Die Landesliga-Fußballer des TSV Bernhausen erholen sich im Derby beim abstiegsgefährdeten MTV Stuttgart vom frühen Rückstand nicht mehr und verlieren verdient mit 0:2.
MTV Stuttgart gegen TSV Bernhausen bedeutete vor dem Wiederbeginn vor zwei Wochen: Abstiegskandidat gegen Titelanwärter. Dennoch lässt sich für beide Teams nach dem direkten Duell am vergangenen Sonntag am Kräherwald überraschend bilanzieren: Traumstart auf der einen, totaler Fehlstart auf der anderen Seite. Der MTV gewann zum zweiten Mal in Serie, dieses Mal mit 2:0, und hat sich bis auf drei Punkte an den Relegations- beziehungsweise ersten Nichtabstiegsplatz herangekämpft. Das Team vom Fleinsbach verlor indes zum zweiten Mal in Folge mit 0:2 und droht den Anschluss nach vorne zu verlieren.
Völlig bedient brachte es Bernhausens Coach Roko Agatic nach der Partie auf den Punkt: „Es war heute viel, viel zu wenig von uns.“ Einzig den Willen und deutlich mehr Druck auf das MTV-Tor konnte man den Seinen nach einer schwachen ersten Hälfte in Abschnitt zwei nicht absprechen. Jedoch, im letzten Angriffsdrittel passierte so gut wie gar nichts. Auch, weil die Gastgeber-Defensive konzentriert und konsequent agierte. Allen voran der Ex-Bernhausener und Innenverteidiger Sebastian Oehme. Einst am Fleinsbach mehr oder weniger aussortiert, erstickte er kritische Gästeansätze schon im Keim und verdarb Bernhausens Stürmer Ivan Matanovic ordentlich den Nachmittag. Der Routinier blieb meist zweiter Sieger gegen seinen ehemaligen Teamgefährten. Bezeichnend für die Gäste: MTV-Schlussmann Niklas Wegner musste erst in der Nachspielzeit bei einem Schuss aus kurzer Entfernung von Michael Henneh sein Können aufbieten. Die Gäste machten es den Hausherren durch ihr träges Aufbauspiel aber auch einfach, die Defensive immer wieder dicht zu bekommen. „Zu viele Ballkontakte von hinten heraus machten unser Spiel langsam und gaben dem MTV die Möglichkeit, sich gut zu ordnen“, hat auch Agatic erkannt. Seinem Übungsleiterkollegen Björn Lorer passte die langsame Spielweise der Bernhausener Belegschaft bestens in den Matchplan. „Gemeinhin tut sich Bernhausen schwer, wenn man gegen sie tief steht. Das ist uns insgesamt gut gelungen. Besonders nach dem 2:0, da haben wir uns weiter nach hinten zurückgezogen“, so Lorer, der den Aufwärtstrend seines Teams auch an personellen Veränderungen festmacht. Allen voran an Winter-Wiedereinsteiger Filip Primorac. „Er ist der Stabilisator in unserem Spiel, zweikampfstark am Boden sowie in der Luft und verteilt die Bälle gut. Heute war es vor allem die Komponente Abräumen.“
Gleichwohl die Partie für die Gäste nach eigenem Fehler erneut praktisch mit einem Rückstand begann. In der Vorwoche gegen Echterdingen lag die Agatic-Truppe nach einem Bock von Oliver Lujic nach 60 Sekunden zurück, dieses Mal dauerte es drei Minuten, bis Schlussmann Matej Livancic patzte. In sein zu kurzes Anspiel spritzte ein MTV-Akteur, legte den Ball quer und Kapitän Raphael Hahn schob zur Führung und seinem zehnten Saisontreffer ein. „Wir schenken derzeit den Gegnern die Tore, werden dann nervös und viele abgesprochene Dinge klappen dann nicht“, konstatiert Agatic. Dem vor allem kämpferisch überzeugenden MTV merkte man indes das gewonnene Selbstvertrauen nach dem Auftaktsieg gegen das Spitzenteam des 1. FC Eislingen an. Die Mannschaft habe gemerkt, dass sie es noch kann und das habe beflügelt, ist sich Lorer sicher, dem gegen Bernhausen jedoch der spielerische Aspekt etwas zu kurz kam. „Wir hatten kaum Stafetten, waren zu unsauber, ansonsten hätten wir so manche Situation besser ausspielen können.“ Doch das sei Jammern auf hohem Niveau. „Der Dreier steht, und nur das zählt“. Immerhin, eine der wenigen gelungenen Kombinationen schloss Lion Janzen nach 56 Minuten zum 2:0 ab.
Bleibt noch die Frage in Richtung Bernhausen, ob die bekannt gewordenen Wechselspiele der vergangenen Wochen das Team beeinflussen? Vor dem Derby wurde ja auch noch der Wechsel von MTV-Mittelfeldspieler Mertcan Özocak – dieser schmorte 90 Minuten auf der Bank – an den Fleinsbach bekannt. „Mag sein, man kann nicht in die Köpfe der Spieler hineinschauen“, sagt der Bernhausener Spielleiter Thomas Otto dazu. Coach Agatic hält den Zeitpunkt des Bekanntwerdens „nicht unbedingt für glücklich“, sagt er, jedoch dürfe dies nicht als Alibi für die schwache Leistung herhalten.
Spieler des Spiels beim MTV
Sebastian Oehme (Nominierung: 1) lieferte gegen seinen Ex-Club eine ganz starke Leistung ab. Der Innenverteidiger entschärfte so manche kritische Situation, war stets aufmerksam und verdarb vor allem Benhausens Routinier Ivan Matanovic den Nachmittag – dieser machte gegen seine ehemaligen Teamgefährten keinen Stich.
Spieler des Spiels beim TSV Bernhausen
Lukas Walz (Nominierung: 3) war einer der wenigen im Trikot der Gäste, der Normalform erreichte und sich von seinen Mitspielern abhob. Der linke Verteidiger gewann viele Zweikämpfe, produzierte wenige Fehlpässe und versucht das Spiel von hinten heraus anzukurbeln. Freilich, auch ihm gelang Letzteres selten. Der Gesamtzustand der Bernhausener war am Sonntag einfach zu schlecht.
MTV Stuttgart: Wegner – Wiese (65. Mägerle), Oehme, Gaiser, Redzic (84. Chelidonopoulos) – Janzen, Primorac, Triantafillou (75. Lukic), Rudolph, Trabelsie (86. Inal) – Hahn (83. Weippert). TSV Bernhausen: Livancic – Henneh, Sterian, Meinlschmidt, Walz (83. Stegl)– Kranz (77. Böhmer), Tomic (72. Shamenko), Lujic, Jordacevic (72. Galla), Demir (83. Bayrak) – Matanovic.