Tasos Leonidis (rechts) – hier noch im Trikot von Calcio Leinfelden-Echterdingen – führt aktuell die Oberliga-Torschützenliste an. Foto: Günter Bergmann

Tasos Leonidis, aktuell bester Torschütze der Fußball-Oberliga spricht über seinen Lauf, Pläne und seine Zeit zuvor bei Calcio Leinfelden-Echterdingen.

Tasos Leonidis war in der vergangenen Runde einer der wenigen Gewinner beim Oberliga-Absteiger Calcio Leinfelden-Echterdingen. Nach der Saison wechselte er zum FC Nöttingen, startet derzeit durch und führt die Torschützenliste der Fußball-Oberliga an. Trotz des Abstiegs war für ihn das Jahr bei Calcio „nicht vergeudet“, sagt der 20-jährige Stürmer im Interview.

 

Herr Leonidis, 16 Spiele, elf Tore und Spitzenreiter in der Schützenliste der Oberliga. Nun mal ehrlich, hätten Sie das vor der Saison erwartet?

Nicht wirklich. Ich bin nach Nöttingen gewechselt, weil mir dort mehr Spielzeit als noch bei Calcio in Aussicht gestellt wurde und ich diese nun ja auch habe. Außerdem ist die Mannschaft sehr jung, entwicklungsfähig und verfügt über den Willen, etwas zu erreichen. Das hat mich überzeugt.

Was will die Nöttinger Mannschaft denn erreichen?

Platz drei. Das ist realistisch, wie der bisherige Saisonverlauf zeigt. Wir sind Fünfter mit drei Punkten Rückstand auf unser Ziel.

Sie habe durch Ihre Tore großen Anteil an dem bisherigen Abschneiden. Wie erklären Sie sich ihren persönlichen Lauf?

Es zahlt sich nun wohl aus, dass ich nicht nur die üblichen Trainingseinheiten des Vereins besuche, sondern auch außerhalb des Platzes einiges für mich mache. So habe ich zum Beispiel vergangene Runde häufig morgens trainiert. Mein Ziel ist, das Beste aus mir zu machen, und dafür muss ich zusätzliche Trainingsschichten einlegen.

Schauen wir in den Rückspiegel. In der vergangenen Spielzeit waren sie noch in Diensten von Calcio Leinfelden-Echterdingen und sind mit dem Verein sang- und klanglos aus der Oberliga abgestiegen. Was waren aus Ihrer Sicht die Gründe?

Es herrschte viel Unruhe im Verein, auch aufgrund des Trainerwechsels von Francesco Di Frisco zu Ioannis Tsapakidis und dann wieder zurück zu Di Frisco. Doch den Hauptgrund für den Abstieg sehe ich an der Mannschaft. Zu wenige im Team haben an den Klassenverbleib geglaubt. Darüber hinaus hätten wir einfach mal lernen müssen, einen Vorsprung irgendwie über die Zeit zu retten. Das ist uns zu selten gelungen.

Für Sie persönlich verlief die Saison wie eine Achterbahnfahrt. In der Hinrunde praktisch nicht beachtet, dann Einsatzzeiten auf unterschiedlichen Positionen, auch mal als Verteidiger, und gegen Ende wichtiger Bestandteil des Teams – mit dem Abschlusszeugnis bester Calcio-Schütze mit acht Treffern. . .

Es war sicherlich keine einfache Zeit für mich. Ich war ja erst aus der Jugend herausgekommen und hatte wegen eines Kreuzbandrisses eine komplette Spielzeit kein Spiel für die U 19 der Stuttgarter Kickers bestreiten können. Zuvor war ich Torschützenkönig in der U-19-Oberliga mit 22 Treffern in 24 Spielen. Es war klar, dass ich nicht sofort zum Zug kommen werde. Das hat mir der Trainer Francesco Di Frisco so gesagt. Doch ich habe mich nicht aufgegeben und durchgekämpft. Es war sicherlich eine gute Erfahrung für mich, und ich habe es mir auch selbst bewiesen, dass ich es kann. Diese Erkenntnis habe ich mitgenommen. Wenn man etwas erreichen will und an sich hart arbeitet, dann kann es gelingen.

Haben Sie über eine Vertragsverlängerung bei Calcio nachgedacht, um den Abstieg zu korrigieren oder war ein Wechsel schon früh klar?

Es war früh klar, dass ich wechseln werde. Ich wollte in der Oberliga bleiben, weil ich mir das Niveau auf jeden Fall zutraue.

Gab es noch andere Optionen als Nöttingen?

Oh ja, die gab es, praktisch aus der gesamten Oberliga. Aufgrund der eingangs erwähnten Gründe habe ich mich dann aber für Nöttingen entschieden. Die richtige Entscheidung, wie sich mittlerweile zeigt.

Nun stehen Sie an der Spitze der Oberliga-Torschützenliste. Gab es schon Anfragen von höherklassigen Klubs?

In der Tat, einige Regionalliga-Mannschaften, ohne Namen zu nennen, haben schon angefragt.

Wäre für Sie auch eine Rückkehr zu den Kickers ein Thema?

Ja, warum nicht. Einen Vertrag hatte mir der damalige Manager Marc Stein ja schon in Aussicht gestellt. Aber als dieser entlassen wurde, war davon nicht mehr die Rede.

Wie gesagt, der Torzähler steht bei elf, wie viele Treffer trauen sie sich noch zu?

Mindestens 20 Saisontore sollten es werden – sofern ich recht verletzungsfrei durch die Runde komme.