Das Team von Trainer Erdinc Cakir verliert gegen die Spvgg Möhringen ein so gut wie gewonnen geglaubtes Spiel noch mit 1:2.
Es war der 26. Mai 1999. Der Tag, den die Anhänger des FC Bayern gerne aus ihrem Gedächtnis streichen würden. Ihr Team stand im Camp Nou in Barcelona im Champions-League-Finale gegen den englischen Vertreter Manchester United. Nach starkem Spiel und dem frühen Tor von Mario Basler führte das damalige Team von Trainer Ottmar Hitzfeld bis in die Nachspielzeit hinein mit 1:0 – der Henkelpott schien in die bayrische Hauptstadt zu wandern. Was dann folgte, ist für die Fan-Seele des deutschen Rekordmeisters noch heute unfassbar: Die eingewechselten Teddy Sheringham (90.+1) und Ole Gunnar Solskjaer (90.+3) trafen noch ins Netz. Manchester jubelte, die Bayern waren am Boden zerstört.
Von der Bedeutung ist es natürlich nicht vergleichbar, aber ein Stück weit nachvollziehen können die Akteure der Spvgg Stetten seit diesem Donnerstagabend die einstige Gefühlslage der Bayern-Belegschaft. Im wegen Ostern vorverlegten Heimspiel gegen die Spvgg Möhringen führten auch die Kicker von der Weidacher Höhe bis zum Anbruch der Nachspielzeit mit 1:0. Torschütze war Tobias Burghardt. In der sechsten Minute der Nachspielzeit standen die Stettener dann wie begossene Pudel da. Louis Munz traf aus dem Getümmel heraus ins Netz – gar noch zum Siegtreffer für die Gäste. Den zwischenzeitlichen Gleichstand hatte Dennis Agonic in der dritten Minute der Nachspielzeit mit einem herrlichen Freistoß aus 18 Metern besorgt.
„Nach so einem schwachen Spiel von uns wäre ich mit einem Punkt schon zufrieden gewesen“, sagt der Möhringer Coach Tobias Fuchs. Aber zwei Treffer in der Nachspielzeit und dann noch drei Zähler zu holen, das sei absoluter Wahnsinn. Und wie nahm sein Gegenüber Erdinc Cakir den Last-Minute-K. o. auf? Recht gelassen. „So ist Fußball, für das lieben wir diesen Sport“, sagt er, wobei solch eine Pleite „natürlich mega bitter für uns ist, weil das Team eine starke kämpferisch Leistung abgeliefert und kaum etwas zugelassen hat.“
Die Niederlage wird noch bitterer, wenn man die andere Geschichte der Partie kennt. Nach einem starken Beginn und der erwähnten Führung durch Burghardt spielten die Stettener einen zu kurzen Rückpass. Ein Möhringer spritzte dazwischen, der Routinier Dennis Dast kam beim Klärungsversuch einen Schritt zu spät und brachte seinen Gegenspieler zu Fall. Der Schiedsrichter zeigte ihm die Rote Karte wegen Vereitelung einer Torchance, sprich Notbremse. „Kann man geben, auf der anderen Seite hätte ich die Karte auch gefordert“, sagt Cakir. Danach sei von einer Unterzahl seiner Mannschaft aber nichts zu sehen gewesen. Im Gegenteil, man sei dem 2:0 näher gewesen als die Gäste dem Ausgleich. Unter anderem traf Swen Schraitle den Pfosten.
Ganz ohne eigene Chance sah der Möhringer Trainer Fuchs die Seinen zwar nicht, aber in Überzahl habe es seine Mannschaft nicht gut gemacht. Die Ruhe habe gefehlt, und „weder der Ball noch der Gegner wurde laufen gelassen“, bedauert er. Jedoch war Fuchs klar, dass sich die Möglichkeit zumindest auf den Ausgleich noch bieten würde, schließlich wusste er um die prekäre personelle Lage des Gegners, dem obendrein mehrere verletzte Stammkräfte fehlten. „Einige Stettener Akteure gingen angeschlagen in die Partie. Dementsprechend war klar, dass bei den zehn Spielern die Kräfte schwinden werden und die Wechselmöglichkeiten auch beschränkt sind“, sagt Fuchs. Wobei er den tapferen Stettenern ein Lob ausspricht. „Sie haben es in Unterzahl wirklich gut gemacht.“
Bis für die Gastgeber dann die bittere Nachspielzeit folgte, die auch der FC Bayern bestens kennt.
Tore: 1:0 Burghardt (26.), 1:1 Agonic (90.+3), 1:2 Louis Munz (90.+6).
Besonderes: Rote Karte für Dast (Stetten, 33./Notbremse)