Der Trainer mit Neuen. Von links: Carmine Napolitano, Lukas Tschentscher, der in der Innenverteidigung fürs Erste gesetzte Julian Schock und Iakovos Kaligiannidis. Die vor allem als Verstärkung gedachten Yannic Wieland und Christian Weiller fehlen verletzt. Foto: Günter Bergmann

Gemessen an den Namen des Kaders, zählen die Filderstädter in der Bezirksliga nicht von ungefähr zu den Favoriten. Doch vor dem Start gibt es mehrere Probleme.

Unter den Fans des SV Bonlanden mag bei den Testspielen der vergangenen Wochen der ein oder andere gestaunt haben. Und manch einer hat womöglich sicherheitshalber die Funktionstüchtigkeit seiner Brillengläser überprüft. War das da auf dem Rasen nicht. . .? Doch, er war es. Der Torhüter Luca Wiedmann – allerdings nicht auf seinem Stammplatz zwischen den Pfoten, sondern als Feldspieler. Anders hätten die Filderstädter keine Mannschaft mehr zusammenbekommen.

 

Urlauber, Kranke, Verletzte, sonstige Verhinderte - das ist gerade der rote Faden, der den Trainer Carmine Napolitano, vorsichtig ausgedrückt, von einer „suboptimalen Saisonvorbereitung“ sprechen lässt. „Alles was wir in der Rückrunde des vergangenen Spieljahrs an Glück hatten, kommt gerade als Pech zurück“, sagt der Coach. Bleibt die Frage, was dies für die am Sonntag beginnende neue Punkteserie bedeutet.

Für die Konkurrenz offensichtlich erst einmal nichts. Denn jene hebt die Kicker von der Humboldtstraße dennoch mit auf den Favoritenschild. Und orientiert man sich allein an den Namen, die auf der Kaderliste stehen, dann ist dies auch kein überraschender Rückschluss. Wenn denn einmal die Bestbesetzung zur Verfügung steht, ist der zwischenzeitlich tief gefallene frühere Oberligist nach wie vor mit reichlich individueller Klasse bestückt. Angefangen beim erwähnten Keeper Wiedmann über den Ex-Profi Giancarlo Pinna (erste Liga in Luxemburg, Regionalliga in Mannheim und Homburg) und ehemaligen Futsal-Nationalspieler Jonathan Baur bis hin zum Torjäger Agonis Berisha. Letzterer ist trotz höherklassiger Angebote, unter anderem vom Landesligisten FV Neuhausen, geblieben. Hinzu kommt als Plus, dass Verein und Fußballabteilung nach einer mehrjährigen Phase der internen Turbulenzen mittlerweile wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gefunden haben.

Aus personeller Sicht liegt die Betonung freilich auf dem Wörtchen „wenn“ – eben wenn die betreffenden Leute auch dabei sind. Tatsächlich verhält es sich so, dass der bislang wichtigste Unterschiedsspieler, der Spielgestalter Baur, für den Großteil der Saison ausfällt. Vom zweiten bis zum vierten Spieltag ist der 32-Jährige, der bislang zugleich als Co-Trainer fungiert, noch da. Dann geht er auf mehrmonatige Weltreise. Und: Die beiden Neuzugänge, die Napolitano stattdessen für Führungsrollen im Mittelfeld eingeplant hatte, sind derzeit ebenfalls raus. Zwei Sorgenfälle statt der erhofften Soforthilfen. Bei Yannic Wieland (25, bisher Landesliga in Löchgau) wurde ein Haarriss im Fuß festgestellt, und Christian Weiller (23, Ex-Oberligaspieler in Backnang) laboriert an den Spätfolgen eines Bänderrisses im Sprunggelenk.

Damit nicht genug: Den eigentlichen Gewinner der Vorbereitung hat es mit einem Muskelfaserriss erwischt. Der Youngster Arbnor Krasniqi hatte seine plötzliche Chance auf der Zehnerposition beim Schopf gepackt und seinen Coach gar schon ins Schwärmen gebracht. „Ein Typ wie Musiala. Ein Dribbler, torgefährlich“, sagt Napolitano.

Nun aber muss er erst einmal weiter improvisieren. Und so hält er den Ball, was Ziele anbelangt, weiter lieber flach – wobei Napolitano in dieser Hinsicht eh nicht zu den Lautsprechern gehört. Was herausspringen kann und soll? „Im Normalfall hätte ich gesagt: ein Platz von zwei bis fünf“, sagt der Trainer – und fügt auch unter dem Eindruck der aktuellen Erstrunden-Pokalpanne der Seinen (2:3 beim A-Kreisligisten SV Vaihingen II) an: „Unter den genannten Umständen kann ich allerdings gerade gar nichts mehr wirklich sagen.“

Einerseits. Andererseits hat sich am grundsätzlichen Napolitano’schen Ehrgeiz nichts geändert. Der verheißt: „Wir wollen versuchen, so lange wie möglich oben mitzuspielen.“ Und das zumindest mit einer nominellen Gewissheit: das Ganze ohne weitere Kuriositäten-Auftritte des Torhüters Wiedmann in ungewohnter Rolle. Da wiederum können die Fans ganz beruhigt sein.

Eckdaten

Zugänge
Julian Schock (TSV Bernhausen), Chris Weiller, Yannic Wieland (beide FV Löchgau), Lukas Tschentscher (TSV Münchingen), Iakovos Kaligiannidis (FV Neuhausen), Giuseppe Pellegrino (zuletzt Spvgg Cannstatt/zugleich Torwarttrainer).

Abgänge
Evangelos Liloliakis (TSV Dagersheim), Gabriel Covic (eigene zweite Mannschaft), Ryan Christiansen (Post SV Nürnberg), Marco Caruso (TSV Sielmingen).

Trainer
Carmine Napolitano (seit Oktober 2024).

Spielstätte
Humboldtstraße 11, 70794 Filderstadt.

Saisonziel
ein Tabellenplatz von zwei bis fünf (Platzierung in der vergangenen Saison: 6.).

Meistertipp
SV Vaihingen, Spvgg Holzgerlingen.

Auftaktspiel
zuhause gegen ASV Botnang (Sonntag, 31. August, 15 Uhr).