Wer hat das bessere Ende? Die Trainer Björn Lorer und Roko Agatic (von links) treffen mit ihren Teams aufeinander. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Die Kräherwald-Kicker hoffen am Sonntag gegen den TSV Bernhausen auf den nächsten Favoritensturz. Eine Begebenheit sorgt vorab für eine verschnupfte Stimmung.

Nächster Spieltag, nächstes Bezirksderby in der Fußball-Landesliga. Im MTV Stuttgart und dem TSV Bernhausen treffen an diesem Sonntag (15 Uhr) zwei Gegenpole aufeinander. Hüben der stark in die zweite Saisonphase gestartete Abstiegskandidat, drüben der in den Blöcken hängen gebliebene Aufstiegsmitfavorit. Und: das Ganze mit einer von Gastgeberseite verschnupften Stimmung.

 

Zufall? Oder bewusst gewählter Zeitpunkt? „Die feine Art“ sei es „jedenfalls nicht, dass die andere Seite das ausgerechnet direkt vor unserem Duell kommuniziert“, findet Björn Lorer, der Trainer des MTV Stuttgart. „Das“ gleich die Tatsache, dass die Seinen einen ihrer wichtigsten Kicker nach dieser Saison eben nach Bernhausen verlieren werden. Wie in dieser Woche bekannt geworden, wird Mertcan Özocak vom Kräherwald an den Fleinsbach wechseln. „Das ist natürlich ein großer Verlust für uns“, sagt Lorer mit Blick auf seinen Topscorer der vergangenen Saison (13 Tore, 20 Assists). Doch Umstimmungsmöglichkeit habe es keine mehr gegeben. Denn, so der Coach: „Wir wurden vom Spieler vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Dass Özocak am Sonntag gegen seinen künftigen Verein in der Anfangsformation fehlen dürfte, hat freilich einen anderen Grund. Schon beim Auftakt-2:1 am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenzweiten 1. FC Eislingen ist der 27-Jährige wegen krankheitsbedingten Trainingsrückstands nur auf der Bank gesessen. Auch sieht Lorer aktuell „wenig Anlass“, an seinem Team etwas zu ändern. „Alle, die auf dem Feld standen, haben einen guten Job gemacht“, lobt der Trainer. Lediglich in einem Fall bleibt ihm keine andere Wahl als umzubauen. Der Innenverteidiger Götz Gaiser (privat verhindert) fällt aus. Für ihn dürfte der eigentliche Abwehrchef Philipp Weippert (nach Magen-Darm-Infekt) in die Aufstellung zurückkehren.

Die sportliche Erwartungshaltung beim MTV formuliert sich dabei mehr oder weniger von selbst: „Der Start hat uns gezeigt, dass wir vielleicht zu mehr als in der Hinrunde fähig sind. Jetzt wollen wir die nächsten drei Punkte“, sagt Lorer. Sprich: den nächsten Favoritensturz, verbunden mit der Hoffnung, dass es dann diesmal auch in der Tabelle voranbringen wird. Zuletzt wurde die Siegfreude der West-Stuttgarter ja etwas getrübt: Da auch die Konkurrenz im Keller erfolgreich aus der Winterpause kam, besteht zum Mindestziel Rang 13, der nach jetzigem Stand der Relegationsplatz wäre, unverändert eine Vier-Zähler-Kluft.

Klar ist für den Lorer-Gegenüber Roko Agatic: „Beide müssen gewinnen“ – der MTV im Kampf gegen den Abstieg und seine Bernhausener, um vorne im Klassement den Anschluss nicht zu verlieren. Agatic rechnet mit einem „intensiven, spannenden Spiel“. Eines, in dem es für seine Mannschaft Steigerungsbedarf gibt. Im Fall der Filderstädter kein Wiederbeginn-Rückenwind, für sie geht es um eine Korrektur der 0:2-Heimpleite gegen den TV Echterdingen. Jene hat sich Agatic mittels Videomaterial noch einmal ausgiebig zu Gemüte geführt. Besser wurde es dabei nicht. Die Erkenntnis des Coachs blieb die gleiche: „Wir haben gegen einen tief stehenden Gegner nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Tempo und Flügelspiel fehlten weitgehend. Der „Veilchen“-Angriffsexpress holperte ächzend über die Gleise.

Kommt er nun wieder ins Rollen? Kann das Gästeteam den einen bereits mehr oder weniger leise bereits keimenden Verdacht ausräumen? Jenen, dass der aktuelle Transfertrubel hinter den Kulissen dann halt doch nicht ohne Auswirkungen auf die fußballerischen Leistungen bleibt?

TSV Bernhausen vor englischer Woche

Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen, gibt es für die Bernhausener nun gleich dreimal innerhalb von acht Tagen. Am Donnerstag folgt das Nachholspiel beim FV Neuhausen, dann das Verfolgerduell auf eigenem Rasen mit dem TSV Ehningen (2. März). Agatics personelle Ausgangslage dafür: Ihm fehlen zwei Spieler neu, der nach seinem Platzverweis rotgesperrte Dimitrios Vidic sowie Julijan Milos (privat verhindert). Die besten Chancen als Nachrücker haben auf der rechten Verteidigerposition Michael Henneh beziehungsweise im Mittelfeld der Winterzugang Marc Galla oder Jamie-Noah Demir. Weiter raus ist außer den Langzeitverletzten der Abwehrroutinier Mahir Ege (beruflich bedingte Trainingspause).