Der Ex-Profi hat am vergangenen Sonntag in der Kreisliga-A-Partie gegen Stammheim satte neun Tore für Türkspor Stuttgart erzielt. „Die muss man erst mal machen“, sagt der Neunerpacker.
Wow, was für das für ein Brett! Das dachte selbst auch Shkemb Miftari. Der Stürmer von Türkspor Stuttgart traf am vergangenen Spiel beim 14:2-Sieg gegen das Schlusslicht SC Stammheim satte neunmal. Das ganze verfeinert mit zwei lupenreinen Hattricks, einen davon binnen sechs Minuten. Auch wenn der 32-jährige Ex-Profi deutlich überqualifiziert für die Kreisliga A ist, ist ein Neunerpack alles andere als an der Tagesordnung, nicht nach zu vollziehen, wann es in dieser Stuttgarter Spielklasse letztmals solch eine Torehäufung gab beziehungsweise ob es sie überhaupt mal gab. Aufgrund der außergewöhnlichen Zielgenauigkeit ist Shkemb Miftari unser Spieler der Woche.
So sehr Miftari darüber nachdenkt, nein, neun Tore in einem Spiel, daran kann er sich nicht erinnern. Auch nicht an seine Jugendtage bei seinem Heimatclub, beim SV Wacker Burghausen in Bayern. „Mag sein, vielleicht mal in einem Freundschaftsspiel, aber in einem Punktspiel definitiv nicht“, sagt er. Auch für ihn war der Sonntag also ein besonderer Spieltag, weshalb er seine Freude auch in seinem Status teilte. Neben Anerkennung gab es aber auch Kommentare wie: „In der Kreisliga A, ist das ja nicht schwierig“. Dem entgegnet Miftari: „Sicherlich sind die Gegenspieler schwächer, doch es liegt vor allem an der eigenen Qualität, ob man es hinbekommt.“ Darüber hinaus gibt der Sportlehrer einer Gemeinschaftsschule in Böblingen zu bedenken: „Wenn es so einfach wäre, warum gebe es nicht jede Woche in der Kreisliga A Schützen mit solch einer hohen Trefferanzahl?“
Dritte Liga, Regional-, Ober-, Verbands-, Bezirks- und nun Kreisliga A – was macht außer der Qualität der Spieler den Unterschied aus? „Abseits“, sagt der ehemalige Stürmer der Stuttgarter Kickers. Er meint aber nicht einen Regelunterschied, vielmehr das Fehlen von Schiedsrichterassistenten. Bedeutet: Aus höheren Klassen sei er es gewohnt, stets auf gleicher Höhe positioniert zu sein und dann zu starten. Agiert er so in der Kreisliga A, dann befindet er sich ab und an zwei Meter vor seinen Gegenspieler. Die Schiedsrichter werten das meist als Abseits. Aber kein Vorwurf von dem jüngsten Neunerpacker: „ Sie schauen bei der Ballabgabe auf den absenden Spieler und sehen nicht, wann ich loslaufe. Das geht nur mit Assistenten, weshalb ich versuche, etwas mit dem Starten zu warten.“
Ein weiterer Unterschied sind die eigenen Mitspieler. Einerseits werde man häufig nicht so gut bedient wie in höheren Klassen, anderseits scheuten manche Teamgefährten einen anzuspielen, wenn man mit dem Rücken zum Gegner stehe. Sie trauten einem nicht zu, den Ball verarbeiten zu können, weil ihre sonstigen Mitspieler dies nicht könnten. Aber nicht so bei Türkspor, da hat Miftari einen Lieferanten, den er den Maestro nennt. Gemeint ist der vom Kreuzbandriss wiedergenesene Daniel Bosnjak. „Wahnsinn was der kann, der legt mir unheimlich viel auf.“
Der Torzähler Miftaris steht aktuell bei 19 – bei nur fünf Spielen. Bedeutet in der Liga-Schützenliste Platz fünf. Auf Platz zwei ist sein Mitspieler Emir Dogansoy anzutreffen. Durch seine zwei Treffer bei der Miftari-Gala am Sonntag bringt es dieser auf 25 Jubelmomente. Der Ex-Profi hat Dogansoy aber bereits vor Wochen folgende die Ankündigung gemacht: „Dich hol’ ich auf jeden Fall noch ein.“ Dennoch gönnt Miftari seinem Mitspieler – auch wegen des Mannschaftserfolg – jeden Treffer. „Er ist ein junger Spieler mit viel Potenzial, der Tore machen muss.“ Am besten auch am Montag, wenn das vom Neckarpark Revanche für die 1:4-Bezirkspokal-Niederlage vor einer Woche beim TSV Weilimdorf II nehmen will. Auch deshalb, weil nach den Patzern des Spitzenduos der Aufstieg wieder ein Thema ist. Spitzenreiter Beograd liegt acht, Münster sechs Punkte vor Türkspor. „Die gewinnen auch nicht alles, wie man gesehen hat“, weiß Miftari, „wir müssen unsere Hausaufgaben machen, dann bin ich mir sicher, dass wir es noch packen“.
Gut möglich, dass der Neunerpacker mit seiner selbstbewussten Aussagen Recht behalten kann. Zumindest hält er bislang Wort, wie auch sein Trainer Memik Erdogan freudig zur Kenntnis nimmt. Türkspor hatte bekanntlich schon häufiger Akteure mit höherklassiger Erfahrung. „Auch die machten vollmundige Ankündigungen“, weiß Erdogan. Jedoch der feine Unterschied von denen zu Miftari: „Er hält, was er verspricht“, freut sich der Türkspor-Coach.