Auch Anes Handanagic, Giuseppe Pirracchio und Ismail Oguz (von links) steigen in Echterdingen aus. Foto: Günter Bergmann

Vor dem nächsten Abstiegskampf-Endspiel am Samstag gegen Waldhausen bestätigt der Verein, was bereits durchgesickert war: Der bisherige Kader zerfällt. Nur fünf Kicker bleiben.

Der Trainer Daniel Heisig nimmt es mit galligem Humor. Letztes Heimspiel der Saison, da gehört der Tagesordnungspunkt „Spielerverabschiedungen“ naturgemäß dazu. Was der TV Echterdingen hierzu geplant hat? „Nur einen Schnelldurchgang“, kündigt Heisig an – und liefert die Begründung gleich hinterher: „Denn sonst müssten wir ja schon eine halbe Stunde vorher anfangen, um bis zum Beginn durch zu sein.“

 

Wohl wahr. Kurz vor Toreschluss 2025/2026 ist es nun nämlich auch offiziell. Der Verein bestätigt das, was in den vergangenen Monaten bereits häppchenweise durchgesickert war: Der Fußball-Landesligist aus den Goldäckern steht vor einem der größten Kaderumbrüche seiner Abteilungsgeschichte. 20 Spieler gehen. Nur fünf vom bisherigen Kickerpersonal bleiben. Zugleich sind mittlerweile 14 Einsteiger fix. Und ebenfalls zugleich gilt es trotz alledem nun noch irgendwie die Konzentration aufs gerade eigentlich Wichtige zu wahren: An diesem Samstag (15.30 Uhr) muss die Noch-Mannschaft im nächsten gefühlten Abstiegsfinale ran. Auch die Begegnung mit dem SV Waldhausen steht unter dem nach wie vor großen Bangen um den Klassenverbleib.

Wäre jetzt Schluss, müssten die Echterdinger in die Relegation, in deren erster Runde sie am 13. Juni auf den Vizemeister der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen treffen würden (Stand jetzt SV Deckenpfronn). Freilich, diesen Zusatzweg zur möglichen Rettung möchten Heisig und die Seinen sich ersparen. Deshalb gilt es nun zum einen Daumen zu drücken ausgerechnet für den eigentlich ungeliebten Ortsnachbarn Calcio. Verhindert jener in der Verbandsliga, also eine Etage höher, den Direktabstieg, wäre in der eigenen Staffel schon einmal die Gefahr eines vierten Absteigers gebannt. Zum anderen und vor allem wollen die Gelb-Schwarzen selbst zumindest noch einen Tabellenplatz gut machen. Rang zwölf, den aktuell der Vorwochen-Gegner SC Geislingen mit zwei Punkten Abstand belegt, könnte am Ende fürs große Aufatmen reichen.

„Erst einmal müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Tun wir das nicht, ist völlig egal, was andernorts geschieht“, sagt Heisig – wissend, dass im Fernduell eben mit den Geislingern am aktuellen Spieltag sein Team im Vorteil scheint. Während die Echterdinger auf einen Gegner treffen, für den es um nichts mehr geht, ist ihr Kontrahent beim um den Meistertitel kämpfenden Tabellenführer TSV Ehningen zu Gast.

Personell will Heisig jener Elf vertrauen, die zuletzt beim 0:0 im Eybacher Tal mit defensiver Stabilität überzeugte – die aber auf der anderen Seite auch den offensiven Punch vermissen ließ. „Im Spiel gegen den Ball und taktisch hat die Mannschaft die Vorgaben 1a umgesetzt“, bescheinigt der Coach, „von daher gibt es überhaupt keinen Grund für Änderungen.“ Auch nicht von der Ausrichtung her. Wild anstürmen, so viel ist schon im Voraus klar, werden die Echterdinger auch diesmal nicht. Die Devise lautet erneut: erst mal Torsicherung. Denn, so Heisigs Mahnung: „Wenn du bei der Hitze einem Rückstand hinterherlaufen müsstest, wird es doppelt schwer.“

Von der Bank hat der Trainer in Christian Heinrich (nach Pokalfinal-Reise nach Berlin) und Yannis Kalchschmidt (war beruflich verhindert) wieder zwei Alternativen mehr. Noch zu früh käme indes ein Comeback des Torjägers Flon Ajvazi, auch wenn dieses doch noch in dieser Saison offenbar nicht mehr ausgeschlossen ist. Der Youngster befindet sich nach seinem Bänderriss inzwischen wieder im Lauftraining. Spätestens für den Fall der Relegation könnte sich in ihm eine zusätzliche Option ergeben.

Was den Verantwortlichen des TV Echterdingen auf die Füße fällt

Danach wird dann auch für Ajvazi in Echterdingen Schluss sein. Er wechselt wie berichtet zurück zum TSV Bernhausen. Und rund um ihn wie gesagt überhaupt Aussteigerflut. Klar, der ein oder andere hätte eh keine Rolle mehr gespielt. Dass nun aber lediglich ein Quintett weitermacht, der Kader zum Scherbenhaufen bricht, war vom Filderclub mitnichten so vorgesehen. Auf die Füße fallen den Verantwortlichen ihre Prioritätensetzung bei der Planung sowie die Tatsache, intern viel zu lang mit verdeckten oder gar falschen Karten gespielt zu haben. Immer mehr Namen bereits verpflichteter neuer Spieler drangen an die Öffentlichkeit, als mit der eigenen Belegschaft noch nicht einmal Gespräche begonnen hatten. So etwa hatte der Kapitän Marvin Kuhn bereits im März ein irreparabel „gestörtes Vertrauensverhältnis“ zwischen einem größeren Teil der Mannschaft und der sportlichen Leitung konstatiert.

Dennoch verlängert hat von den Leistungsträgern immerhin der Routinier Steffen Schmidt, zudem Kalchschmidt, die Talente Jannis Duplys und Matti Theobaldt sowie der Langzeitverletzte Marius Nita. Kurzfristig abgesagt haben laut Verein auch noch Florian Dölker und Heinrich (beruflich bedingter Ausstieg).

Demgegenüber stehen 14 fixe Neuzugänge, darunter die bereits bekannten acht Mann, die der Heisig-Nachfolger Roko Agatic vom TSV Bernhausen mitbringen wird. Auch über die wahrscheinliche und nun definitive Verpflichtung des Ex-Ligatorschützenkönigs David Govorusic sowie des Ex-Regionalliga-Keepers Plator Gashi hatten wir bereits berichtet. „Zwei, drei weitere Neue“ sollen laut dem sportlichen Leiter Sascha Härtenstein noch hinzukommen.

Wie man es dann im Sommer mit der Begrüßungszeremonie für alle Einsteiger halten wird, steht auf einem noch einmal anderen Blatt. Auch das könnte dann, für welche Liga auch immer, ob der schieren Masse mehr Zeit als gewöhnlich in Anspruch nehmen.

Übersicht Personalien

Zugänge
Henry Alber, Oliver Lujic, Ivan Matanovic, Erik Meinlschmidt, Julijan Milos, Mihael Tomic, Dimitrios Vidic, Lukas Walz (alle TSV Bernhausen); David Govorusic (FV Neuhausen), Plator Gashi (KF Kosova Bernhausen), Devrim Azad Sefer (Spvgg Cannstatt), Wesley Acholonu, Ivan Cosic (beide eigene zweite Mannschaft), Mateo Peretic (eigene Junioren).

Abgänge
Christian Heinrich (beruflich bedingter Ausstieg), Marvin Kuhn (Karriereende), Michael Deutsche (ebenfalls Karriereende?), Leo Milutinovic (FC Esslingen), Caglar Celiktas (FSV Waiblingen), Marlon Herderich (SKV Rutesheim), Anes Handanagic (TSV Bad Boll), Merdan Babatas, Ioannis Ziogos (beide SV Böblingen), Flon Ajvazi (zurück zum TSV Bernhausen), Adonis Shalaj (zurück zum FV Neuhausen), Marko Gaspar, Marc Mägerle, Maric Lucov, Laurenziu Biemel, Ismail Oguz, Furkan Özüdogru, Giuseppe Pirracchio, Jeff Antwi, Florian Dölker.