In einem wilden Spiel behält Türkspor doch noch die Oberhand, ein Torhüter kugelt sich die Schulter aus und ein Trainer tauscht das Unterhaltungsprogramm Fußball gegen Comedy. All das und noch einiges mehr gibt es vom siebten Spieltag der Kreisliga A1 zu berichten.
Punktgleich auf den ersten drei Plätzen trennen Türkspor Stuttgart, den SSV Zuffenhausen und den ASV Botnang nur die unterschiedlichen Torverhältnisse voneinander. Erstere haben zwar noch eine Nachholpartie in der Hinterhand, der erhoffte Selbstläufer dürfte die Liga aber nicht werden. Am anderen Ende der Tabelle kassierte das Schlusslicht die sechste Saisonpleite in Folge, während die SG Stuttgart West ein Nachspielzeit-Déjà-vu erlebte.
TSV Uhlbach – Türkspor Stuttgart 3:4
In einem hitzigen Schlagabtausch zeigte sich der Spitzenreiter erneut verwundbar, war aber – auch in Unterzahl – wieder nicht zu schlagen. Hatte Türkspor-Star Ugur Capar in der 53. Minute noch die Führung des TSV Uhlbach egalisiert, sah der eingewechselte Abdullah Sener wenig später die rote Karte wegen einer Notbremse, nur 18 Minuten stand er auf dem Feld. Statt eines Genickschlages für die Gästemannschaft ließen die Roten den TSV Uhlbach spüren, was für ein Potenzial in ihrem erlesenen Kader steckt: Innerhalb von 13 Minuten erhöhte Türkspor auf 1:4.
„Wir waren in den 15 Minuten ziemlich von der Rolle“, sagte Tim Wagner, Spielertrainer der Heimelf, „wir haben plötzlich ein Tor nach dem anderen kassiert“. Damit habe man sich die starken ersten 45 Minuten zunichte gemacht, in der Wagner eine überlegene eigene Elf sah. Dass Türkspor in Unterzahl plötzlich aufdrehte und das Spiel am Ende gewann, erkannte er als Stärke an: „Wer unbedingt aufsteigen will, der muss auch solche Spiele gewinnen, das spricht für sie.“ Trotzdem ist er sich sicher: „Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir auch spielerisch mithalten können, ich glaube, wir hätten einen Punkt verdient gehabt.“
In Anbetracht der Umstände zeigte sich der Trainer der Gäste, Memik Erdogan, zufrieden mit seiner Mannschaft. Welche Umstände er meine, abgesehen von der Roten Karte? „In Uhlbach ist es immer schwierig zu spielen, das weiß ich schon lange“, sagte er und warf auch den Zuschauern Fehlverhalten vor: „Auf dem Spielfeld war es hart, aber insgesamt fair“, von der Seitenlinie seien aber mehrmals Beleidigungen gegenüber seinem Team gefallen, „da war viel Tumult von außen, das fand ich schade.“ Stolz war er dagegen auf die Reaktion seiner Mannschaft nach der Roten Karte: „Man hat nicht gemerkt, dass wir einen Mann weniger waren.“
Angesprochen auf den Vorwurf gegenüber der TSV-Fans sprach Wagner von einem „Geben und Nehmen auf beiden Seiten“, so habe nach Abpfiff ein Spieler der Gäste die Heimfans beleidigt: „Einfach schade, so etwas hat in einem Fußballspiel nichts verloren.“ Unterm Strich steht ein Fußballspiel, das aus verschiedenen Gründen in Erinnerung bleiben dürfte.
Tore: 1:0 Menger (20.), 1:1 Capar (53.), 1:2 Delgir (63.), 1:3 Akcan (70. Strafstoß), 1:4 Delgir (76.), 2:4 Ogayo (90.), 3:4 Wagner (90.+4)
Besonderes: Rote Karte für Türkspors Abdullah Sener (63., Notbremse).
TSV Mühlhausen – OFK Beograd 2:2
Zwei Doppeltorschützen, eine 25-minütige Verletzungsunterbrechung und ein Unentschieden, dass sich auf beiden Seiten mehr wie Sieg und Niederlage anfühlte – das 2:2 zwischen dem TSV Mühlhausen und OFK Beograd hatte einiges zu bieten. „Ein wildes Spiel“, sagte auch Mühlhausen-Coach Armend Mehmeti, „es ging hoch und runter von der ersten Minute an“. Er sah zahlreiche Chancen auf beiden Seiten und eine eigene Mannschaft, die zweimal aus einem Rückstand zurückkam, beides Mal in Person des Doppelpackers Marcel Fidler. „Wir haben nie aufgesteckt, leidenschaftlich gekämpft und Beograd einen Punkt abgerungen“, zeigte sich er sich mit seiner Mannschaft und dem Ergebnis gegen den Favoriten hochzufrieden. Bitter für Mehmetis Team: In der 84. Minute wollte Schlussmann Philipp Imhof einen Schuss parieren, kugelte sich dabei die Schulter aus. Erst nach 25 Minuten Unterbrechung samt Krankenwageneinsatz konnte die Partie fortgesetzt werden.
Des einen Glück ist des anderen Leid: Beim OFK Beograd sieht die Stimmungslage nach der Punkteteilung ganz anders aus, Spielleiter Aleksandar Rogic beschrieb sie so: „Es ist einfach bitter und das selbe Problem wie seit dem ersten Spieltag: Wir nutzen unsere Chancen nicht.“ Mitunter sei seine junge Truppe zu ungestüm nach vorne, hinten fehle es dann an Stabilität. „Vor allem in der ersten Halbzeit waren wir haushoch überlegen, aber das ist Fußball: Du musst die Dinger machen.“
Tore: 0:1 Rangelov (24.), 1:1 Fidler (36.), 1:2 Rangelov (50., Foulelfmeter), 2:2 Fidler (68.).
Besonderes: 25-Minütige Verletzungsunterbrechung ab der 84. Minute
PSV Stuttgart – SG Stuttgart West 3:3
Die Geschichte wiederholt sich. Mit dem 3:3 fuhren beide Mannschaften das zweite Unentschieden in Folge ein, vor allem die SG Stuttgart-West erlebte ein bitteres Déjà-vu. Schon am Donnerstag gegen den Spitzenreiter Türkspor Stuttgart gab man den Sieg in letzter Sekunde aus der Hand, gegen den PSV Stuttgart folgte der Nackenschlag erneut in der Nachspielzeit. „Wir haben innerhalb von wenigen Tagen vier Punkte verschenkt“, zeigte sich Trainer Benedikt Goos zerknirscht, wobei das 2:2 gegen Türkspor besser geschmeckt habe. „Wenn man oben mitspielen will, muss man so ein Spiel gegen den PSV gewinnen.“ Der Ausgleich fiel in der 93. Minute, nach einem „ziemlich blöden Bock von unserem Innenverteidiger“ – PSV-Stürmer Benjamin Nimigean schob aus kurzer Distanz zum 3:3-Endstand ein. „Die schenken uns das 2:3, wir ihnen das 3:3, am Ende hatten wir auch nicht mehr verdient“, lautete Goos’ Fazit zum Spiel.
Den zwischenzeitlichen Führungstreffer zum 3:2 hatte Doppeltorschütze Paul Kottmann erzielt, nach unglücklichem Abwehrverhalten, diesmal auf der anderen Seite. Die konnte mit dem Unentschieden deutlich besser leben, nach dem katastrophalen Saisonstart zeigt der Trend nach oben. Seit Damian Nagler bei dem PSV an der Seitenlinie steht, holte man in allen drei Spielen Punkte, einschließlich der Partie gegen den favorisierten Club aus dem Stuttgarter Westen. „In der Mannschaft steckt eine Menge Potenzial“, sagte Nagler, der zunehmend seine Handschrift wiedererkennt: „Ich spiele sehr aktiven, offensiven Fußball, die Mannschaft setzt das immer besser um.“ Mit dem Unentschieden konnte er gut leben, glaubt aber auch: „Wenn es einen Sieger gegeben hätte, dann wären das wir gewesen.“
Tore: 0:1 Klausmann (28.), 1:1 Klose (44.), 2:1 Klose (58., Handelfmeter), 2:2 Kottmann (68.), 2:3 Kottmann (71.), 3:3 Nimigean (90.+3).
Besonderes: –
TV Zazenhausen – SG Untertürkheim 1:1
Nach der Ebbe kommt bekanntlich die Flut. Dass dies auch andersherum gilt, bekamen beim 1:1 zwischen dem TV Zazenhausen und der SG Untertürkheim die Zuschauer zu spüren. „Es war kein spannendes Spiel“, konstatierte auch der Zazenhausener Coach Armando Traini. Dabei hatte die Partie vielversprechend begonnen: Schon nach vier Minuten stand es 1:0 für die Gäste aus Untertürkheim, Zazenhausen glich in der 15. Minute aus. Das weitere Spielgeschehen ist schnell erzählt: Ein paar Gelbe Karten, ein paar Wechsel, dann ein pünktlicher Abpfiff, den der ein oder andere sicher herbeigesehnt haben dürfte.
„Es gab wenige Chancen auf beiden Seiten, keiner hat ein Mittel gefunden, das Spiel noch mal anzukurbeln“, beschrieb Traini den unspektakulären Kick, „vielleicht waren die Beine noch etwas müde von Donnerstag.“ Nach den zuletzt unterhaltsamen, aber auch von Seiten des TVZ spielerisch starken Unentschieden gegen PSV Stuttgart (3:3) und TV89 Zuffenhausen (0:0), „fühlt sich das Spiel ein bisschen wie ein Niederlage an.“ Schlechte Vorzeichen vor dem kommenden Spiel gegen Türkspor? „Sie sind der große Favorit, aber Angst haben wir nicht.“
Tore: 0:1 Mourzidis (4.), 1:1 Kurtovic (15.).
Besonderes: –
TB Untertürkheim – TV89 Zuffenhausen 1:2
1:2 trennten sich der TB Untertürkheim und der TV89 Zuffenhausen, der Anschluss der Heimelf fiel in der 91. Minute, danach hatte man sogar noch beste Chancen auf den späten Ausgleich. „Das wäre natürlich gut für uns gewesen, wäre aber auch unverdient“, zeigte sich der Untertürkheimer Trainer Ivo Ilijasevic selbstkritisch, „Zuffenhausen war die bessere Mannschaft.“ Besonders bei schnellen Gegenstößen habe es am letzten Pass gemangelt, insgesamt seien zu viele Fehlpässe im eigenen Spiel gewesen.
Auch Gäste-Coach Yavuz Tepegöz sah eine Partie, die über weite Strecken deutlich weniger eng war, als das Ergebnis vermuten ließ: „Es ist so ein typisches Spiel von uns, wir hätten schon zur Halbzeit zwei, drei zu null führen können.“ Über 90 Minuten habe seine Mannschaft dominiert, „nur in der Nachspielzeit haben wir uns selber das Leben schwergemacht.“ Die Untertürkheimer waren dank Mittelfeldspieler Michael Höschele noch mal herangekommen, die mangelhafte Chancenverwertung der Zuffenhausener hätte sich fast noch gerächt. „Uns fehlt ein richtig abgezockter Torjäger, einer, der Dinger einfach mal reinhaut, anstatt klein-klein zu spielen.“ Vielleicht geht sein Wunsch schon im kommenden Spiel gegen die SG Untertürkheim in Erfüllung, er hofft auf viele Tore – und zwar auf beiden Seiten: „Das will man doch sehen in der Kreisliga.“
Tore: 0:1 Yürük (55.), 0:2 Sorgic (80.), 1:2 Höschele (90.+1).
Besonderes: –
SSV Zuffenhausen – SV Sillenbuch II 5:1
Mit dem SSV Zuffenhausen empfing eines der absoluten Spitzenteams der Liga das Tabellenschlusslicht aus Sillenbuch und wurde seiner Favoritenrolle mit einem souveränen Sieg gerecht. Und das in Abwesenheit des Trainers Erhan Atici – der weilte in Berlin bei einer Cabaret- und Comedyshow. Große Unterhaltung war auch beim Spiel seiner Mannschaft in der Stuttgarter Heimat geboten, auch wenn die Gäste aus Sillenbuch erneut wenig zu lachen hatten. Nach zuletzt fünf Ligapleiten in Serie folgte des Dramas nächster Akt, mit 1:5 wurde der Tabellenletzte vom Tabellenzweiten nach Hause geschickt.
Necmi Keskin, Trainer des SV Sillenbuch II, nahm nach der Niederlage kein Blatt vor den Mund: „Wir haben verdient verloren, auch die Höhe geht in Ordnung.“ Nur ein Punkt aus nunmehr sieben Spielen steht zu Buche, das vorläufige Fazit fällt nüchtern aus: „Gerade ist einfach nicht mehr drin und in den nächsten Wochen wird es nicht besser“, sagte Keskin, auch mit Blick auf die kommende Partie gegen den ASV Botnang. Trotzdem sei die Stimmung in der Mannschaft ordentlich: „Wir haben sehr viele Ausfälle, das macht es uns schwer, aber wir glauben trotzdem an den Klassenerhalt.“ Das im Sommer auserkorene Saisonziel steht also weiterhin. Mutmachen dürfte die vergangene Spielzeit, als man mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet war und am Ende bekanntlich die Klasse halten konnte.
Tore: 1:0 Fall (13.), 2:0 Di Cerbo (45.+1, Eigentor), 3:0 Banseka (57.), 4:0 Hachenbruch (65.), 4:1 Schuler (79.), 5:1 Degirmenci (86.).
Besonderes: –
ASV Botnang – SV Prag Stuttgart 2:0
Gegen einen unbequemen Gegner tat sich der ASV Botnang schwerer als Coach Alexander Schweizer erwartet hatte. „Ich kenne die Jungs nicht und habe sie vor dem Spiel gar nicht so stark eingeschätzt“, sagte er über den Aufsteiger, deren Trainer aber ein alter Bekannter ist. „Das liegt sicher auch an Freddy (Bruder), der einen super Job macht.“ Verwundert war er aber von dessen eher defensiven Ausrichtung: „Ich hab` ihn nach dem Spiel gefragt: warum spielst du so lange so defensiv, wenn du so gute Jungs hast?“
Die Antwort des Gäste-Trainers Frederik Bruder: „Klar stehst du einen Ticken defensiver, wenn du als Aufsteiger gegen einen Meisterfavoriten spielst.“ Vor allem aber lag es am hohen Anlaufen der Gegner, dadurch habe man weniger Raum gehabt als gewohnt. Auch die Intensität sei auf beiden Seiten sehr hochgewesen, es war aber ein faires Spiel – trotz der Gelb-Roten Karte gegen Peter Brunner vom SV Prag, die seiner Meinung nicht gerechtfertigt war.
Dass die Partie lange offen blieb, lag dem Botnanger Coach zufolge auch an der fehlenden Konsequenz, vor allem in den ersten 45 Minuten: „Wir haben die erste Halbzeit ein wenig verschlafen, deswegen wurde es in der Pause etwas lauter“, sagte Schweizer. Danach habe die Mannschaft den Schalter umgelegt, trotzdem fielen die beiden Tore zum 2:0 Endstand erst in der Schlussphase. Flog die Aufsteigertruppe bislang noch etwas unter dem Radar des ASV-Trainers, dürfte er sie nach dieser couragierten Leistung künftig auf dem Schirm haben.
Tore: 1:0 Ceesay (73.), 2:0 Kamberi (75.).
Besonderes: Gelb-Rote Karte für Peter Brunner vom SV Prag (88.)
MTV Stuttgart II – SG Weilimdorf 1:2
Erneut macht MTV Stuttgart II kein schlechtes Spiel, trotzdem steht am Ende eine enge Niederlage – die vierte in Folge. Hatte man zuletzt knapp gegen die Spitzenteams OFK Beograd und TV89 Zuffenhausen verloren, hieß der Gegner dieses Mal SG Weilimdorf. Trotz Halbzeitführung musste Luca Luchetta, der Spielleiter des MTV, zugeben: „In der ersten Halbzeit war Weilimdorf die bessere Mannschaft, sie haben uns stark zugelaufen und wir hatten wenig Ideen, wie wir hinten rauskommen sollen.“ Das Führungstor (38.) durch Tyrese Brayton-Brown war gleichzeitig der erste Torschuss, „das war natürlich glücklich“. Nach der zweiten Halbzeit habe sich sein Team aber einen Punkt verdient gehabt, so Luchetta. Die jüngste Pleitenmisere macht er an dem dünnen Kader fest, auch in den nächsten zwei Wochen dürfte es eng werden: „Uns fehlen vier, fünf absolute Stammspieler, das merkt man.“
Den ersehnten Befreiungsschlag schaffte dagegen die SG Weilimdorf, die nach drei sieglosen Partien wieder den Dreier einfuhr. Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus – zumindest auf der Anzeigetafel. „Wir hätten eigentlich mit drei oder vier zu null in die Halbzeit gehen müssen, stattdessen macht der MTV mit der ersten Chance das 1:0“, sagte Trainer Philipp Baltsios. Insgesamt habe man aber die richtige Antwort auf die Niederlage gegen den SV Prag Stuttgart gezeigt: „Es war mehr Wille, mehr Biss dabei, auch wenn uns mal wieder die Abgezocktheit gefehlt hat.“ Irgendwann habe man die Tore dann aber erzwungen und den verdienten Sieg geholt.
Tore: 1:0 Brayton-Brown (38.), 1:1 Dietzhausen (62.), 1:2 Dietzhausen (87.).
B esonderes: –