Bislang war TSF-Sponsor David Matkovics Unternehmen lediglich in Form eines Banners im Ditzinger Stadion und auf dem Trikot der Spieler sichtbar – nun trägt das Gelände seinen Namen. Foto: Andreas Gorr

Die TSF Ditzingen haben einen Namenssponsor für das Sportgelände in der Lehmgrube gefunden – solche Partnerschaften sind für viele Clubs der Region wichtig, aber nicht für alle.

Ein exklusives Geschenk für die geliebte Gattin zum Geburtstag? Etwas in der Art muss sich der Bürgermeister von Wanne-Eickel gedacht haben – und schenkte seiner Frau zu deren 60. Wiegenfest 2019 die Namensrechte der Sportanlage der Sportfreunde Wanne-Eickel. Bis Ende 2022 kickten die Fußballer im Livia-Leichner-Stadion.

 

In Ditzingen sind solche Extravaganzen nicht vorhanden, ein Namenssponsor für das Stadion an der Lehmgrube (das bis 2014 als Trumpf-Stadion bekannt war) wurde dennoch gefunden. David Matkovic hat die Namensrechte erworben, seit dem 1. April heißt die Spielstätte Edeka-Matkovic-Stadion. Die Lehmgrube als kleine Goldgrube.

Die Stadt und der Verein profitieren

Denn der Unternehmer greift dafür ordentlich in die Ladenkasse – im Rahmen der auf fünf Jahre beschlossenen Partnerschaft zahlt Matkovic sowohl der Stadt als auch dem Verein eine fünfstellige Summe pro Jahr. Diese soll vor allem für die Pflege des Stadions dienen, wo 1993 Hansa Rostock im DFB-Pokal empfangen und 1993/94 mit etwa 5500 Fans gegen die Stuttgarter Kickers ein Zuschauerrekord aufgestellt wurde. Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath sagte: „Hier wird jemand tätig, der ein Herz für den Sport hat.“ Seit 14 Jahren ist Matkovic Sponsor der TSF-Kicker und regte im Vorjahr die Namenspartnerschaft an.

Uli Meireis von den TSF Ditzingen, Oberbürgermeister Michael Makurath und David Matkovic (v. li.) durchschneiden bei der Stadiontaufe das rote Band. Foto: TSF Ditzingen

Namensrechte auf Zeit an Sponsoren zu verkaufen ist längst ein gut eingebürgertes Geschäftsmodell im Sport. Die Profi-Clubs haben’s erfunden, um eine zusätzliche Einnahmequelle für ihr millionenschweres sportliches Personal anzustechen – Stadien und Arenen wechseln daher auch immer wieder mal den Namen. Amateur-Clubs hübschen damit ihre Vereinskassen auf, um entweder eine Sportart zu pushen oder alle Sporttreibenden zu entlasten. Der SV Leonberg/Eltingen etwa ist seit Jahren mit der Lewa GmbH (Pumpen, Systeme, Dosieranlagen) verbandelt, der Lewa-Sportpark und die Lewa-Sportwelt in Eltingen sind Zeugnis dieser dauerhaften Partnerschaft.

Fußball im Lewa-Sportpark: Das Leonberger Unternehmen Lewa unterstützt den SV Leonberg/Eltingen seit Jahren. Foto: Andreas Gorr

„Wir sind dankbar dafür“, sagt SV-Geschäftsführer Carsten Nestele, „diese Einnahmen helfen uns, die Mitgliedsbeiträge stabil zu halten.“ 2014 stieg das Leonberger Unternehmen beim damaligen TSV Eltingen ein, der aktuelle Vertrag läuft noch bis 2027 und sorgt für einen warmen Geldregen in Höhe eines niedrigen fünfstelligen Betrags für den Verein. „Wir sind auf solche Partnerschaften angewiesen, diese Summe ist für uns kein Kleingeld“, betont Nestele, „schließlich müssen wir Trainer und Übungsleiter bezahlen.“

https://exchange.glomex.com/video/v-dhy1wykvqli9?integrationId=40599z1imnejpskp

Der SV Leonberg/Eltingen ist in einer komfortablen Lage. Ihm gehören Sportgelände und Sportstudio, sodass der Club frei ist in der Vertragsgestaltung. Vereine, die auf oder in städtischen Liegenschaften ihre Heimat haben, müssen sich mit der Kommune abstimmen. Wie etwa die SKV Rutesheim, die den Sportpark Bühl mit Leben füllt. „Wir müssten uns mit der Stadt absprechen“, sagt Gunter Epple, der sich bei der SKV ums Marketing kümmert, „wir wollen zwar unsere Marketing-Aktivitäten ausbauen, aber das Thema Namensrechte fürs Stadion kommt darin nicht vor.“ Zumindest drüber nachdenken wollen sie aber mal in Rutesheim.

Das Sportgelände an der Weissacher Straße, auf den die Fußballer des TSV Heimerdingen zu Hause sind, ist ohne Namenssponsor – der Club würde das gerne ändern. Foto: Baumann/Leonie Keppler

Auch beim TSV Flacht, dessen Volleyballerinnen in der Bundesliga aufschlagen, ist eine Umbenennung der Heckengäusporthalle in Weissach gegen eine Finanzspritze kein Thema. „Da lassen wir die Finger weg“, stellt Manager Michael Kaiser klar, „wir haben andere Pläne.“ Etwas kleiner sind sie: So soll die Vip-Lounge in der Halle bald den Namen eines Sponsors tragen. „Jeder Club ist auf solche Einnahmen angewiesen“, sagt Kaiser.

Fünfstelliger Betrag ist ein Muss pro Jahr

Beim TSV Heimerdingen würden die Sektkorken knallen, wenn der Sportplatz an der Weissacher Straße einen Namenssponsor bekommen würde. „An dem Thema bin ich schon lange dran“, verrät Clubchef Uwe Sippel, „wir hatten schon Interessenten, aber ich habe die Gespräche nie ins Ziel gebracht.“ Dabei verweist er auf eine Vorgabe der Stadt Ditzingen, gemäß der der TSV mindestens einen fünfstelligen Betrag pro Jahr dafür fordern müsste. Vielleicht gibt es ja doch jemanden in der Nähe, der der Gattin oder dem Gatten ein exklusives Geschenk zum runden Geburtstag machen möchte ...

So viel wird bei deutschen Fußball-Stadien für die Namensrechte bezahlt

Allianz Arena
 Der Versicherer zahlt etwa rund 13 Millionen Euro pro Jahr für die Namensrechte am Stadion des FC Bayern München.

Signal Iduna Park
Die Signal-Iduna-Gruppe lässt sich das Sponsoring bei Borussia Dortmund etwa 10 Millionen Euro jährlich kosten.

MHP Arena
Für das Namensrecht zahlt die Management- und IT-Beratung MHP geschätzt rund 6 Millionen Euro pro Saison an den VfB Stuttgart.

Deutsche Bank Park
Die Deutsche Bank zahlt jährlich etwa 5,4 Millionen Euro an Eintracht Frankfurt.

Veltins-Arena
Die Brauerei Veltins zahlt dem Traditionsclub Schalke 04 rund 3 Millionen Euro pro Jahr.

RheinEnergieStadion
Die RheinEnergie AG überweist dem 1. FC Köln etwa 3,5 Millionen Euro jährlich.

PreZero Arena
Der Entsorgungsdienstleister PreZero zahlt der TSG Hoffenheim für den Namen schätzungsweise 4 bis 5 Millionen Euro.

Volksparkstadion
Es geht auch anders: Dank des Investors Klaus-Michael Kühne trägt das Stadion des Hamburger SV wieder seinen traditionellen Namen, wofür Kühne etwa 4 Millionen Euro pro Jahr zahlt.