Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Hier im Duell der Kapitäne: Plattenhardts Nemanja Markovic (links) und Raphael Hahn. Foto: Günter Bergmann

In einem umkämpften Abstiegsduell schnappt der TSV Plattenhardt dem MTV Stuttgart den Sieg vor der Nase weg. Hinzu kommen tumultartige Szenen und eine Handgreiflichkeit.

Im strömenden Regen endete das Spiel der Fußball-Landesliga, abgekühlt hatten sich die Gemüter im Weilerhau aber noch lange nicht. Nach neunzigminütigem Abstiegskampf zwischen dem TSV Plattenhardt und dem MTV Stuttgart goss spätestens der späte Doppelschlag der Heimelf Öl ins Derbyfeuer. Zuerst ließen die Gastgeber ihren Emotionen freien Lauf, stürmten den Platz und feierten ihren Torschützen Mark Hörz, dessen Lastminute-Treffer für den 2:1-Sieg sorgte. Wenig später eskalierte eine Situation vor der Bank der Gäste, im Tumult landete die Hand eines MTV-Teammitglieds im Gesicht von Plattenhardts Ekrem Servi. Auch nach dem Abpfiff hatten beide Teams noch regen Gesprächsbedarf, ehe das Wetter die Kontrahenten schließlich doch in die Kabinen trieb.

 

Während der TSV Plattenhardt also mit zwei Siegen in Folge in die Winterpause geht, stehen die Stuttgarter trotz starker Leistung einmal mehr mit leeren Händen da – geradezu sinnbildlich für ihre bislang verkorkste Saison. „Wir sind unbelehrbar“, monierte der Trainer Björn Lorer. „90 Minuten haben wir alles in der Hand, und dann verlieren wir in den letzten fünf Minuten.“ Allen voran in puncto Zweikampfstärke hatten die Seinen der Heimelf den Schneid abgekauft, die eigene 1:0-Führung – schneller Konter über Joel-Noah Graham, dann Abdallah Trabelsi per Rechtsschuss (55.) – war überfällig. Lorers Trainergegenüber Slobodan Markovic musste nach dem Spiel anerkennen: „Es hat uns überrascht, wie gut der MTV war. Wir hatten am Ende Glück.“

Die Gäste holten all das aus der Handwerkskiste, was den Aufsteiger Plattenhardt bei dessen vorangegangenem Überraschungssieg gegen den 1. FC Eislingen (2:0) noch stark gemacht hatte. Giftig im Eins-gegen-Eins, zudem mit dem direkteren Zug zum Tor, war der Kräherwald-Elf das wiedergefundene Selbstbewusstsein aus den ihrerseits zuletzt guten Leistungen anzumerken. Spätestens als Fabian Rottmann, der erneut anstelle von Khalil Lalo das Tor hütete, einen schwach getretenen Handelfmeter von Plattenhardts Kapitän Nemanja Markovic parierte (65.), schien das Momentum aufseiten der Lorer-Kicker.

Dann aber schlug das Filderstädter Heimteam aus dem Nichts zu. Die reguläre Spielzeit war schon abgelaufen, als ein Freistoß von Danijel Zugac den Kopf von Othniel Boketsu fand, der den 1:1-Ausgleich erzielte (90.). Nur zwei Minuten später schnappte sich Dario Blazek den Ball nahe des MTV-Strafraums und legte auf Mark Hörz ab, der in aller Ruhe zum 2:1-Siegtreffer einschob. Kurios: Alle vier direkt beteiligten Spieler waren zuvor eingewechselt worden. Derweil verblieb Emre Göcer, der standesgemäße Spielführer, nach seiner Rotsperren-Rückkehr auf der Bank.„Wir haben Charakter bewiesen und bis zum Schluss dran geglaubt“, sagte Markovic. „Spielerisch hat uns der Zug gefehlt, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch solche Spiele gewinnen kann.“ Auf der anderen Seite lautet Lorers bitteres Fazit: „Wir sind einfach zu doof. Wer am Schluss so kläglich verteidigt, hat es nicht verdient, zu gewinnen.“

Indes könnte die Handgreiflichkeit gegenüber Servi noch ein Nachspiel haben. Was genau passiert ist? Der Stürmer der Plattenhardter und sein Gegenspieler Lion Janzen waren bei einem Zweikampf aneinander geraten und es kam zur Rudelbildung, in der Servi eine Ohrfeige kassierte. Von wem, war im Trubel schwer zu erkennen. Lorer, der die Szene nicht sah, stellt klar: „Wir distanzieren uns von jeder Handgreiflichkeit. Sollte da etwas vorgefallen sein, werden wir denjenigen bestrafen.“ Darüber hinaus waren sich beide Trainer einig: Emotionen gehören gerade in so einer Partie einfach dazu. „Es war ein kämpferisches Spiel, das zum Wetter gepasst hat“, brachte es Markovic mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

Während die Seinen auf Rang elf vorgerückt sind, überwintert der MTV Stuttgart auf dem vorletzten Tabellenplatz

Plattenhardts „Spieler des Spiels“

Tobias Hornung (Nominierungen: 2.). Als Antreiber im Mittelfeld war er an vielen Offensivaktionen beteiligt, half zudem immer wieder in der Defensive aus. Sehr engagierter, auch kämpferischer Auftritt!

MTVs „Spieler des Spiels“

Joel-Noel Graham (Nominierungen: 2.). Sorgte über den linken Flügel immer wieder für Gefahr und legte den Treffer zum 1:0 mustergültig auf. Als Reizfigur im Spiel der Gäste zog er mit Nickeligkeit immer wieder den Frust der gegnerischen Spieler und Fans auf sich.

TSV Plattenhardt: Grbic – Gyselincks (46. Eichhorn), Nemanja Markovic, Grun, Pein – Hornung, Eiberger (46. Blazek), Gruber (59. Zugac) – Perhanidis (83. Hörz), Servi, Krpan (75. Boketsu). MTV Stuttgart: Rottmann – Wiese, Rudoph (90.+3 Lukic), Gaiser, Janzen – Henschke – Trabelsi, Flach (67. Weippert), Özocak, Graham (79. Al-Tayeh) – Hahn.