Der Youngster Jamie-Noah Demir (rechts) traf just an seinem Geburtstag zur Bernhausener Führung. Foto: Günter Bergmann

Beim 3:0-Sieg gegen Waldstetten erinnert plötzlich wieder einiges an den alten „Veilchen-Express“. Derweil steht für die nächste Saison ein achter neuer Spieler fest.

Der Geburtstagsumtrunk musste ohne den Trainer stattfinden. Roko Agatic hatte es nach dem Abpfiff eilig. Als seine Spieler rund um den Jubilar und zudem Torschützen Jamie-Noah Demir anstießen, befand sich der Coach bereits auf dem Weg in Richtung Autobahn. Schließlich stand ihm noch eine nächtliche Mammutaufgabe bevor. Gut 1000 Straßenkilometer galt es für den anstehenden Osterurlaub in der kroatischen Heimat zu bewältigen.

 

Dabei dürfte Agatic die ihm bestens vertraute Strecke noch selten so gut gelaunt angegangen sein wie dieses Mal. Denn: Seine Landesliga-Fußballer des TSV Bernhausen haben vorab geliefert. Und seit Donnerstagabend gibt es auch für Agatic keinen Zweifel mehr: „Wir sind wieder in der Spur.“ Nach dem 3:0-Sieg im Verfolgerduell mit dem TSGV Waldstetten heißt es für ihn und die Seinen: Willkommen zurück im Aufstiegskampf! Ja, so schnell kann es gehen. Hatten bis vor zwei Wochen noch nicht wenige im Umfeld bereits den Abgesang angestimmt und schienen zumindest aber alle Anzeichen erfüllt, dass am Fleinsbach die Luft für den Rest dieser Saison draußen ist, so grüßen die Filderstädter nun putzmunter auferstanden von Tabellenplatz zwei.

Klar, auch die Spitzenkonkurrenz hat mit ihren Stolperern der vergangenen Spieltage einiges dazu beigetragen, dass das Feld noch immer dicht beisammen ist. Offensichtlich aber auch, dass sich das eigene Team nach seinem Vier-Niederlagen-Jahresstart aus dem Formtief gehangelt hat. Der Weg hierzu? „Ich glaube, wir haben nur diesen ersten Sieg von zuletzt in Maichingen gebraucht, um wieder mit dem nötigen Selbstvertrauen unterwegs zu sein“, sagte Agatic. Alles Kopfsache also. Schalter damit umgelegt. So einfach kann es im Fußball manchmal sein.

Aktuell erinnerte in puncto Entschlossenheit, Bissigkeit und letztlicher Spieldominanz einiges an den alten „Veilchen-Express“. Ein entsprechend großes Lob“ zollte Agatic seiner Elf für deren Auftrittsweise. „Die Jungs waren sehr präsent und haben um jeden Zentimeter Boden gekämpft“, erkannte er. Ein Signal hatte der Trainer dabei selbst gesetzt. Anders als angekündigt entschied er sich doch erneut für ein Spielsystem mit Dreierabwehrkette und zwei Spitzen. Überraschen wollen habe man den Gegner damit. Gesagt, getan. Nahezu durchgängig wirkten die Bernhausener wacher, spritziger und giftiger in den Zweikämpfen.

Hinzu kam als ermutigende Komponente das frühe Führungstor. Das erwähnte Geburtstagskind Demir traf per sattem Flachschuss zum 1:0 (23.). Der nun 20-Jährige verwertete einen Flankenball von Lukas Walz, der auf seinem linken Flügel überhaupt erstaunliche Freiräume genoss. In Hälfte zwei legten dann Erik Meinlschmidt und der eingewechselte Marc Galla nach (51./77.). In ihren beiden Fällen kam die Vorarbeit vom umtriebigen Filip Jordacevic.

Glück hatten die Gastgeber zwar zwischendurch, dass der als Titelfavorit gehandelte Kontrahent von der Ostalb durch David Vasic und Patrick Nagler zwei gute Ausgleichsmöglichkeiten liegen ließ. Demgegenüber hätte aber auch allein einer das Ergebnis noch in eine ganz andere Höhe treiben können – nämlich Demir. In mehreren weiteren Szenen fehlte dem Youngster die Abschlussfortune der Anfangsphase. Gleichwohl sieht Agatic in ihm einen möglichen Trumpf fürs Restprogramm. „In der Rückrunden-Vorbereitung haben ihn einige kleinere Verletzungen aus dem Rhythmus gebracht“, sagte er mit Blick auf seinen Mannschaftsjüngsten, „jetzt ist er aber wieder volle Pulle dabei.“

Wenigstens noch für neun Spiele. Dann wird ja auch Demir einer der vielen sein, die den Verein verlassen. Wie berichtet hat sich der Angreifer allen Bernhausener Bemühungen zum Trotz für einen Wechsel zum Staffelrivalen SV Böblingen entschieden. Demgegenüber ist für den Sommer mittlerweile ein achter Zugang fix: Fabian Leidenbach (25, Mittelfeld/Außenbahn) kommt vom Verbandsligisten TSV Oberensingen.

Freilich, das ist Zukunftsmusik. Die vorösterliche jetzige Rasendarbietung hat alle Wechselturbulenzen des Kaders erst einmal in den Hintergrund gedrückt. Denn merke: Es geht ja doch in der laufenden Runde noch um einiges. Oder, um es mit Agatic zu sagen: „Das wird ein super spannendes Meisterschaftsrennen. Ich freue mich darauf.“ Auch wenn er die nächste Partie in Sindelfingen wohl verpassen wird. Stichwort Heimatreise. Am Abend zuvor weilt er in Kroatien noch auf einer Hochzeit. Diese Feier, im familiären Umfeld, geht dann wirklich nicht ohne ihn.

Bernhausener „Spieler des Spiels“

Erik Meinlschmidt (Nominierungen: 1). Ein souveräner Auftritt erst im Abwehrzentrum, dann auf der linken Verteidigerposition. Gutes Stellungsspiel, gute Antizipation, stark in den Zweikämpfen. Und damit nicht genug: Auf der anderen Seite, im Angriff, steuerte der 24-Jährige nach einem Eckball auch noch seinen dritten Saisontreffer bei.

TSV Bernhausen: Livancic – Lujic, Meinlschmidt, Sterian – Henneh (90.+3 Vlasic), Milos, Jordacevic (90.+2 Stegl), Walz (90.+5 Bayrak) – Tomic (73. Galla) – Matanovic, Demir (84. Shamenko).

TSGV Waldstetten: Helmli – Kurfess, Schraml, Taxis – Waldraff (80. Iacobucci), Pfeifer, Szenk, Podilczak (80. Schoell) – Vasic (39. Rosenfelder), Nagler, Groiß (90.+2 Beyerle).