Ivan Matanovic (rechts) glänzte als Doppeltorschütze. Links: der Plattenhardter Abwehrchef Nemanja Markovic. Foto: hr/Pressefoto Rudel

Ein Geniestreich, ein Bilderbuchkonter – damit behauptet sich der gastgebende Favorit gegen den TSV Plattenhardt mit 2:0. Nun gehen die Blicke von der Grillparty aufs Gipfelduell.

An der Theaterbühne kommen die stehenden Ovationen zum Schluss, auf der Fußballbühne manchmal auch schon früher. Der Trainer Roko Agatic wusste jedenfalls genau, was er tat, als er seinen Spieler des Tages ein paar Minuten vor dem Abpfiff vom Rasen holte. So konnte jener noch ein bisschen persönlich gewidmeten Applaus genießen. Die eigenen Fans klatschten, die Teamkollegen klopften ihm auf die Schultern, und ebenfalls aus dem Mannschaftskreis hallte ihm ein „Bravo, Mata!“ hinterher.

 

Ihnen allen aufseiten des TSV Bernhausen war klar, bei wem vor allem sie sich zu bedanken hatten, dass es am Freitagabend letztlich standesgemäß ausgegangen ist. Mit 2:0 hat der nun Tabellenzweite das Filderstädter Landesliga-Derby gegen den TSV Plattenhardt gewonnen. Doppelter Torschütze: Ivan „Mata“ Matanovic. Mit seinen Saisontreffern Nummer sieben und acht avancierte der Kapitän vor rund 450 Zuschauern zum entscheidenden Mann. „Mata ist halt Mata. Er ist sehr wichtig für uns“, sagte Agatic und zuckte dabei mit den Achseln. Eine Gestik, die verhieß: Neu ist diese Erkenntnis ja nicht.

Insgesamt, keine Frage, war es ein verdienter Sieg des Favoriten, allerdings einer mit Anlaufzeit. Eine Spielhälfte lang taten sich die „Veilchen“ gegen eine hoch verteidigende und mutig angreifende Gäste-Elf schwer. Das eigene Offensivspiel wollte nicht so recht in die Gänge kommen. Irgendwie vertauschte Rollen also auf dem Kunstrasen beim Fleinsbachstadion – bis ein einzelner Geniestreich dem Titelanwärter zum Durchbruch verhalf. Dritte Minute der Nachspielzeit: ein weit geschlagener Ball von Erik Meinlschmidt, der Adressat Matanovic nahm Tempo auf und zirkelte die Kugel schließlich sehenswert mit dem Außenrist ins lange Eck des Tors. Schlecht aussehen ließ er dabei den Plattenhardter Abwehrchef Nemanja Markovic. Der aus einer vierwöchigen Rotsperre zurückgekehrte Routinier wartete ansonsten mit einer souveränen Vorstellung auf, in diesem einen Zweikampf agierte er jedoch zu zögerlich.

„Ein Treffer aus dem Nichts“, befand selbst Agatic, während sein Trainerkumpel Slobodan Markovic auf der Gegenseite seinem Bruder keinen wirklichen Vorwurf machen wollte. Fest stand aber für ihn: „Das war der Schlüsselmoment des Spiels, und zwar gegen uns.“

In Durchgang zwei rissen die Bernhausener das Geschehen mehr und mehr an sich. Vollends gestellt waren die Weichen dann mit dem zweiten Treffer. Matanovic, Teil zwei – diesmal eine einfachere Übung für ihn. Er musste das Leder als letzte Station eines Bilderbuchkonters nur noch über die Torlinie drücken (56.). Vorausgegangen war ein Plattenhardter Ballverlust am gegnerischen Strafraum durch Tobias Hornung, und dann ging es blitzschnell. Mustersteilpass Filip Jordacevic, Flanke Lukas Walz, Abstauber Matanovic. Eben der Jüngste, Walz (21), der zuvor als überhaupt umtriebiger Aktivposten am Lattenkreuz gescheitert war, sowie der Älteste, Matanovic (31), waren die Besten ihres Teams.

Im Plattenhardter Anhang mögen indes zumindest in dieser Szene beim ein oder anderen düstere Erinnerungen aufgekommen sein. War da nicht mal was? Richtig, beim bislang letzten Aufeinandertreffen der beiden Lokalrivalen war es fast die ganze Begegnung genau so gelaufen. März 2024, selbe Stätte: Damals, noch eine Etage tiefer in der Bezirksliga, hatten die Bernhausener ihren Nachbarn mittels rasantem Tempofußball mit 6:1 demontiert.

Das „große Schade“ für Markovic

Vom aktuellen Wiedersehen können die Weilerhau-Kicker nun immerhin mitnehmen, dass sie sich diesmal ganz anders verkauft haben, auch wenn aus der Revanche nichts geworden ist. Den Willen für jene demonstrierte die Mannschaft insbesondere in den ersten 25 Spielminuten. Offensichtlich in dieser Phase, dass die 2:2-Überraschung vor Wochenfrist beim Spitzenreiter Köngen Selbstvertrauen gegeben hatte. Auch ging Markovics Plan auf, anders als bisher mit nur zwei statt drei Innenverteidigern ins Rennen zu gehen. Was den Coach aber hadern ließ, das „große Schade“ und „große Leider“ aus seiner Sicht: „Die Chancen, uns zu belohnen, haben wir halt nicht genutzt.“ Fabijan Krpan und Hornung vergaben die mögliche frühe eigene Führung. Krpan bei der besten Gelegenheit, als er sich im Eins-gegen-Eins vom Bernhausener Keeper Marko Gavric abdrängen ließ (8.).

Ob das Spiel sonst ganz anders gelaufen wäre? So jedenfalls bleibt der Aufsteiger Plattenhardt nur knapp über der Abstiegszone stehen – und hat der Gastgeber Bernhausen mit drei Pflichtpunkten die eigenen Hoffnungen auf der anderen Seite der Tabelle genährt. Wie gesagt: zumindest bis zu diesem Samstag sogar Platz zwei. Auf der schon zuvor anberaumten Grillparty im Garten ihres Trainers Agatic können die Derbygewinner nun ganz entspannt verfolgen, was die Konkurrenz aus Eislingen und Köngen so macht. Sie steht sich an diesem Spieltag direkt gegenüber.

Eher zweitrangig dabei, wer dort den meisten Applaus einheimsen wird. Mindestens einer der beiden großen Rivalen um den Aufstieg wird definitiv Federn lassen.

Bernhausener „Spieler des Spiels“

Ivan Matanovic (Nominierungen: 4). Als Doppeltorschütze der Matchwinner. Vor allem beim ersten Treffer unterstrich der Kapitän mittels individueller Klasse einmal mehr seine Bedeutung für die Mannschaft.

Plattenhardter „Spieler des Spiels“

Oliver Grun (Nominierungen: 1). Die rechte Plattenhardter Abwehrseite geriet mehrfach in die Bredouille, die linke stand stabil – dem Brasilien-Rückkehrer Grun sei Dank. Der 23-Jährige überzeugte als souveräner Zweikämpfer und mit Spielübersicht.

TSV Bernhausen: Gavric – Vidic, Lujic, Sterian, Meinlschmidt – Milos – Tomic (86. Böhmer), Gümüssu (46. Kranz), Jordacevic, Walz (87. Henneh) – Matanovic (90.+3 Markic).

TSV Plattenhardt: Grbic – Pein, Nemanja Markovic, Eiberger, Grun – Blazek (79. Gruber) – Perhanidis, Zugac (58. Eichhorn), Hornung – Servi, Krpan (70. Boketsu).