Statt wie geplant endlich mit der Aufholjagd im Tabellenkeller zu beginnen, geht der Aufsteiger in Nöttingen mit 0:7 unter. Einer „schämt sich“ für die Mannschaft. Und für alle Beteiligten stellt sich die Frage: War’s das schon?
Der für den Oberligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen beste Beitrag eines denkwürdigen Fußballabends kam von der Schiedsrichterin. Selina Menzel hatte ein Erbarmen. Sie verzichtete auf jegliche Nachspielzeit und pfiff punktgenau nach 90 Spielminuten ab. So blieb den Gästen womöglich noch Schlimmeres erspart. Freilich, ein Spieltag der bei ihnen länger nachhallen dürfte, ist es auch so. Selbst nach einer Nacht Schlaf über den Ereignissen und mit wieder abgesenktem Puls bewegten sich die Beteiligten am Wochenende zwischen Frust, Erschütterung und Fassungslosigkeit.
0:7! Das war aus Echterdinger Sicht das Resultat in der Auswärtspartie beim FC Nöttingen. Die Begegnung, in der der Filderclub nun endlich mit der erhofften großen Aufholjagd im Tabellenkeller hatte beginnen wollen, geriet zur schwärzesten Stunde dieser Saison. „Ein kollektives Versagen“, sagt der sportliche Leiter Achim Kiesel, „ich schäme mich für diese Leistung der Mannschaft.“ „Wir haben uns wie ein Absteiger präsentiert“, ergänzt der Trainer Francesco Di Frisco. Und spätestens jetzt dürfte auch dem letzten unter allen verbliebenen Optimisten klar geworden sein, dass vor eben diesem direkten Wiederabstieg nurmehr ein Wunder retten kann.
Zwar noch nicht rechnerisch, aber allemal gefühlt hat der Freitagabend die eigenen Chancen auf den Klassenverbleib in Richtung Nullpunkt sinken lassen. Ein Happy End wirkt mittlerweile so weit entfernt wie Holstein Kiel vom Gewinn der Champions League. Die direkt nach der Winterpause demonstrierte Aufbruchstimmung hat sich mit nun drei Niederlagen in Serie so schnell verflüchtigt wie ein Spritzer Parfüm in der Luft. Und zumindest Kiesel mag sich erst gar nicht mehr mit Durchhalteparolen aufhalten. „Für mich war das praktisch der Abstieg“, sagt er.
Zum wiederholten Mal zeigte sich, dass das eigene Team mit Rückschlägen innerhalb einzelner Spiele nur schwer umgehen kann. Es fehlt sowohl an körperlicher als auch mentaler Widerstandsfähigkeit – der zweite Teil nach der Vielzahl an Schlappen ja vielleicht auch nicht mehr verwunderlich. Aktuell lagen die Echterdinger bereits nach zehn Minuten mit 0:2 hinten. Früh gingen die Köpfe nach unten und schlich sich die Verunsicherung als spürbares Gift durch die Elf. Offensichtlicher Gedankengang: Oh weh, es geht schon wieder schief. Stoppen konnte Di Frisco die erneute Malaise auch durch personelle Sofortmaßnahmen nicht mehr. Die indisponierten Stefan Todorovic und Nedim Pepic wechselte er nach nur gut einer halben Stunde aus.
Am Ende war es überhaupt ein Pleiten-und-Pannen-Festival des Klassenneulings. Beispiele gefällig? Beim ersten Gegentor griff selbst der Keeper Maximilian Otto daneben, im bisherigen Rundenverlauf einer der wenigen im Calcio-Kader mit konstanter Zuverlässigkeit. Beim dritten vertändelte der erwähnte Pepic an der eigenen Strafraumgrenze den Ball. Beim fünften sprang der Verletzungspausen-Rückkehrer Viktor Ribeiro an der Kugel vorbei. Und die Auflistung ließe sich fortsetzen. Durchgängig als Achillesferse erwies sich die rechte Abwehrseite, über welche vier der Nöttinger Treffer entstanden. Eigentlich hatte Di Frisco dort dem Neuzugang Maximilian Kuchler zu seinem Startelfdebüt verhelfen wollen. Der 24-Jährige fiel jedoch kurzfristig krank aus. Es passte ins Bild eines durch und durch verkorksten Auswärtstrips.
Für den Gegner wiederum schafften die Schützen Stefan Zimmermann (7.), Matej Mijic (10.), Dennis Klemm (28.), Albin Sahiti (51.), Jimmy Marton (62.), Niklas Hecht-Zirpel (74., Foulelfmeter) und Moritz Weißer (84.) etwas, was wohl selbst in Nöttinger Reihen keiner für möglich gehalten hätte: Sie toppten das Hinrunden-Ergebnis sogar noch. Seinerzeit, im September, waren die Echterdinger auf eigenem Platz mit 1:6 untergegangen. Diesmal also 0:7.
„Ich kann mich nicht erinnern, dass Calcio jemals schon so hoch verloren hat“, ächzt Kiesel, begleitet von einem ungläubigen Kopfschütteln. Die Gewissheit, die mulmig stimmen könnte: Es folgen in dieser Saison nun noch zehn weitere Spiele. Und vor denen wird kein schneller Abpfiff eines Schiedsrichters retten. Da werden alle Beteiligten durch müssen.
Calcio-„Spieler des Spiels“
Keiner. Die Begründung erübrigt sich. Siehe Ergebnis: 0:7. Siehe Stichwort „kollektives Versagen“.
FC Nöttingen: Marksteiner – Waldraff, Zimmermann, Andric, Fassler – Krajinovic (77. Neicu), Mijic (46. Sahiti), Türköz (64. Kranitz), Hecht-Zirpel – Marton (73. Neu), Klemm (67. Weißer).
Calcio Leinfelden-Echterdingen: Otto – Todorovic (34. Kajan), Spahiu, Körtge Corral, Ribeiro – Daler, Parharidis, Swieter (78. Seemann), Varese (59. Amenta) – Pepic (34. Kukic) – Cardinale (59. Leonidis).