Laurin Stütz (2. v. re.) war von der Defensive der SG Weinstadt kaum zu kontrollieren und erzielte zwei Treffer für die SKV Rutesheim. Foto: Günter Schmid

Der Spitzenreiter der Landesliga muss gegen die SG Weinstadt die gesamte Palette seiner Fußball-Kunst aufbieten – nach 0:2- und 2:3-Rückstand siegt die SKV mit 4:3.

Christopher Baake war ziemlich bedient am Sonntagnachmittag. Der Trainer der SKV Rutesheim war nervlich angeschlagen wie ein Aktienhändler, der Millionenbeträge auf steigende Kurse gesetzt und die Börse in der Folge eine Achterbahnfahrt hingelegt hatte. „Das war ein anstrengendes Spiel, mein Akku ist leer“, stöhnte Baake, „aber wir haben gewonnen – alles andere ist egal.“

 

Der Landesliga-Spitzenreiter aus Rutesheim hatte in einer hoch dramatischen Begegnung mit einem 4:3 (2:1) alle drei Zähler von der SG Weinstadt entführt. Zweimal hatte die SKV zurückgelegen, am Ende erzielte Laurin Stütz, der Torschütze vom Dienst, fünf Minuten vor dem Ende den Siegtreffer zum 4:3. „Es war ein hart erarbeiteter, aber verdienter Sieg für uns“, sagte SKV-Funktionär Gunter Epple.

Trainer Baake war mit den Nerven am Ende

Damit verteidigte das Team aus dem Sportpark Bühl die Spitzenposition in der Liga und bleibt weiter drei Zähler vor Verfolger FV Löchgau. Dabei hatte die Partie auf dem kleinen Kunstrasen in Weinstadt begonnen wie ein mittleres Erdbeben in der Rutesheimer Fußball-Welt. 25 Minuten lang wirbelten die Gastgeber und brachten den Ball nach langen Bällen durch Jonas Weinle (12.) und Oliver Ehni (26.) zweimal im SKV-Tor unter. Doch noch vor der Pause sendeten die Gäste ein Lebenszeichen: Tobias Gebbert traf nach einer Ecke zum wichtigen 1:2 (41.).

Duell im Mittelfeld: Marcel Held (li.) gegen seinen Gegenspieler der SG Weinstadt. Foto: Günter Schmid

In der Pause hatte Baake seine Mannschaft offenbar ordentlich heiß gemacht – kaum hatte Schiedsrichter Roman Bircher wieder angepfiffen, stand es 2:2 (49.). Hannes Obert fälschte einen Schuss von Gebbert mit dem Knie ins Weinstädter Tor ab. Maxim Russ hätte wenig später den SKV-Fans einigen psychischen Stress ersparen können, doch aus elf Metern verfehlte er frei stehend das SG-Tor. „Das war eine tausendprozentige Chance – die muss man machen“, klagte Christopher Baake.

Man kennt das: Die einen verpassen eine Riesenchance, die anderen machen im Gegenzug das Tor. Die SG konterte Rutesheim schulmäßig aus, Kujtim Sylaj brachte die Gastgeber erneut in Führung (70.) – und die SKV-Kicker mussten sich erst mal kräftig schütteln und neu einnorden. Christopher Baake reagierte und schickte Sturmtank Markus Wellert ins Kampfgeschehen. Ein Goldgriff: Gleich beim ersten Ballkontakt wurde der Stürmer im Strafraum gefoult.

Hart am Mann: SKV-Spieler Joshua Schneider (li.) Foto: Günter Schmid

Es war ein klares Foul, auch die SG-Kicker protestierten nicht, lediglich Sylaj meckert aus für Außenstehende unerfindlichen Gründen so lange und so heftig, dass er mit Gelb-Rot von Platz flog (75.) und seine Mannschaft im Endspurt schwächte. Laurin Stütz trat zum Strafstoß an und scheiterte an David Weiner. Doch der Elfmeter wurde wiederholt, weil sich der Keeper zu früh bewegt hatte. Versuch Nummer zwei setzte Stütz sicher ins Netz (79.).

Die SKV-Kicker hatten Blut geleckt, in ihren Köpfen blinkte ein Signal auf: Drei Punkte sind besser als einer, sagten sie sich und hielten den Fuß auf dem Gaspedal. Allen voran Laurin Stütz. Der 26-Jährige legte schließlich auch noch Saisontor Nummer 26 nach. Nach einem Steilpass ließ er erneut SG-Goalie Weiner keine Chance – 4:3 (85.). „Das Tor war Gold wert, so bleiben wir drei Punkte vor Löchgau“, freute sich Chefcoach Baake – und da war er im Rutesheimer Pulk auf dem Weinstädter Sportplatz freilich nicht der Einzige. SKV Rutesheim: Göbel – Scheider, Rudloff, Riedlinger (81. Kiloko) – Gebbert, Russ (86. Crepaldi) – Obert (71. Wellert), Held, Grau (71. Maier) – Heiler, Stütz (90+2 Walter).