Der Filderclub begnügt sich im Abstiegsduell in Geislingen mit einem 0:0. Derweil hat der Torjäger Celiktas einen neuen Verein und soll ein Keeper mit Regionalliga-Erfahrung kommen.
Die Köpfe waren rot und die Trikots schweißgetränkt. Ziel hatten sie nach dem Abpfiff alle erst einmal nur noch eines: einen Platz im Schatten. Nein, den Vorwurf nicht alles gegeben zu haben, musste sich bei den Landesliga-Fußballern des TV Echterdingen diesmal wahrlich keiner gefallen lassen. Nur: Hat es auch etwas gebracht? Endstand 0:0. Keine Tore in der als Abstiegsendspiel apostrophierten Begegnung beim Tabellennachbarn SC Geislingen, die am Samstag zur höhepunktarmen Hitzeschlacht geriet. „Zu 99 Prozent ist unser Matchplan aufgegangen“, sagte der Trainer Daniel Heisig. Inwieweit der aus seiner Sicht fehlende eine Prozentpunkt zum Verhängnis werden könnte, muss sich nun an den beiden verbleibenden letzten Spieltagen zeigen.
Fakt ist: Die Chance, über ihr Schicksal im Kampf um den Klassenverbleib wieder allein aus eigener Kraft bestimmen zu können, haben die Echterdinger verpasst. Dafür hätten sie einen Sieg gebraucht. So werden sie an den nächsten Wochenenden definitiv mit auf die Ergebnisse anderer angewiesen sein. Der von ihnen weiterhin belegte 13. Tabellenplatz wird bestenfalls zur Relegationsteilnahme berechtigen, kann am Ende aber auch ein vierter Direktabstiegsrang sein. Abhängig ist dies vom Geschehen in der Ober- und Verbandsliga. Daumendrücken in dieser Hinsicht für den Ortsnachbarn Calcio Leinfelden-Echterdingen. Oder respektive und für den TSV Weilimdorf sowie den FC Esslingen. Bedingung für nur drei Absteiger in der eigenen Staffel ist, dass sich eine Etage höher zumindest einer aus diesem Trio vor dem Direktabstieg rettet.
Einstweilen ist jeder Strohhalm recht. Genährt ist die Hoffnung bei Heisig und den Seinen ein Stück weit auch durchs Restprogramm. Während sie am kommenden Samstag Heimvorteil gegen den im Tabellenniemandsland stehenden SV Waldhausen haben, wartet auf ihren direkten Rivalen Geislingen die Mammutaufgabe beim um den Meistertitel kämpfenden Spitzenreiter Ehningen. Zum Rundenabschluss am 6. Juni geht es für die Echterdinger dann noch nach Bad Boll.
„Vielleicht“, schätzt der Torjäger Caglar Celiktas, „wird der aktuelle eine Zähler noch Gold wert sein.“ Immerhin aber ausgeräumt haben er und seine Mitstreiter den Verdacht, der ein oder andere von ihnen könnte nicht mehr mit dem letzten Ehrgeiz bei der Sache sein. Warum sich noch den Allerwertesten aufreißen für einen Verein, dessen Trikot der Großteil der Mannschaft in der nächsten Saison gar nicht mehr tragen wird? Weshalb die Kohlen aus dem Feuer holen für einen Arbeitgeber, von dem sich die meisten in der Kaderplanung übergangen fühlten? Oder, um es mit dem Kapitän Marvin Kuhn von unlängst zu sagen: von der sportlichen Leitung gar „dauerhaft belogen“.
„In den letzten Spielen konnte man schon den Eindruck haben, dass es wegen der Geschehnisse hinter den Kulissen einen kleinen Leistungsverlust gibt“, konstatierte der Routinier Steffen Schmidt. Diesmal aber nicht. Diesmal, so Schmidts Beobachtung, „war wieder richtig Dampf drin“, von ihm selbst eh mit höchst eigenem Interesse. Der 33-Jährige ist dem Vernehmen nach Stand jetzt der einzige Leistungsträger, der verlängert hat. Er soll unter dem künftigen Trainer Roko Agatic (noch TSV Bernhausen), der in Geislingen unter den Zuschauern weilte, zum Spielführer aufsteigen.
Andere wie Celiktas (zum FSV Waiblingen) und Leo Milutinovic (zum FC Esslingen) haben mittlerweile neue Vereine gefunden. Ebenfalls aufhören werden im Sommer die Abteilungschefs Phillip Wunsch und Karsten Fay. Als Nachfolger für sie steht der bisherige Jugendleiter Felix Steyer parat. Und auch darüber hinaus bleibt es auf dem Personalkarussell turbulent. So soll als Keeper ein Mann mit Regionalliga-Erfahrung kommen: Plator Gashi (25, früher TSG Balingen), derzeit beim A-Kreisligisten KF Kosova Bernhausen engagiert.
TV Echterdingen: nur Piekser statt echter Nadelstiche
Die Frage der Fragen, die indes eben über allem steht: für welche Spielklasse? Wohin führt der Echterdinger Weg? Ja, Heisigs Vorgabe, auf dem großen Naturrasenplatz des Gegners erst einmal hinten dicht zu machen, ward erfüllt. Mit einer Fünferabwehrkette, kollektiver Laufarbeit und Zweikampf-Entschlossenheit ließen die Gelb-Schwarzen wenig zu, den schweißtreibenden Temperaturen zum Trotz. Allein: Die gleichzeitig erhofften offensiven Nadelstiche reduzierten sich auf wenige eher zaghafte Piekser. Die Angst, Entscheidendes zu verlieren, schien auf beiden Seiten durchgängig größer als der Mut, etwas zu gewinnen.
Die praktisch einzigen Echterdinger Chancen zum Lucky Punch vergaben Celiktas, der daneben zielte, und der eingewechselte Laurenziu Biemel per Freistoß. Letzterer war für den Pechvogel Marlon Herderich (Knieverletzung nur drei Minuten nach seiner Einwechslung) auf den Platz gekommen.
„Das wäre das Wunschszenario gewesen, dass dieses Ding am Schluss noch reingeht“, sagte Heisig mit Blick auf Biemels finalen Versuch. Aber im Tabellenkeller ist es bekanntlich kein Wunschkonzert. Das Echterdinger Bangen geht weiter. Und damit auch die Sorge um das drohende Debakel eines zweiten Abstiegs in Serie.
Echterdinger „Spieler des Spiels“
Michael Deutsche (Nominierungen: 3). Seine Pässe kamen bei weitem nicht alle an. Aber: Deutsche ging in puncto Einsatzwillen als Vorbild voran. Großes Laufpensum, viele Ballkontakte.
SC Geislingen: Sauter – Mayer, Schöll (76. Damiano De Lucia), Ivezic, Niederberger – Özdemir (88. Adedapo), Roschmann, Eyüpoglu, Ahmeti (88. Ziegler) – Mädel (67. Ajwir), Sönmez.
TV Echterdingen: Duplys – Handanagic, Kuhn, Mägerle (76. Babatas), Theobaldt, Pirracchio (35. Herderich, 41. Biemel) – Dölker, Deutsche, Schmidt, Oguz – Celiktas.