Der Lichtblick bei der Niederlage: Der Youngster Philipp Biermann feierte ein starkes Liga-Debüt. Foto: Günter Bergmann

Trotz guter Leistung verliert der Fußball-Landesligist MTV Stuttgart gegen Srbija Ulm mit 1:3. Nun droht der Abstieg. Oder kommt fremde Hilfe?

Während die Stimmung bei den Landesliga-Fußballern des MTV Stuttgart nach dem Abpfiff im Keller war, mussten die Gastgeber auch noch mit anhören, wie ihr Gegner FC Srbija Ulm in der Kabine die Musik aufdrehte und feierte. Die Bedeutung der Partie war allen bewusst gewesen: Beide Teams waren punktgleich, der Sieger würde in der Abstiegszone mit drei Punkten Vorsprung über dem Strich stehen. Am Ende hieß es 1:3, wonach für die Kräherwald-Kicker der Klassenverbleib nicht mehr aus eigener Kraft möglich ist.

 

Das Bittere für den MTV: Über weite Strecken des Spiels war er die bessere Mannschaft. Vor allem im ersten Durchgang waren die Männer in Rot spielerisch überlegen und nahmen die harten Zweikämpfe der Serben an. Tore blieben jedoch aus, auch weil die Ulmer leidenschaftlich verteidigten. Mertcan Özocak schoss einmal am Ziel vorbei und brachte hinter einen Kopfball zu wenig Druck, Raphael Hahn scheiterte mit einer Direktabnahme sowie einem Freistoß-Versuch, und einen Treffer des A-Jugendlichen Philipp Biermann bei seinem Debüt vereitelte der Ulmer Torhüter Mario Divkovic. „Die Konsequenz hat einfach gefehlt“, sagt der Trainer Björn Lorer. „Eigentlich musst du zur Halbzeit 3:0 führen.“ Dass es nicht so kam, rächte sich.

„Drei Geschenke“ der MTV-Hintermannschaft

Denn nur eine Viertelstunde nach Wiederbeginn lagen die Stuttgarter plötzlich mit 0:3 zurück. Beim ersten Gegentreffer vertändelte Philipp Weippert den Ball, und Nenad Duric war der Nutznießer. Es folgte wenig später ein Ulmer Eckball, bei dem der nicht gerade groß gewachsene Nikola Milicevic freistehend zum Kopfball kam. Und Duric erhöhte dann, nachdem Berkin Karadal einen Pass in die Spitze nicht hatte klären können. Der MTV-Rechtsaußen Joel-Noah Graham meckerte sichtlich frustriert vor sich hin: „Drei Geschenke.“

Gleich sieht es sein Coach. „Srbija reichen drei Schüsse für drei Tore, und uns reichen zehn Chancen nicht für ein Tor“, schimpft Lorer, der Frust in seiner Stimme hörbar. „Wir sind selbst Schuld, das war eine der besten Halbzeiten, die wir in dieser Runde gespielt haben. Am Ende zählen aber 90 Minuten. Es war oft in dieser Saison so, dass wir uns die Butter vom Brot nehmen lassen.“

Debütant Biermann trifft sehenswert

Lichtblick war der Auftritt des erwähnten Youngsters Biermann. Links in der Offensive ließ der 18-Jährige (15 Tore in 20 Spielen der U-19-Verbandsliga) ein ums andere Mal seine Gegenspieler mit Tempo und Spielwitz stehen, kreierte und bereitete Torchancen vor. „Hut ab, er hat eine super Leistung gezeigt und Siegeswillen vorgelebt, ist vorangegangen“, lobt Lorer. Biermann krönte sein Debüt mit einem Traumtor zum 1:3-Endstand: Nach einem Ballverlust blieb er dran, eroberte samt Grätsche die Kugel zurück und legte diese aus 20 Metern gefühlvoll in den Winkel.

Mit der Pleite wird es für den MTV nun ganz eng. „Es ist immer noch möglich, drin zu bleiben“, weiß Lorer zwar. Der fünftletzte Platz, den Srbija inne hat, würde definitiv reichen, ist aber auch aufgrund des eigenen Restprogramms (in Esslingen und gegen Donzdorf) nur noch schwer zu schaffen. Die Rettung kann jedoch wie berichtet durch äußere Faktoren klappen, sollten aufgrund des Abschneidens höherklassiger Teams sowie der Bezirksreform weniger Mannschaften absteigen müssen.

„MTV-Spieler des Spiels“

Philipp Biermann. Der Teenager durfte bei seinem Kader-Debüt sofort von vornherein ran und überzeugte mit starken Ansätzen. Schade für Lorer: Die A-Jugend befindet sich ebenfalls im Abstiegskampf, weshalb er Biermann in der Restsaison wohl nicht mehr aufbieten kann. „Beim MTV ticken die Uhren aber anders, da haben gewisse Personen im Verein etwas dagegen“, sagt der Coach. (Nominierungen: 1)

MTV Stuttgart: Zimmermann – Janzen, Karadal (62. Dougarmagi), Weippert, Gaiser – Graham (78. Loparco), Flach (74. Henschke), Rudolph (62. Lukic), Biermann (80. Sufaj) – Hahn, Özocak.

FC Srbija Ulm: Mario Divkovic – Efremovski, Andjic, Zivkovic, Ristov – Gavranovic (55. Stanisic), Ilic, Sarac (90.+2 Savic) – Milicevic (80. Mladenovic), Denis Divkovic (55. Kasapovic), Duric (73. Beatovic).