Der TSV Bernhausen unterliegt dem TV Echterdingen im Brisanzspiel mit 0:2 – für den neuen Gästetrainer Heisig wiederum ein perfekter Einstand. Einer der Seinen erhält ein Extralob.
Am Ende schien Daniel Heisig für einen Moment orientierungslos. Wohin mit der Freude? Alte Weggefährten begrüßen, die bereits zum Gratulieren warteten? Oder sich gleich der Presse stellen? Oder erst einmal mit der eigenen Mannschaft feiern? Jene hüpfte singend im Kreis. „Derbysieger, Derbysieger, Derbysieger“, hallte es aus dem Hintergrund.
Was für ein Einstand für Heisig! Erstes Pflichtspiel unter ihm als neuer Trainer des Fußball-Landesligisten TV Echterdingen. Aufgabe eins auf der erhofften Rettungsmission im Kampf gegen den Abstieg, und dann gleich das: ein 2:0-Auswärtserfolg im Brisanzduell beim Nachbarn TSV Bernhausen, damit am Freitagabend die Revanche für das Hinspiel-0:1. „Hätte ich es mir für den Auftakt malen und wünschen können, hätte es nicht anders ausgesehen“, sagte der 39-Jährige, während beim gastgebenden Gegner manch einer in der Tasche die Faust geballt haben dürfte. Aus seiner Sicht ein verflixt und zugenäht. Da angelt ihnen der Filderrivale für die nächste Saison schon den Coach und wie berichtet gleich acht Spieler weg. Und nun nimmt er beim direkten Aufeinandertreffen auch noch die Punkte mit.
Bernhausener Fehlstart, Echterdinger Traumstart also, nachdem die für den Sommer bevorstehende Transfergroßaktion vom Fleinsbach in die Goldäcker entgegen der Absichten beider Vereine vorab durchgesickert war. „Damit“, erkannte Heisig, „waren besonders viele Emotionen drin.“ Nicht nur auf dem Platz, auch unter den gut 300 Zuschauern. Wohin man unter jenen auch hörte, überall ging es um dieses eine Thema. Und auf lila Heimseite dann noch einmal mehr, als just zwei der künftig abtrünnigen Wechselkicker zu den unfreiwilligen Schlüsselfiguren der Begegnung wurden.
Die Namen des Oktetts will zwar nach wie vor keine der zwei Seiten preis geben. Doch die Abwehrrecken Oliver Lujic und Dimitrios Vidic gehören definitiv dazu. Und was passierte? Noch keine 60 Sekunden waren gespielt, als Lujic nach einem Echterdinger Einwurf über den Ball säbelte. So hatte der Youngster Flon Ajvazi gegen seinen Ex-Verein freie Bahn zum 0:1. Ein Paukenschlag, kaum dass das Spiel begonnen hatte. Und „natürlich ein dicker Bock“, wie der Bernhausener Spielleiter Thomas Otto befand.
Damit nicht genug: Der nächste folgte in der Nachspielzeit von Hälfte eins, diesmal mit Vidic im Mittelpunkt. Ihm brannten nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie die Sicherungen durch. Er trat gegen den am Boden liegenden Ismail Oguz nach. Der Schiedsrichter Tobias Lochmüller zog folgerichtig Rot. „Eine solche Spieleraktion kann man als Trainer nicht akzeptieren“, merkte der Noch-Bernhausen-Coach und Demnächst-Heisig-Nachfolger Roko Agatic knurrig an, allerdings mit einer Fußnote. Unstrittig war für ihn: „Zuvor hätten bereits zwei Echterdinger mit Gelb-Rot vom Feld gemusst, der Elfer und die 20.“ Sprich: der Wiedereinsteiger Michael Deutsche sowie der Torschütze Ajvazi. Zumindest in Bezug auf den Letztgenannten stand Agatic mit seiner Meinung nicht allein. Nicht von ungefähr holte Heisig seinen Angreifer dann schon nach 40 Spielminuten vom Rasen – eben wegen akuter Platzverweisgefahr.
Freilich, damit kein falscher Eindruck entsteht: „Wegen des Schiedsrichters haben wir nicht verloren“, relativierte Otto, „da hatten wir in dieser Saison schon bessere, aber sicher auch schlechtere.“ Nein, zuvorderst zu nennen war ein anderer Grund: Schwer fällt es, sich zu erinnern, wann es in der Agatic-Ära schon einmal ein Spiel mit so wenigen selbst herausgespielten Torchancen gab. Eine Partie, in der der eigentliche Erfolgsexpress des Titelanwärters derart mühsam ins Rollen kam – dies auch bereits mit noch kompletter Formation. Trotz eines Plus an Ballbesitz sollten ein Lattenkopfball von Ovidiu-George Sterian sowie ein gerade noch abgeblockter Tomic-Schuss die einzigen offensiven Bernhausener Highlights sein. Demgegenüber machte für den Gegner der eingewechselte Florian Dölker nach einem Steckpass von Steffen Schmidt mit dem Treffer zum 0:2 alles klar (74.).
Und dass es zu dieser Gastgeber-Flaute kam, hatte wiederum nicht zuletzt mit der Leistung des spätestens seit den aktuellen Personalgeschichten ungeliebten Kontrahenten zu tun. Ja, wer hätte es gedacht: Die Echterdinger, unter Heisigs Hinrunden-Amtsvorgängern noch ein stetes defensives Sorgenkind, glänzten als verteidigendes Kollektiv. Des Trainers säender Ansatz, vor allem in diesem Bereich zu arbeiten, brachte somit eine prompte erste Ernte ein. Bei gegnerischem Ballbesitz im 5-4-1-, bei eigenem im 3-4-3-System hielten die Gelb-Schwarzen dicht. Und einer, der Jüngste, sammelte sogar ein Sonderlob ein.
Matti Theobaldt, Aufsteiger aus der zweiten Mannschaft, war erst direkt vor dem Anpfiff für den angeschlagenen Leo Milutinovic (Zerrung) in die Aufstellung gerutscht. „Und dann kommt der als gerade mal 19-Jähriger und macht so ein Spiel – unglaublich“, staunte der sportliche Leiter der Echterdinger, Sascha Härtenstein.
Fürs Erste auf einem Nichtabstiegsplatz
Fest steht für Härtenstein: „Machen wir so weiter, wird’s gut.“ Einstweilen, zumindest bis diesem Samstag, schon einmal mit dem Sprung auf den nach jetzigem Stand rettenden zwölften Tabellenplatz.
Dagegen droht den Bernhausenern fürs Erste der Verlust des Anschlusses an die Spitze, flankiert von einer Gemütslage, mit der es nun halt klar zu kommen gilt. Wohin mit der Enttäuschung? Ein Fan tat sie offen kund und heimste Zustimmung ein: „Dann geht doch gleich alle nach Echterdingen.“ Sprach’'s und eilte an diesem blöden Derby-Abend aus dem Stadion.
Bernhausener „Spieler des Spiels“
Julijan Milos (Nominierungen: 1). Antreiber im Bernhausener Mittelfeld. Mit Entschlossenheit dann auch bei einigen Einzelaktionen. Damit war der 23-Jährige beim gastgebenden Favoriten neben dem Torhüter Matej Livancic einer der wenigen in ansprechender Form.
Echterdinger „Spieler des Spiels“
Matti Theobaldt (Nominierungen: 2). Kurzfristig in die Startelf gerutscht, spielte der Teamjüngste, als wäre er dort schon immer dabei. Zusammen mit seinen Nebenmännern Marvin Kuhn und Christian Heinrich bildete er ein zentrales Abwehrbollwerk, an dem es für den Gegner kein Vorbeikommen gab.
TSV Bernhausen: Livancic – Vidic, Lujic, Sterian, Meinlschmidt – Milos – Kranz (59. Demir), Tomic (76. Galla), Jordacevic (46. Henneh), Walz – Matanovic.
TV Echterdingen: Gaspar – Theobaldt, Kuhn, Heinrich – Handanagic (86. Babatas), Deutsche (72. Herderich), Schmidt, Pirracchio – Oguz (89. Shalaj), Ajvazi (40. Dölker), Celiktas (76. Biemel).