Weiß sich zu behaupten: Lukas Kiefer und die Stuttgarter Kickers wollen unbedingt mal wieder in der dritten Liga spielen. Foto: /Imago/Jan Huebner

Seit mehr als zehn Jahren ist Lukas Kiefer im deutschen Profifußball unterwegs. Dabei will der Maichinger, der für die Stuttgarter Kickers spielt, gerne wieder in die dritte Liga. Schließlich möchte er ein Makel in seiner Vita noch beheben.

2 154 Minuten stand er in dieser Saison bereits auf dem Platz. Mit neun Vorlage zählt Lukas Kiefer zu besten Vorlagengeber der Liga. Der zentrale Mittelfeldspieler ist Dauerbrenner und Motor seiner Mannschaft, die weiterhin vom Aufstieg in die dritte Liga träumt. Um die Resthoffnungen dafür am Leben zu halten, muss der Maichinger am Sonntag (14 Uhr) mit seinen Teamkollegen beim Tabellenführer TSG Hoffenheim II gewinnen. „Wir wollen noch mal alles raushauen und schauen, was möglich ist“, kündigt er an.

 

Die Grundlagen, dass er so hoch spielen kann, hat er bereits früh gelegt. Im Alter von fünf Jahren begann er beim GSV Maichingen mit dem Fußball, schnell war sein Talent erkennbar. Durch den Erfolg im Hallensupercup und den Aufstieg auf Verbandsebene wurde der VfB Stuttgart auf ihn aufmerksam. Nach einigen Probetrainings wechselte er bereits in jungen Jahren in die Nachwuchsabteilung des Bundesligisten.

Ab der U12 kickte er zehn Jahre für den Cannstatter Klub, ehe er 2014 zum 1. FC Saarbrücken wechselte. Nach zwei Jahren im Saarland und anderthalb bei Waldhof Mannheim kehrte er nochmals in die zweite Mannschaft des VfB zurück, ehe es 2020 zum SSV Ulm in die Regionalliga ging. Nach dem knapp verpassten Aufstieg wechselte er vor drei Jahren schließlich zu den Stuttgarter Kickers in die Oberliga und verhalf dem so stolzen Verein zur Rückkehr in die vierthöchste Spielklasse Deutschlands. „Ich bin bin sehr, sehr glücklich, ein Blauer zu sein. Ich identifiziere mich sehr mit dem Verein und fühle mich einfach zuhause“, schildert der 31-Jährige.

Bereits vor seinem Wechsel hatten die Kickers immer wieder um die Gunst von Kiefer gebuhlt, waren jedoch stets gescheitert. Doch schließlich geriet er ins Grübeln, obwohl er auch ein Angebot zur Verlängerung von Ulm vorliegen hatte. „Ich komme aus der Region, und da war die Frage: Kommt irgendwann noch mal die Möglichkeit, zu den Kickers zu gehen?“ Also gab er dem Team von der Waldau die Zusage und zog zurück nach Maichingen.

Dennoch möchte er die Zeit beim SSV Ulm nicht missen, besonders der vor wenigen Wochen entlassene Thomas Wöhrle hat ihn geprägt. „Er hat mich fachlich enorm weitergebracht, da habe ich in meinem Alter noch mal was dazugelernt“, lobt Kiefer. Traurig ist er dabei nicht, dass er nun nicht wie einige ehemalige Teamkollegen in der zweiten Liga spielt. „Alle meine Ex-Vereine spielen mittlerweile höher“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Auch die Stuttgarter Kickers wollen gerne aufsteigen, wenngleich die Chancen aktuell gering sind. Derzeit trennen die Kickers bei einem Spiel weniger elf Punkte von der Spitze. „Wir haben hier und da Punkte liegen gelassen, aber man darf nicht vergessen, wo wir herkommen“, erklärt Kiefer. Dass es für den damaligen Aufsteiger in der vergangen Runde mit Platz zwei derart überragend lief, war für ihn nicht zu erwarten. „Die Ansprüche sind dadurch extrem gestiegen“, konstatiert er. „Die Grundtendenz zeigt aber nach oben, das ist das entscheidende.“

Er selbst geht mit guter Leistung voran, Woche für Woche stellt er sich in den Dienst der Mannschaft. Dabei sieht sich Kiefer als laufstarken und ballsicheren Spieler, der ein gutes Passspiel hat. „Ich bin kein Dribbler oder Außenbahntechniker“, sagt er mit einem Lachen. Doch das wird vom Vollzeit-Profi, der ab und an noch als Vermögensberater arbeitet, auch nicht erwartet. Vielmehr soll er als einer der erfahrenen Spieler die Mannschaft anführen. „Ich versuche für jeden ein offenes Ohr zu haben und mit Leistung voranzugehen“, erklärt der Vize-Kapitän, dessen Spitzname Kiwi ist.

Wie groß das Vertrauen der Kickers in Kiefer ist, belegt die Vertragsverlängerung bis 2027. Das Ziel in dieser Zeit ist klar: Aufstieg in die dritte Liga. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, meint er selbstbewusst. Er selbst hat bereits 49 Drittliga-Partien auf dem Buckel. „Ich hätte in meiner Vita gerne die 50 stehen“, grinst er. Ob er dieses Ziel mit den Kickers erreicht, wird sich zeigen. „Wir wollen das Maximale herausholen. Zu was es dann reicht, müssen wir schauen.“

Doch selbst wenn es nicht reichen sollte, ist er absolut im Reinen mit sich. Zwar habe er sich ab und an schon gefragt, ob er irgendetwas hätte anders machen können, doch letztlich ist das nur Makulatur. „Ich kann gut damit leben, dass ich durchgehend Profi-Fußballer gewesen bin“, sagt Kiefer und ergänzt: „Ich möchte so lange wie möglich auf dem Niveau spielen, wie ich kann.“ Und sollte es irgendwann nicht mehr reichen, würde sich der GSV Maichingen über einen solch tollen Fußballer bestimmt freuen.

Lukas Kiefer

Werdegang
Mit dem Fußball begann er im Alter von fünf Jahren beim GSV Maichingen und wurde bereits in der E-Jugend vom VfB Stuttgart entdeckt. 2014 wechselte er von der zweiten Mannschaft des VfB zum 1. FC Saarbrücken. Über Waldhof Mannheim, VfB Stuttgart II und den SSV Ulm landete er 2022 schließlich bei den Stuttgarter Kickers.

Größte Erfolge
2009 wurde Kiefer mit den B-Junioren, zu denen Bernd Leno zählte, des VfB Stuttgart Deutscher Meister. 2021 gewann er zudem mit dem SSV Ulm den WFV-Pokal und qualifizierte sich so für den DFB-Pokal. Zwei Jahre später gelang ihm mit den Stuttgarter Kickers der Aufstieg in die Regionalliga.

Sportliche Vita
Insgesamt hat er in seiner Profi-Karriere bereits 280 Liga- und 27 Pokalspiele auf dem Buckel. 196 Partien absolvierte er bisher in der Regionalliga Südwest, damit liegt er auf Platz 36 der Rekordspieler. Insgesamt gelangen Lukas Kiefer in seiner Karriere bisher 20 Tore und 20 Vorlagen.