbesitz, um den Gegner dominieren zu können.

Wie wichtig ist ein erfolgreicher Start in die zweite Saisonphase?

Nicos Gountoulas: Da wir in den ersten vier Partien mit dem FC Rottenburg, dem VfR Heilbronn, dem FC Esslingen und der TSG Tübingen gegen Teams spielen, die in der Tabelle alle hinter uns stehen, ist der Start extrem wichtig. Da können wir uns im Erfolgsfall ein gutes Polster schaffen, müssen nicht mehr nach hinten schauen und können den Blick nach vorn richten.

Wohin soll die Reise bis zum Saisonende gehen?

Nicos Gountoulas: Wir hatten vor der Runde den fünften Tabellenplatz als Saisonziel ausgegeben. Den streben wir immer noch an.

Gibt es einen Spieler, von dessen Leistungen Sie in der ersten Saisonhälfte besonders angetan waren?

Kiriakos Gountoulas: Ich möchte da keinen speziellen Akteur nennen. Das ganze Team hat die Ausfälle gut kompensiert, jeder hat einen guten Job gemacht.

Nicos Gountoulas: Dem schließe ich mich an. Die Spieler haben trotz Abs immer zueinander gehalten, den Fokus weiter geschärft und zielstrebig gearbeitet, sich aus dem Tief gekämpft und wichtige Punkte eingefahren.

Wer wird am Ende das Meisterschaftsrennen gewinnen?

Nicos Gountoulas: Young Boys Reutlingen steigt direkt auf, der FC Holzhausen geht in die Aufstiegsrelegation.

Und wie wird es mit Ihnen und dem Team nach dem finalen Spiel am 6. Juni weitergehen. Gibt es schon Gespräche?

Nicos Gountoulas: Unser beider Vertrag läuft über die Saison hinaus, den wollen wir auch erfüllen. Mit den Spielern werden von Februar an Gespräche geführt. Aktuell haben wir da noch keinen großen Druck. Wir wollen möglichst viele halten und uns gegebenenfalls nur punktuell verstärken. Je früher wir Klarheit in Sachen Ligaverbleib haben, desto leichter wird es.

Fußballverrückte Brüder

Privates Kiriakos Gountoulas
 wurde am 5. Mai 1990 als drittes von vier Geschwistern in Esslingen geboren und wuchs in Oberesslingen auf. Er ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau und der kleinen Tochter (sechs Monate) seit einem Jahr in Winterbach. Der 35-Jährige arbeitet im Vertrieb eines Großhandels. In seiner Freizeit spielt Kiriakos Gountoulas gerne Tennis und Basketball.

Nicos Gountoulas
 wurde am 5. Juli 1992 als jüngstes der vier Geschwister in Esslingen geboren. Er lebt in einer festen Beziehung und seit 2020 in Backnang. Der 33-Jährige arbeitet im Außendienst eines Großhandels. Nicos Gountoulas besitzt die B+ Trainerlizenz des DFB. In seiner freien Zeit fährt er gerne Fahrrad und spielt Tennis.

Sportliches Die Brüder haben ihre aktive Karriere beim VfB Oberesslingen in der Jugend gestartet und 2019 – nach einigen Stationen bei anderen Vereinen – bei den Aktiven des damaligen A-Kreisligisten GFV Odyssia Esslingen beendet. Als Trainer sind sie immer gemeinsam aktiv gewesen: In der Jugend beim TV Nellingen, dem FSV Waiblingen und zuletzt beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Die Trainerstation beim Verbandsligisten SV Fellbach ist die erste für das Duo bei den Männern.

Testspiele Bis zum ersten Pflichtspiel am 28. Februar 2026 stehen folgende Trainingsspiele im Terminkalender: 20. Januar, 19 Uhr: SVF- TSG Backnang; 24. Januar, 14.30 Uhr: TSV Bernhausen – SVF; 31. Januar, 15 Uhr: FC Astoria Walldorf II - SVF; 3. Februar, 19.30 Uhr: 1. FC Normannia Gmünd – SVF; 7. Februar, 15 Uhr: SVF – MTV Stuttgart; 14. Februar, 14 Uhr: SVF – 1. CfR Pforzheim; 21. Februar, 14 Uhr: SVF – SG Schorndorf; 22. Februar, 14 Uhr: VfB Eppingen – SVF.