Am vergangenen Spieltag wurden zwei Partien in der Kreisliga B vorzeitig beendet. Im einen Fall stürmen Zuschauer den Rasen und gehen aufeinander los, im anderen sorgt ein Brüder-Paar für einen Eklat.
Nach der Winterpause liefen die Partien im Bezirk Stuttgart/Böblingen ohne besondere Vorkommnisse ab. Dies hat sich am vergangenen Sonntag dann drastisch geändert. Da krachte es gleich auf zwei Fußballplätzen. Abgebrochen wurden die beiden Kreisliga-B-Partien KF Ilirida Stuttgart – TV Cannstatt (Staffel 2) und Türkspor Stuttgart II – SSV Zuffenhausen II (Staffel 5).
Mit sechs Streifenwagen rückte die Polizei am Sonntag gegen 16.35 Uhr auf der Anlage des TV Cannstatt in Stuttgart-Freiberg an. Zwei Zuschauer der Kreisliga-B-Partie Ilirida Stuttgart – TV Cannstatt hatten diese angerufen und mitgeteilt, es würde zu Ausschreitungen kommen. „Als die Beamten eintrafen, hatte sich die Situation schon beruhigt“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Ähnlich sieht es auch der Schiedsrichter der Partie. Als die Sirenen der nahenden Polizei zu hören gewesen seien, hätten sich die erhitzten Gemüter abgekühlt und die Auseinandersetzung aufgelöst, erzählt Michael Spörer, der Vorsitzende des Fußball-Bezirks Stuttgart/Böblingen, aus dem Bericht des Unparteiischen.
Doch wie kam es zu der Auseinandersetzung, was ist passiert? In der Begegnung gab es nach 26 Minuten eine Rote Karte für den Cannstatter Torhüter Akeed Imad Haji, der außerhalb des Strafraums ein Handspiel begangen hatte. In der 57. Minute beim Stand von 2:2 folgte ein zweiter Platzverweis für den Cannstatter Akteur Fernando Baptista, der aber laut Spörer „etwas undurchsichtig“ gewesen sei. Diese Karte ließ die Emotionen hochkochen, weshalb der Schiedsrichter das Spiel unterbrach und beide Parteien zum Abkühlen in deren Strafraum beordern wollte. Es blieb aber beim Versuch, weil während der eigentlichen Deeskalationsmaßnahme Zuschauer, die nach Beobachtung des Unparteiischen dem TV-Cannstatt-Lager zuzuordnen waren, aufs Spielfeld rannten und die Ilirida-Spieler tätlich angegriffen hätten. Daraufhin kamen jenen offenbar eigene Fans sowie Ordner zur Hilfe. Es seien um die 50, 60 Leute auf dem Feld gewesen, ist in dem Schiri-Bericht zu lesen. Die Folge: der besagte Abbruch. „Vorbildlich“ sei dabei das Verhalten der beiden Trainer gewesen, namentlich Driton Mehmetaj (Ilirida) und Arben Berisha (TV Cannstatt), die geschlichtet hätten.
Arben Berisha, ebenso wie einige der jetzigen Cannstatter Spieler einst in Diensten des Gegners Ilirida, hält die Vorkommnisse insgesamt für unakzeptabel. „Das hatte von beiden Seiten nichts mit Fußball zu tun“, sagt er. Den Auslöser für die Ausschreitungen sieht er aber anders. Das Vergehen bei der zweiten Rote Karte für sein Team habe der Schiedsrichter gar nicht gesehen, sondern erst nach Rücksprache mit einem Ordner entschieden. „Der Ordner war der Falsche, überhaupt nicht auf dem Spielbericht eingetragen – das war ein Verantwortlicher von Ilirida. Das habe ich dem Schiedsrichter auch mitgeteilt“, sagt Berisha. Danach sei es zu Diskussionen und Beleidigungen gekommen. Ein Ordner seines Teams sei auf dem Feld gewesen, ein anderer von Ilirida plötzlich angestürmt gekommen. So sei die Situation eskaliert.
Ibni Neziri, der Vorsitzende von Ilirida, widerspricht dem vehement. „Die Ausschreitungen kamen zustande, weil Zuschauer des TVC aufs Feld stürmten und einen unserer Spieler attackierten. Drei unserer Ordner kamen diesem dann zu Hilfe“, sagt Neziri und führt an: „Wir können das beweisen, haben alles auf Video.“
Nun beschäftigt sich nicht nur das Sportgericht mit dem Fall, auch die Polizei hat Ermittlungen wegen des „Verdachts der gefährlichen Körperverletzung“ aufgenommen, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Auch wenn es „nur“ einige kleinere Verletzungen gegeben habe und niemand ins Krankenhaus gebracht werden musste, „haben wir mehrere Personalien aufgenommen“, sagt Widmann.
Kurios an der ganzen Sache: Die Cannstatter waren zu Gast auf der eigenen Anlage – Ilirida Stuttgart hat sich auf der Sportanlage in Freiberg eingemietet, trainiert dort und trägt seine Heimspiele aus.
Abbruch auch zwischen Türkspor II und Zuffenhausen II
Den zweiten Abbruch des Spieltags gab es derweil wie erwähnt in der Staffel 5. Zwischen den zweiten Mannschaften von Türkspor Stuttgart und des SSV Zuffenhausen verlief bis zur 80. Spielminute alles friedlich. Die Gäste führten mit 6:2. Dann kam es auch dort zum Eklat. Die Eskalationsspirale laut Schiedsrichter-Bericht: Zuffenhausens Ahmed Azzam stieß den Türkspor-Torhüter Kubilay Polatkan, obwohl dieser den Ball bereits sicher aufgenommen hatte. Polatkan soll seinen Kontrahenten daraufhin beleidigt haben. Letzterer revanchierte sich mit einem Stoß gegen den Oberkörper. In der darauffolgenden Rudelbildung stieß Ahmed Azzams herbeigeeilter Bruder und Mitspieler Omar Azzam einen anderen Gegenspieler gegen den Hals. Beide Zuffenhausener Spieler sahen für ihre Tätlichkeiten die rote Karte, und der Schiedsrichter unterbrach die Partie für einige Minuten.
Als es schließlich weitergehen sollte, gerieten die erhitzten Gemüter jedoch sogleich erneut aneinander – und der Referee brach die Begegnung „aus Sicherheitsgründen“ ab. „Es ist schade, dass es so passiert ist“, sagt Özgür Gülbahar, der sportliche Leiter von Türkspor. „Zuffenhausen hat sich selber damit geschadet, weil sie ja auch um den Aufstieg spielen.“ Im Anschluss habe wieder Frieden geherrscht. Beide Mannschaften hätten zusammen das Kreisliga-A-Spiel der eigenen Einserteams angeschaut. Türkspor Stuttgart rechnet damit, am grünen Tisch die drei Punkte zugesprochen zu bekommen. Wobei Gülbahar sagt: „Ich hätte auch nichts dagegen, das Spiel noch mal zu spielen.“
Die Abteilungsverantwortlichen des SSV Zuffenhausen wollten auf Nachfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben. In jener gegenüber dem Verband haben sie, so der Bezirkschef Michael Spörer, die beiden Platzverweise als „unstrittig“ bezeichnet und disziplinarische Maßnahmen für die beiden Rotsünder angekündigt.