Die kroatischen Wahl-Feuerbacher steigen in die Bezirksliga auf. Doch wird der Erfolgstrainer Damir Bosnjak dann noch dabei sein? Im zweiten Donnerstagabendspiel kommt es für einen Sportfreunde-Kicker derweil zur unrühmlichen Direkt-Wiederholung.
Es ist vollbracht. Die Fußballer von Croatia Stuttgart steigen nur ein Jahr nach dem Abstieg aus der Bezirksliga wieder in die höchste Spielklasse des hiesigen Bezirks auf. Beeindruckend dabei ist, dass das Team von Spielertrainer Damir Bosnjak in den bislang 25 Kreisliga-A1-Partien noch nicht einmal verloren hat. Schaffen es die Kroaten auf den Spuren des deutschen Meisters Bayer Leverkusen und des FC Arsenals aus der Saison 2003/04 zu den „Invincibles“ zu werden?
Dass Croatia zu den Meisteranwärtern gehören wird, das war spätestens nach der Verpflichtung der Bosnjak-Brüder klar. Doch dass das Team einen derartigen Lauf erwischen wird, war auch trotz Bezirksliga-Rückrunden-Platz drei im Vorjahr, der wegen des verschärften Abstiegs nichts mehr bewirkte, nicht zu erwarten. Nun, drei Spieltage vor Schluss, steht der Spitzenreiter der Staffel 1 bei 73 Punkten, der Tabellenzweite ASV Botnang kann maximal noch auf eine Punktzahl von 71 kommen.
TV 89 Zuffenhausen – Croatia Stuttgart 1:6 (0:4)
Mit dem Sieg in Zuffenhausen war das besiegelt, was viele schon lange erwartet haben. „Es war mehr eine Erleichterung, es endlich geschafft zu haben, als ein riesiger Freudenjubel“, sagt Bosnjak nach der feststehenden Meisterschaft. „Die Spannung war ja nicht mehr die größte. Nach dem Sieg gegen Botnang (Anm. d. Red.: 19. Spieltag) war ich mir zu 95 Prozent sicher, dass wir es schaffen.“ Während Mario Mamusa sehenswert aus 20 Metern in den Winkel traf, erzielte David Vukovic seine Treffer fünf und sechs der zweier Spiele unter der Woche.
„Es war ein schwieriges Spiel, Zuffenhausen hat gute Qualität, aber wir haben das Tempo hochgehalten“, sagt Bosnjak. Auf der Gastgeber Seite ließen sie den Aufsteiger noch bis Mitternacht und samt Kaltgetränken den denkwürdigen Abend ausklingen. „Wir machen unsere Tore nicht, sie schon“, resümiert TV-89-Coach Yavuz Tepegöz. „Wir haben gekämpft und hatten nichtsdestotrotz Spielanteile.“
Tore: 0:1 Vukovic (14.), 0:2 Mamusa (18.), 0:3 Vukovic (24.), 0:4 Matovina (36.), 1:4 Sorgic (53.), 1:5 Daniel Bosnjak (69.), 1:6 Vukovic (83.).
Besonderes: –
Croatia Stuttgart – OFK Beograd Stuttgart 8:2 (4:1)
Damit die Kroaten am Donnerstag überhaupt feiern durften, mussten sie zwei Tage zuvor im Absteigerduell gegen den OFK Beograd bestehen. Dies gelang mit Bravour. „Es war ein durchschnittliches Spiel, aber souverän von uns“, berichtet Bosnjak. „Mit dem 1:0 ist der Knoten geplatzt.“ Auch der Anschlusstreffer per Handelfmeter von Zeljko Samardzic brachte die Wahl-Feuerbacher nicht aus dem Komzept.
„Das war wie erwartet ein schweres Spiel“, sagt Beograds Spielleiter Aleksandar Rogic. „Die erste Halbzeit war spielerisch noch in Ordnung, ab der 60. Minute sind bei uns aber die Kräfte und die Motivation geschwunden.“ Zudem musste zwischen den Pfosten der eigentliche Rechtsverteidiger Mihailo Stojanovic ran. „Wir laufen gerade auf dem Zahnfleisch, weil wir einige Verletzte haben.“ Das Spiel am Pfingstmontag gegen Sommerrain steht auf der Kippe.
Tore: 1:0 Mamusa (8.), 2:0 Vukovic (15.), 2:1 Samardzic (24., Handelfmeter), 3:1 Vukovic (38.), 4:1 Tokic (44.), 5:1 Vukovic (59.), 6:1 Tokic (79.), 7:1 Vukovic (87.), 8:1 Daniel Bosnjak (89.), 8:2 Rade Lazic (90.+1).
Besonderes: Gelb-Rot für Prodanovic (Beograd, 68.).
Bleibt der Erfolgstrainer Bosnjak?
Der direkte Wiederaufstieg ist geschafft, Croatia spielt in der kommenden Runde wieder in der Bezirksliga. Ist Damir Bosnjak dann noch verantwortlich? „Die Entscheidung ist noch nicht komplett durch, ich versuche es aber zu stemmen“, sagt der 40-Jährige. Er ist selbstständig, hat eine Familie und ist zudem Jugendtrainer beim SGV Freiberg. An Letzterem wird es sich wohl entscheiden. Bekommt er dort einen Co-Trainer und kann dadurch ab und zu fehlen, möchte er Croatia weitertrainieren. „Der Umzug des Vereins von Feuerbach zum Frauenkopf macht die Sache auch nicht gerade leichter.“
Bosnjak wohnt in Feuerbach, die Strecke zum Training wird also länger. Auch sein Bruder Daniel, mit dem er bislang immer nur im Duo zu haben war, wohnt in Cannstatt, weshalb eine Rückkehr zu Türkspor Stuttgart im Raum steht. Hört Damir Bosnjak aber auf sein Herz, möchte er seine kroatischen Wurzeln auch im fußballerischen Bereich beibehalten. „Ich bin total zufrieden. Wir haben eine super Truppe, die Jungs sind mir brutal ans Herz gewachsen“, sagt er. „Der Verein kämpft um mich, will mich halten – und ich würde gerne weitermachen.“ Eine endgültige Zusage steht aber noch aus.
Sportfreunde Stuttgart – TB Untertürkheim 1:3 (1:1)
Am Donnerstagabend, parallel zur Krönung des Staffelprimus Croatia, duellierten sich auf der Waldau in den Sportfreunden Stuttgart und dem TB Untertürkheim zwei Mittelfeldmannschaften. Die Gastgeber gingen derweil stark ersatzgeschwächt in die Partie, selbst der Trainer Fabio Criscuolo musste von Beginn an ran. Zwar kam dessen Truppe in Halbzeit eins durch Christian Reploh noch zum Ausgleich, dezimierte sich gegen Ende aber wieder selbst. Ali Younis wurde mit Gelb-Rot des Platzes verwiesen. Dubios: Dasselbe passierte ihm bereits vor einer Woche bei seinem bis dato letzten Einsatz.
Im zweiten Spielabschnitt drehten die Gäste aus Untertürkheim mächtig auf. Zur Pause in der Kabine „habe ich den Jungs Feuer unterm Hintern gemacht“, erzählt TBU-Coach Ivo Ilijasevic. „Dann haben sie es besser gemacht, wir hatten das Spiel im Griff.“ Spieler des Spiels war in den Augen des Trainer Lars Widmann. Der Flügelflitzer auf der linken Außenbahn zeichnete sich für alle drei Vorlagen verantwortlich. Zweimal vollstreckte Amadou Camara, einmal Sandro Vukic. „Am Ende war es ein gutes Spiel mit ein paar Tiefen“, sagt Ilijasevic.
Die Sportfreunde hätten zwischenzeitlich auf 2:1 stellen können, Untertürkheims Keeper Marcel Janik parierte jedoch. Demgegenüber hadert der Übungsleiter der Gäste damit, dass seine Mannen nicht früher das 2:0 geschossen hatten. Entweder war Sportfreunde-Torhüter Mika Shahin zur Stelle, oder der Pfosten im Weg.
Tore: 0:1 Camara (10.), 1:1 Reploh (32.), 1:2 Vukic (73.), 1:3 Camara (77.).
Besonderes: Gelb-Rot für Younis (Sportfreunde, 89.).