SVF-Trainer Tomislav Zoric glaubt an den Klassenverbleib seines Teams. Foto: /Susanne Degel

Nach dem jüngsten Aufstieg von der Verbands- in die Oberliga haben die Fußballer des SV Fellbach in den ersten 20 von 34 Spielen 21 Punkte gesammelt. Die Abstiegsgefahr ist groß. Trotzdem glaubt der Trainer Tomislav Zoric an den Ligaverbleib. Im Gespräch sagt er, warum.

Die Oberliga-Fußballer des SV Fellbach überwintern auf dem 14. Tabellenplatz. Tomislav Zoric, der seit dem Sommer für deren Geschicke als Chef-Trainer verantwortlich zeichnet, beurteilt im Interview die bisherige Saison, erklärt, welche Schwerpunkte er künftig setzt und ob er seinem Team den Ligaverbleib nach dem Aufstieg im vergangenen Frühjahr zutraut.

 

Herr Zoric, wie geht es Ihnen? Wie haben Sie Weihnachten und den Jahreswechsel gefeiert?

Sehr gut, vielen Dank. Die Weihnachtstage gemütlich mit der Familie und Silvester bei uns zuhause mit Freunden.

Wenn Sie den bisherigen Saisonverlauf in drei Worten zusammenfassen müssten, wie lauteten diese?

Widerstände, wechselhaft, Charakter.

Und wenn Sie ausführlicher sein dürfen?

Wir hatten einen sehr guten Start, was die Ergebnisse angeht. Dann hatten wir eine Phase, in der die Leistungen besser waren, aber die Ergebnisse ausblieben. Da ist mir besonders das 0:2 gegen den FV Ravensburg in Erinnerung. Danach folgte eine Phase mit einigen negativen Ausreißern, aus der wir aber gestärkt herausgekommen sind. Die Phase vor Weihnachten war sehr ordentlich, mit Ausnahme des Spiels in Nöttingen. Aber die Spiele gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen, den FSV 08 Bietigheim-Bissingen, Normannia Gmünd und den TSV Essingen waren leistungsmäßig sehr gut. Im neuen Jahr müssen wir aber unbedingt mehr Punkte mit solchen guten Leistungen generieren.

Der SVF ist vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt worden. Mit welcher Überzeugung waren Sie in die Runde gestartet?

Uns war bewusst, dass wir extrem schwierige Voraussetzungen haben. Deshalb haben wir lange offen gelassen, ob wir einen möglichen Aufstieg überhaupt annehmen. Auch, weil wir erst Ende April mit der Kaderplanung beginnen konnten und finanziell überhaupt nicht konkurrenzfähig sind. Trotz aller Widrigkeiten hat sich in Gesprächen mit den eigenen Spielern und potenziellen Zugängen schnell das Gefühl eingestellt, dass etwas entstehen kann. Unsere Situation war allen bekannt und die Gespräche dadurch sehr ehrlich, jeder wusste, worauf er sich einlässt. Zwischen Vereinsverantwortlichen, dem Trainerteam und der Mannschaft ist ein Verhältnis entstanden, das von hohem Vertrauen geprägt ist. So sind wir die Saison mit großer Vorfreude angegangen. Jeder hat das Gefühl, sich bewähren zu können. Und wir wollten es einfach auch allen zeigen!

Auf welche Tugenden haben Sie bislang großen Wert bei den Spielern gelegt?

Das Wichtigste für uns ist, gierig zu sein und als Einheit aufzutreten. Wir haben nicht die besten Einzelspieler, aber sehr viel Potenzial und einen guten Charakter. Da wir eine extrem junge und unerfahrene Mannschaft haben, können wir nur über diesen Weg andere Wettbewerbsnachteile ausgleichen. Das ist uns zu Beginn und jetzt am Ende sehr gut gelungen. In der Mitte der Hinrunde haben wir das leider nicht in der nötigen Art und Weise hinbekommen.

Und was hat Ihr Team bislang in besonders hohem Maße ausgezeichnet?

Charakter, Leidenschaft und ein spielerischer Ansatz, der uns besonders zu Beginn ausgezeichnet hat. Im Laufe der Hinrunde mussten wir aber hier ein paar Kompromisse eingehen, um wieder stabiler zu werden.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Luft nach oben?

Definitiv in allen. Wir schalten ganz ordentlich um und waren in den letzten Spielen defensiv stabiler. Wir schaffen es aber noch nicht, stabil mit dem Ball zu sein und uns mehr Torchancen zu erspielen. Ich hoffe mit etwas weniger Verletzungspech und noch mehr gemeinsamer Zeit, dass wir in allen Spielphasen stabiler werden. Zudem müssen wir konstanter werden. Wir haben sehr viele gute Leistungen gezeigt, aber auch einige sehr schlechte. Auch die Anzahl der Platzverweise ist viel zu hoch, insbesondere wenn man sieht, wie naiv und unnötig die allermeisten waren. Da erwarte ich ein reiferes Auftreten.

Welches Spiel war bisher das beste und welches war schlicht zum Vergessen?

Es fällt mir nicht leicht, ein bestes Spiel auszuwählen, da die Spiele so unterschiedlich waren und wir vor allem inhaltlich noch einiges besser machen können. Aber ich war von der Mannschaft beim Spiel gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen nachhaltig beeindruckt. Wir hatten in den drei Spielen zuvor 17 Gegentore bekommen und in Echterdingen ging es gleich mal so weiter: ein frühes Gegentor und ein vergebener Elfmeter. Wir haben uns dann aber reingebissen und das Spiel letztlich einigermaßen souverän mit 3:2 gewonnen. Das hätte ich uns zu dem damaligen Zeitpunkt nicht zugetraut. Katastrophal war die zweite Hälfte gegen die TSG Balingen und die erste Hälfte gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Da wurden wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und waren überhaupt nicht konkurrenzfähig.

Gibt es einen Spieler, der Sie in seiner Entwicklung besonders überrascht hat?

Wir haben viele Spieler, die sich sehr gut entwickelt haben und einige, die noch etwas Zeit brauchen. Wirklich überrascht hat mich eigentlich niemand, da ich die meisten Spieler schon sehr lange kenne und ich wusste, dass viele im richtigen Umfeld zu schnellen Sprüngen fähig sind. Am ehesten ist Benjamin Causevic zu nennen, der uns mit seiner Art viel Energie gibt. Ich kenne ihn aus unserer gemeinsamen Zeit in der U15 beim FSV Waiblingen. Ich hatte gehofft, dass er sich nach einer nicht so einfachen Zeit schnell entwickelt. Aber dieses Ausmaß hat mich doch überrascht.

Wann werden Sie in die Vorbereitung starten und welche Schwerpunkte werden Sie setzen?

Die Vorbereitung startet am 21. Januar mit vier Einheiten pro Woche. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich. Wir wollen das festigen, was wir uns erarbeitet haben, unsere Spielidee wieder etwas vereinfachen, aber in diesen Bereichen klarer und stabiler werden. Defensiv haben wir noch viel Luft nach oben.

Einige Konkurrenten waren in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv. Welche Veränderungen gibt es zu Beginn des neuen Jahres in Ihrem Kader?

Wir haben einige Optionen geprüft und planen zum Trainingsauftakt noch zwei, drei Möglichkeiten umzusetzen. Aktuell prüfen wir, wie sich das mit unseren weiterhin schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen umsetzen lässt. Verlassen haben uns Giuliano D’Aleo, dessen Zukunft noch offen ist, Rafail Filippidis, der nur noch für die U19 spielt, und Leonidas Tziros, der pausiert.

Auf welcher Position würden Sie sich gern noch verstärken?

Wir möchten unbedingt noch was in der Innenverteidigung machen und optional noch etwas im offensiven Bereich. Aber nur, wenn das Gesamtpaket stimmig ist.

Welche Spieler haben für die kommenden Saison ihr Engagement bereits verlängert?

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch nichts Endgültiges. Vor Weihnachten haben erste Gespräche stattgefunden, die im Januar intensiviert werden. Wir wünschen uns mit den allermeisten weiterzumachen, wissen aber auch, dass einige Jungs Begehrlichkeiten geweckt haben. Hier müssen wir als gesamte Fußballabteilung noch einen ordentlichen Schritt machen, damit wir Rahmenbedingungen vorfinden, in denen unsere Wünsche auch real werden können.

Der SVF überwintert auf dem 14. Platz. Wie sehr sind Sie selbst vom Ligaverbleib überzeugt?

Wir trauen ihn uns auf jeden Fall zu. Wir haben es in der Hinrunde schon gezeigt, dass wir das Potenzial haben. Jetzt gilt es, gierig zu bleiben und hart zu arbeiten.

Noch ein Blick an die Tabellenspitze. Wer wird Oberliga-Meister und wer darf in die Aufstiegsrelegation?

Die Meisterschaft wird sich die SG Sonnenhof Großaspach nicht mehr nehmen lassen. Dafür ist sie zu konstant und individuell zu gut. Dahinter wird es spannend. Ich tendiere zur TSG Balingen, wobei ich den VfR Mannheim keinesfalls abschreiben möchte.

Trainer und Familienmensch

Privates
Tomislav Zoric wurde am 8. August 1993 in Waiblingen geboren und ist in Korb aufgewachsen. Inzwischen lebt er mit seiner Ehefrau Sabrina und der Australian-Shepherd-Hündin Maja in Degerloch. Er spielt mit seiner Frau gerne Tennis oder trifft sich mit Freunden. Der 31-Jährige hat einen Masters-Abschluss in BWL und arbeitet von Januar an als Trainee bei einem Wirtschaftsunternehmen in Zuffenhausen.

Sportliches Zoric hat selbst mit dem Kicken beim SC Korb begonnen und wechselte in der B-Jugend zur Spvgg Rommelshausen, spielte ein Jahr beim TB Beinstein und heuerte schließlich beim FSV Waiblingen an, bei dem er auch erste Erfahrungen als Trainer im Jugendbereich machte. Vor seinem Engagement beim SVF hat der A-Lizenz-Trainer zweieinhalb Jahre als hauptamtlicher Trainer gearbeitet – zuletzt als Co-Trainer Analyse beim VfB Stuttgart II.