Lenker, Ankurbler und Torschütze ohne Tor: Filip Jordacevic (vorne) war einer der Aktivposten im Bernhausener Spiel. Foto: Eibner-Pressefoto/Jani Pless

Die Filderstädter erreichen nach einem packenden Schlagabtausch in Eislingen ein 2:2. Vor allem eine Szene erhitzt die Gäste-Gemüter. Hinzu kommt ein Beinahe-Tor des Jahres.

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Der sportliche Leiter Danijel Baric rauschte sichtlich bedient in Richtung Kabine, abwinkend und kopfschüttelnd. Derweil malte der Trainer Roko Agatic mit den Händen ein imaginäres Rechteck in die Luft und deutete mit dem Zeigefinger mehrfach auf seine Augen, was so viel heißen wollte wie: Videobeweis! Nur, dass es jenen an dieser Stelle natürlich nicht gab. Kein VAR, kein Kölner Keller. Schließlich spielte sich das hiesige Geschehen in der Landes- und nicht der Bundesliga ab.

 

Wäre das Verfolgerduell am Samstag sonst ganz anders ausgegangen? Schwer zu sagen. Aber strittig war die Szene allemal, die die Gemüter bei den Fußballern des TSV Bernhausen auch nach dem Abpfiff noch erhitzte. Ein mit viel Effet getretener Freistoß von Filip Jordacevic, der im kurzen Eck einschlug – der Schiedsrichter verweigerte dem Treffer aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung die Anerkennung. Statt 3:2 somit nur 2:2. Statt Auswärtscoup nur eine Punkteteilung für die Filderstädter zum Rückrunden-Auftakt beim 1. FC Eislingen. Und es war, egal ob richtig oder falsch, in jedem Fall eine Entscheidung, die Agatic und seine Mannschaft die greifbar nahe Tabellenführung kostete.

Mit einem Dreier wären die „Veilchen“ zumindest für 24 Stunden auf den ersten Platz geklettert. So ist es, bei einem weniger ausgetragenen Spiel gegenüber der Spitzenkonkurrenz, erst einmal Rang drei. Freilich, auch so in der Gewissheit, die eigenen Titelambitionen unterstrichen zu haben. „Schade um den verpassten Sieg“, sagte Agatic mit dann wieder gesenktem Pulsschlag, „aber auch den einen Zähler nehmen wir gerne mit.“ Erst recht vor dem Hintergrund einer Bilanz des Gegners: Jener hatte von seinen vorangegangenen 21 Spielen im heimischen Eichenbach-Sportzentrum 20 gewonnen gehabt. Die Bernhausener sind nun erst die Zweiten seit August 2024, denen es dort überhaupt gelingt, etwas aufs eigene Konto zu buchen.

Warum beide Teams im Klassement oben dabei sind, das hat die aktuelle Begegnung allemal gezeigt. Spitze stand nicht nur auf der Verpackung, sondern traf insbesondere in der zweiten Hälfte auch auf den Inhalt zu. Bei frostiger Kälte wurden die Zuschauer Zeugen eines packenden Schlagabtauschs. Zweimal legte der Überraschungszweite Eislingen vor, zweimal glichen die Gäste aus. Hinzu kam nach der Pause beiderseits eine Reihe weiterer hochkarätiger Chancen. Vom eingangs erwähnten Abseits-Aufreger bis zum Beinahe-Tor des Jahres war alles dabei. Als der Bernhausener Kapitän Ivan Matanovic den Ball akrobatisch mit der Hacke nahm, touchierte die sich aufs Gehäuse senkende Kugel die Querlatte.

Die Trefferstatistik im Zeitraffer: 1:0 durch einen Abstauber von Aykut Durna, nachdem es Agatics rechte Abwehrseite mit Dimitrios Vidic und Manuel Kranz versäumt hatte, einen Flankenball zu verhindern (29.) – für Durna, den Führenden der Schützenliste, bereits sein 17. Saisontor. Beim Eislinger 2:1 wiederum ließen die Gäste Max-Julian Hölzli ungehindert aus 20 Metern Maß nehmen. (45.+1).

Demgegenüber hieß der Initiator bei beiden Bernhausener Antworten Jordacevic. Erst bediente er mit einem Steckpass seinen Teamkollegen Lukas Walz, der ebenfalls per Flachschuss einnetzte (35.). Dann landete ein weit geschlagener Ball des 22-Jährigen punktgenau im Lauf von Mihael Tomic. Jener ließ noch einen Gegenspieler aussteigen und erhielt zuletzt unfreiwillige Unterstützung: Seinen wuchtigen Versuch lenkte der Eislinger Abwehrchef Robin Reichert ins eigene Tor (54.).

Auch der Torhüter Gavric glänzt

Eben Jordacevic als Lenker und Ankurbler war denn auch einer der Besten beim Filderteam. Dito eine Topnote verdiente sich der Mann zwischen den Pfosten: Marko Gavric wehrte mehrfach stark ab. Keinen Widerspruch erntete der Eislinger Trainer Tim Schöller: „Es kann in beide Richtungen ausgehen.“ „Bernhausen ist mit viel Wucht und Dynamik gekommen“, konstatierte er, „was mich ärgert: Wir selbst haben dann anders als sonst ohne die nötige Klarheit und zu viel mit langen Bällen gespielt.“

Während für Schöllers Kicker nun Winterpause ist, müssen Agatic und seine Entourage noch abwarten. Bis diesen Montag soll sich weisen, ob das zuletzt ausgefallene Derby beim FV Neuhausen am nächsten Wochenende nachgeholt wird oder erst im kommenden Jahr. Die Tendenz geht zu Letzterem. Gleichfalls noch zu klären: Thema Neuzugänge. Wie berichtet arbeitet der Fleinsbachclub an einer Verpflichtung von Andreii Shamenko (FSV Waldebene Stuttgart-Ost).

Der Youngster soll dazu beitragen, die Kaderlücke zu schließen, die durch den Langzeitausfall von Bogdan Rangelov und Henry Alber (beide Kreuzbandriss) entstanden ist. Jener Alber, auf den Agatic am Samstag dann auch gestikulierend deutete: Videobeweis! Kein Kölner Keller zwar, aber sein unter den Zuschauern weilender Akteur habe es genau gefilmt. Na ja, mehr oder weniger. Geholfen haben alle Proteste nichts.

Bernhausener „Spieler des Spiels“

Filip Jordacevic (Nominierungen: 1). Zwei Torvorlagen plus ein Tor, auch wenn dieses nicht zählte – das waren die Eckdaten. Aber auch sonst war Jordacevic der Antreiber und Macher im Bernhausener Spiel.

1. FC Eislingen: Kuhn – Leonhardt, Reichert, Bühler – Gromer (74. Yalcin), Sari (61. Egrlic), Hölzli, Pauen (46. Cseri) – Hodzic (90. Mandir), Öztürk – Durna.

TSV Bernhausen: Gavric – Vidic, Lujic, Sterian (74. Vlasic), Meinlschmidt – Milos – Kranz (59. Böhmer), Tomic, Jordacevic, Walz – Matanovic (81. Markic).