Sieger im Luftkampf: Daniel Elfadli (li.) springt höher als sein Bielefelder Gegenspieler. Foto: 1. FC Magdeburg/Norman Seidler

Der Leonberger Daniel Elfadli hat mit dem 1. FC Magdeburg den Klassenverbleib in der zweiten Fußball-Bundesliga geschafft – und dabei auch ein Novum gefeiert.

Während sich die Amateur-Fußballer im Altkreis Leonberg im wohlverdienten Urlaub erholen, hat für Daniel Elfadli schon die Vorbereitung auf die neue Zweitligasaison begonnen. Im vergangenen Sommer hatte der Leonberger im Alter von 25 Jahren den Sprung in den Profi-Fußball gewagt und damit ein Abenteuer begonnen, das im durchorganisierten Profifußballbetrieb mit seinen Scouting-Abteilungen und Vereins-Jugendinternaten eigentlich nicht mehr möglich schien. Vor sieben Jahren hatte der Deutsch-Libyer noch für die SKV Rutesheim in der Landesliga gekickt, über die Oberligisten SSV Reutlingen (2018) und FC Nöttingen (2020) sowie den Regionalligisten VfR Aalen (2021) landete er bei dem Traditionsverein in Sachsen-Anhalt, der den Sieg im Europapokal der Pokalsieger im Jahr 1974 in seinen Vereinsannalen stehen hat.

 

Nachdem der Aufsteiger die Hinrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz abgeschlossen hatte, machte der 1. FC Magdeburg in der Rückrunde am drittletzten Spieltag mit einem 2:2 gegen den 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt perfekt. „Danach herrschte eine Riesen-Euphorie, die sich in einem spontanen Kabinenfest entladen hat“, erzählt Daniel Elfadli. Am Erfolg hat der derweil 26-Jährige großen Anteil: Nachdem der Ex-Regionalligaakteur am zwölften Spieltag erstmals den Sprung in die Anfangsformation geschafft hatte, war er bei Trainer Christian Titz als „schwimmender Sechser“ im defensiven Mittelfeld gesetzt und verpasste nur noch zwei Begegnungen – Anfang März wegen Krankheit gegen den 1. FC Kaiserslautern und das letzte Saisonspiel gegen Arminia Bielefeld wegen einer Gelbsperre.

In besonderer Erinnerung ist ihm das zweite Rückrundenspiel gegen den Karlsruher SC: In der 95. Minute erzielte er sein erstes Bundesliga-Tor und rettete seinem Team mit dem 1:1-Ausgleich einen Punkt. Irritierend fanden Elfadli und seine Teamkollegen, dass sie sich anschließend trotz des Erfolgserlebnisses Missfallenskundgebungen der Fans hinter den Zäunen anhören mussten. „Das hat uns ziemlich schockiert, aber danach ist unsere Mentalität noch besser geworden“, berichtet Daniel Elfadli, der anschließend auch noch sein erstes von mehreren Fernsehinterviews geben durfte.

Drittes Saisontor gegen Regensburg

Nur eine Woche später ließ der 26-Jährige beim 3:2-Sieg in Kiel seinen zweiten Treffer folgen, ein dritter gelang ihm am 27. Spieltag beim 2:2 in Regensburg. Den Erfolg in der Rückrunde macht der Deutsch-Libyer an der verbesserten Defensiv-Arbeit seines Teams fest. „Wir hatten in der Winterpause den Schwerpunkt darauf gelegt, weil wir in der Hinrunde zu viele Gegentore nach individuellen Fehlern kassiert haben“, erklärt Elfadli. Vorne sei das Team immer für Tore gut.

Vertragsverlängerung in der Winterpause

Besonders gut schlug sich der 1. FC Magdeburg in den Duellen mit den Spitzenteams: Gegen den Hamburger SV gelangen zwei 3:2-Siege, gegen Heidenheim zwei Unentschieden (1:1 und 0:0). Nur gegen den späteren Aufsteiger Darmstadt 98 gab es zwei 0:1-Niederlagen. „Gegen die Top-Teams haben wir unsere Räume gekriegt, das fällt uns leichter als gegen die Kellerkinder, die nur hinten drin stehen“, erklärt Elfadli. Es war daher nicht verwunderlich, dass der 1. FC Magdeburg den Vertrag mit ihm schon in der Winterpause verlängert hat. „Es freut mich, dass meine Leistung anerkannt wird und ich inzwischen eine gewisse Wertschätzung genieße“, sagt der Leonberger, der in Magdeburg aber immer noch ungestört einen Kaffee trinken gehen kann. In der neuen Saison will er weiter an sich arbeiten und seine Potenziale noch besser ausreizen. „Mein Ziel ist es, auch einmal erste Bundesliga zu spielen“, erklärt der 26-Jährige selbstbewusst. Es ist durchaus möglich, dass das Märchen des Daniel Elfadli noch eine Fortsetzung erfährt.