So sieht der elektronische Spielerbogen aus. Foto: Andreas Gorr

Vor allem die bald notwendige Elektronik erhitzt die Gemüter der Vereinsvertreter.

Malmsheim - Beim Staffeltag der Kreisligisten im Bezirk Enz-Murr ist es in der Sommerpause stellenweise richtig laut zugegangen – so laut sogar, dass der Staffelleiter Hans Siegl persönlich die Vereinsvertreter in der Malmsheimer Sporthalle zur Ordnung rufen musste. Der Grund für die lautstarken Unmutsäußerungen der Anwesenden war eine Präsentation, die vor der Festlegung der endgültigen Spielplänen für Diskussionsstoff sorgte.

Zunächst ging es um die Ordner, die in ihren roten Westen mit dem Logo des württembergischen Fußballverbandes (WFV) seit der Saison 2010/2011 auf den Sportplätzen präsent sind – und die vom Gastgeberverein benannt werden. Denn der Verband legt in der kommenden Spielzeit einen gesteigerten Wert darauf, dass sich dieses Sicherheitspersonal vor dem Spiel beim Schiedsrichter anmeldet. „Das war eigentlich schon immer Pflicht“, sagt der Bezirksvorsitzende Hans-Jörg Arnold. Man habe den Vereinen nun genug Zeit gegeben, sich daran zu gewöhnen. „Zuerst gab es eine Probezeit, danach haben wir schriftliche Aufforderungen verschickt.“ Jetzt greife man durch, sollte der Schiedsrichter auf dem Spielberichtsbogen ein Fehlen vermerken. Die Folge sind Geldstrafen.

„Das Problem hierbei ist“, sagt der Abteilungsleiter des B 4-Kreisligisten TSG Leonberg, Uli Nestle, „dass viele Vereine oft einfach nicht genügend Leute haben, als dass sie dafür jemanden abstellen können.“ Diese Einschätzung teilten seine Amtskollegen bereits vor zwei Jahren. „Die Einführung der Ordner rief schon vor zwei Jahren großes Unverständnis hervor. „Als kleiner Verein ist es immer schwer, Leute zu finden, die das machen“, sagte Jochen Walter, Nestles Pendant vom SV Gebersheim, bereits damals. Andererseits war die Begründung des WFV durchaus nachvollziehbar: Eine Reihe von Spielabbrüchen trübte die Szenerie und der Verband sah sich zum Handeln gezwungen.

Doch auch – und vor allem – ein weiteres Thema erhitzte die Gemüter beim Staffeltag: der elektronische Spielbericht bei www.dfbnet.org, der im ersten Kreisliga-Test in der Rückrunde der jetzigen Saison zum Einsatz kommt. In Verbands- und Landesligen wird er bereits verwendet. „Ortsungebunden“, so heißt es in der Präsentation des WFV, „können die Heim- und Gastvereine passwortgeschützt auf das System zugreifen.“ So sei es möglich, dass die Mannschaftsaufstellungen bereits vor dem Spieltag vorbereitet werden. Sichtbar sind diese allerdings für den Gegner erst 45 Minuten vor Anpfiff. Nach dem Spiel gibt der Schiedsrichter direkt im Stadion beziehungsweise auf dem Sportgelände die Spieldaten ein.

Das stellt einige Kreisliga-Vereine vor Probleme, wie sich beim Staffeltag unmissverständlich vernehmen ließ. „Wir haben weder am Jahnsportplatz noch am Engelberg einen Computer mit Internet“, sagt Uli Nestle, „das müsste man alles anschaffen.“ Hinzu kommt, dass die Handhabung des elektronischen Spielerbogens nicht ohne ist. Dessen ist sich Hans-Jörg Arnold durchaus bewusst. „Dafür gibt es im Internet eine Schulungsumgebung“, sagt er, „dort kann man alles mögliche ausprobieren, ohne etwas kaputt zu machen.“ Und sollte sich doch in dem Zeitraum, der zwischen dem Ausdruck und dem Spielanpfiff liegt, etwas ändern, ist die alte Schule angesagt: „Dann wird einfach durchgestrichen und verbessert“, so Arnold.

Grundsätzlich müsse man abwarten. „Es wird genügend Schulungen geben, bei denen sich die Vereine informieren können“, sagt Arnold. In den oberen Ligen klappe es bereits nahezu problemlos. Das weiß auch Uwe Sippel zu berichten. Der Abteilungsleiter des Landesliga-Aufsteigers TSV Heimerdingen hat, nach einem Jahr Bezirksliga-bedingter Pause, am 19. August, dem ersten Spieltag, erstmals wieder den elektronischen Spielerbogen ausgefüllt. „Wenn man das Equipment, also einen Laptop und einen Drucker, am Sportplatz hat, funktioniert das alles tadellos“, sagt er. Dass kleinere Vereine oder Clubs, die kein eigenes Sportgelände haben, eher skeptisch sind, könne er aber gut verstehen. „Es ist alles von der Infrastruktur abhängig“, so der Heimerdinger.

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