Bastian Schweinsteiger trifft 2011 in Stuttgart gegen Brasilien zum 1:0. Foto: dpa

Es gibt mal wieder ordentlichen Fußball zu sehen in Stuttgart. Am Mittwoch tritt die deutsche Nationalmannschaft in der Mercedes-Benz-Arena gegen Chile an. Die Gäste werden von ihrem Außenminister begleitet, der gleich noch eine Büste als Geschenk mitbringt.

Es gibt mal wieder ordentlichen Fußball zu sehen in Stuttgart. Am Mittwoch tritt die deutsche Nationalmannschaft in der Mercedes-Benz-Arena gegen Chile an. Die Gäste werden von ihrem Außenminister begleitet, der gleich noch eine Büste als Geschenk mitbringt.

Stuttgart - Mit diesem Namen kann man nur Diplomat werden. Jorge O’Ryan Schütz, das ist die Vereinten Nationen auf den Punkt gebracht. Der Mann, in dessen Namen sich die Vorfahren aus Spanien, Deutschland und Irland spiegeln, ist Außenminister Chiles. Und als solcher dieser Tage zu Gast in Stuttgart. Er begleitet die Fußball-Nationalmannschaft des südamerikanischen Landes, die am Mittwoch Deutschland fordert.

Ob die Chilenen gute Gäste sind, wird sich weisen, immerhin kommen sie mit den frischen Meriten eines 2:0-Erfolges in England. O’Ryan Schütz immerhin kommt nicht mit leeren Händen. Er hat eine Büste dabei, die er der Stadt Stuttgart schenken möchte. Sie ist 95 Zentimeter hoch, aus Bronze, und stellt die chilenische Dichterin und Nobelpreisträgerin für Literatur, Gabriela Mistral, dar. Am Mittwoch, 15.30 Uhr, wird der Außenminister die Büste auf dem Santiago-de-Chile-Platz auf dem Haigst überreichen und einweihen.

Tagsüber Kultur – und abends Fußball. Natürlich geht O’Ryan zum Länderspiel, das um 20.45 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena angepfiffen wird. Ebenso wie Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, „der eingeladen ist“, heißt es von Seiten von Stadtsprecher Sven Mathis, der sogleich versichert, „es gibt keine städtischen Karten, null, null Karten“. Das heißt, Stadträte und Bürgermeister müssen, wenn sie ins Stadion wollen, Karten kaufen.

Das könnten sie noch tun, es gibt noch einige tausend Karten ab 60 Euro aufwärts. Wer’s gerne exklusiver mag, kann sich bei dem Tickethändler Viagogo im Internet auch Karten für die Haupttribüne für 399 Euro kaufen.

Wie das so ist, im heutigen Fußball, ohne Obolus zu entrichten darf man keinen Blick auf die deutschen Spieler erhaschen. Sie reisen am Sonntagabend an und werden im Hotel Le Méridien übernachten, dort allerdings „ist abgesperrt“, sagt der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Auch beim Training am Montag im Robert-Schlienz-Stadion auf dem Wasen und am Dienstag in der Mercedes-Benz-Arena möchte man keine Zuschauer haben.

Die sollen am Mittwochabend kommen zum ersten Länderspiel seit 2011, damals schlug Deutschland Brasilien mit 3:2. Für 55 000 Menschen ist Platz, weil bei internationalen Spielen aus Gründen der Sicherheit keiner stehen darf. Also werden die knapp zehntausend Stehplätze in beiden Kurven zu Sitzplätzen umgerüstet. Das ist eine der vielen Aufgaben, die die Betriebsgesellschaft des Stadions zu erledigen hat. Die Arena ist quasi besenrein und werbefrei an den deutschen Fußballbund zu übergeben, der die Mercedes-Benz-Arena für eine sechsstellige Summe mietet. In einem 117 Seiten dicken Buch ist festgelegt, welche Pflichten der Hausherr zu erfüllen hat, „und zwar bis ins kleinste Detail“, sagt Marcus Bretschneider, Leiter Vertrieb, Verwaltung und Organisation bei der VfB Stuttgart Arena Betriebs GmbH. So müssen sogar die Schriftzüge des Herstellers der Fernsehgeräte abgeklebt werden. Ganz abgesehen davon, dass Bitburger Sponsor des DFB ist, und so folgerichtig Bitburger statt Krombacher ausgeschenkt wird.

Ob’s für Jorge O’Ryan Schütz chilenischen Weißwein gibt, war nicht in Erfahrung zu bringen, vielleicht mundet ihm ja auch ein Württemberger Wein. Das Spiel wird er in jedem Fall zu schätzen wissen. Ist er doch nicht nur Außenminister, sondern seit 1999 auch Präsident des chilenischen Erstligaclubs Club Deportivo Universidad Católica.

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