Glückwünsche von den Mitspielern: Ioannis Potsou (Mitte) war gegen die Sportfreunde Stuttgart der überragende Mann beim FSV Waldebene Stuttgart-Ost. Foto: Günter Bergmann

Derweil sorgt der TSV Heumaden für die Überraschung des Tages, muss beim TV Kemnat ein Feldspieler ins Tor und sieht der Plieninger Trainer in einem Gegenspieler „eine echte Waffe“.

Packende Aufholjagden, überraschende Favoritenstürze und souveräne Kantersiege: Der 11. Spieltag der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen hat wieder einiges parat gehalten – und am Sonntag einen neuen Tabellenführer hervorgebracht. Der Blick auf alle acht Begegnungen.

 

 

FSV Waldebene Stuttgart-Ost – Sportfreunde Stuttgart 7:1

Es war ein rundum gelungener Sonntag für die Fußballer des FSV Waldebene Stuttgart-Ost. Erst feierten sie auf ihrem eigenen Platz ein Schützenfest und eroberten damit die Tabellenführung, dann sahen ein Großteil der Spieler und das Trainerteam in der MHP-Arena den 3:2-Sieg des VfB Stuttgart über den FC Augsburg. „Ein wirklich toller Tag für uns“, sagt der Trainer Rocco Cesarano.

Schon zur Halbzeitpause führte sein Team mit 4:0. Kleiner Kritikpunkt: Von Minute 70 an wurde es dann etwas schlampiger bei den Gastgebern. „Da wünsche ich mir, dass man das gut weiter zu Ende spielt“, sagt der Coach. In Abwesenheit seines bislang besten Torjägers der Staffel, Andrii Shamenko (neun Treffer), ragte Ioannis Potsou heraus. Der ehemalige Verbandsliga-Kicker (VfL Pfullingen, Calcio Leinfelden-Echterdingen), der schon in der vergangenen Saison in Feuerbach unter Cesarano spielte, zeigte alle Facetten. „Kopfballtor, schöner Volleyschuss mit seinem schwächeren linken Fuß, Dribblings – alles, was das Fußballerherz höher schlagen lässt, hat er drauf“, lobt Cesarano. Potsou trug sich denn auch gleich viermal in die Schützenliste ein.

Dank der gleichzeitigen Niederlage des ABV Stuttgart hat der FSV Waldebene Ost die Tabellenführung übernommen. „Das ist eine tolle Momentaufnahme für den ganzen Verein“, sagt Cesarano. Der Vorsprung auf die Plätze vier und fünf beträgt bereits sechs Punkte. „Ich denke, dass wir uns da oben etabliert haben“, konstatiert der Trainer, „nun wollen wie es weiter runterspielen.“

Demgegenüber ist sich Georg Lois sicher, dass er den Favoriten auf den ersten Platz gesehen hat. „Der Sieg für die Waldebene geht völlig in Ordnung. Wir waren aber nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagt“, berichtet der Trainer der Sportfreunde Stuttgart. Gleich in der ersten Minute hatte sein Team einen Lattentreffer, ehe es sich in der zweiten Hälfte mit allen Kräften gegen eine noch höhere Niederlage stemmte. Die individuellen Fehler aus der Anfangsphase wurden zum Verhängnis.

Tore: 1:0 Potsou (6.), 2:0 Stürner (15.), 3:0 Potsou (19.), 4:0 Beutenmüller (27.), 5:0 Leon Cesarano (51.), 5:1 Amann (83., Foulelfmeter), 6:1 Potsou (86.), 7:1 Potsou (90.).

Besonderes:

TSV Heumaden – ABV Stuttgart 2:1

Totgesagte leben länger. Nach der 0:9-Klatsche in Stetten hatten wohl nicht weniger mit einer weiteren Abreibung für den TSV Heumaden gerechnet. Doch falsch gedacht: Das Kellerkind stürzte den bisherigen Tabellenführer. „Wir wollten eine Reaktion zeigen, und das ist uns eindrucksvoll gelungen“, sagt der Trainer Adnan Shakir Mannan. Tief in der eigenen Hälfte positioniert, überließen die Gastgeber dem ABV Stuttgart den Ball und setzten immer wieder Nadelstiche. Und das jeweils sehr früh und sehr spät. Luis Grünewald traf nach einer der ersten Kontermöglichkeiten in der 4. Minute zum 1:0. Joel Asomah erhöhte in der 80. Minute auf 2:0. Mit dem Abpfiff verkürzte Benedict Baumgartner auf 2:1.

Die Tabellenführung ist damit für den ABV Stuttgart futsch, „man muss aber jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen“, sagt Achim Häusler, der Trainer der Degerlocher. Offensichtlich ist, wo beim Bezirksliga-Absteiger der Schuh drückt – bei der Chancenverwertung. „Wir haben 20 Torschüsse und machen nur ein Tor daraus. Da müssen wir ansetzen“, sagt Häusler. Wenn dann zwei individuelle Fehler wie gegen Heumaden dazukommen, dann wird es auch für ein Top-Team der Liga schwierig.

Tore: 1:0 Grünenwald (4.), 2:0 Asomah (80.), 2:1 Baumgartner (90. +5).

Besonderes:

KF Kosova Bernhausen – Spvgg Stetten 4:3

Doppelpack von Dardan Aliu für den neuen Tabellenzweiten? Mitnichten, denn hinter dem Namen verbergen sich zwei unterschiedliche Spieler. Der Ältere (31 Jahre) der beiden und Torschütze zum 1:0 ist zu dieser Saison mit seinem Bruder Ardian aus Wolfschlugen zum Aufsteiger gewechselt. Der Jüngere (25 Jahre) ist bereits die zweite Saison für Bernhausen am Ball. Die Namensgleichheit macht selbst dem Trainer Shefki Gjuraj zu schaffen. „Ich habe gesagt, wir müssen langsam Spitznamen vergeben. Ich rufe Dardan, und dann schauen mich beide an“, sagt der Coach und lacht. Doch noch geht es gut. Und auch auf dem Platz ging es diesmal gerade noch so gut. „Wir hatten Glück, dass wir die Tore schon in der ersten Hälfte gemacht haben, weil in den letzten 15 Minuten hat der Gegner uns an die Wand gespielt“, sagt Gjuraj.

Auch deshalb bezeichnet der gegnerische Trainer Erdinc Cakir die Pleite im Spitzenspiel als „ärgerlich und vermeidbar“. Zumal sein Team nach der Aufholjagd in der zweiten Hälfte dem Ausgleich nahe war. Und wer weiß, was dann noch passiert wäre. Aber letztlich habe seine Elf zu umständlich gespielt und der letzte Ball gefehlt, um das Spiel völlig auf den Kopf zu stellen. „Da müssen wir cleverer werden“, sagt Cakir. Dennoch hebt er die Moral seiner Mannschaft hervor: „So nach einem 1:4-Rückstand aus der Pause zu kommen und den Gegner auf seinem eigenen Platz zu dominieren, ist nicht selbstverständlich.“

Zu Gute kam, dass sich die Bernhausener mit ihrer Führung im Rücken zurückzogen – und Stetten mit vier nominellen Stürmern auf den Ausgleich drückte. „Ich habe sehr offensiv umgestellt. Ich dachte mir, friss oder stirb“, sagt Cakir. Am Ende habe die effizientere Mannschaft die aktivere geschlagen.

Tore: 1:0 Dardan Aliu (22.), 2:0 Ajet Shatrolli (24.), 2:1 Robin Hock (27.), 3:1 Dardan Aliu (40.), 4:1 Ramadani (45.+1), 4:2 Burghardt (62.), 4:3 Robin Hock (73.).

Besonderes:

FV Germania Degerloch – GFV Ermis Metanastis Stuttgart 2:1

Auch in Degerloch hat nicht die zweifellos bessere Mannschaft gewonnen, sondern die, die zur richtigen Zeit getroffen hat. Just in der stärksten Phase der Gäste erzielte Emil Scheuermann mit einem Schlenzer das 1:0. Dann legte der eingewechselte Eric Seifried mit seinem ersten Ballkontakt nach. Der ehemalige Nachwuchsstürmer des TSV Plattenhardt ist erst vor kurzem nach fast zehnjähriger Fußballpause beim FV Germania eingestiegen. Im vorherigen Spiel gegen den ABV Stuttgart hatte er schon seine ersten Einsatzminuten erhalten, nun gelang ihm im zweiten Spiel sein erstes Tor. „Ihm fehlt noch etwas die Fitness“, sagt der Trainer Claudio Marques. Nach dem Ermis-Anschlusstreffer durch Joannis Papakostas mussten die Seinen noch eine gegnerische Schlussoffensive überstehen. Der Schiedsrichter ließ neun Minuten nachspielen.

Bei den Gästen trat dagegen ein altbekanntes Problem zutage: die Chancenverwertung. „Wir treffen mehrfach das leere Tor nicht“, ärgert sich der Coach Jetmir Fetai. Ansonsten lasse der eigene Auftritt kaum Raum für Kritik. „Defensiv haben wir es bis auf die zwei Gegentore gut gemacht“, sagt Fetai.

Tore: 1:0 Scheuermann (75.), 2:0 Seifried (83.), 2:1 Papakostas (89.).

Besonderes:

SV Vaihingen II – KV Plieningen 4:5

Es war die wohl wildeste Partie, die Nikolai Pozorski in seiner bisherigen Trainerlaufbahn erlebt hat. „Wir haben eigentlich kein schlechtes Spiel gemacht und liegen 0:3 hinten“, sagt der Plieninger Trainer. Gunar Fuchs, Tom Irion mit einem sehenswerten Distanzschuss und Bekit Awed legten für die Vaihinger Gastgeber vor. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich ein Schlagabtausch mit beiderseits allen Höhen und Tiefen. „Wir sind dann ein bisschen aus dem Nichts zurückgekommen“, berichtet Pozorski, ehe wiederum der Gegner bei einer zwischenzeitlichen Plieninger 4:3-Führung mit dem erneuten Ausgleich noch einmal für Spannung sorgte. Vaihinger Schütze: wieder der überragende Irion. „Er ist eine echte Waffe; er hat eine unglaubliche Ruhe am Ball“, sagt Pozorski über den ehemaligen Jugendspieler der Stuttgarter Kickers.

Letztlich war es aber seine Elf, die sich für ihren hohen Aufwand belohnte. Djellon Dragusha behielt in der 70. Minute nach Vorlage von Yannick Stepan die Nerven und schob zum Endstand ein. Stepan hatte zuvor selbst dreifach eingenetzt. „Ein toller Sieg für die Moral“, sagt Pozorski, dessen Mannschaft den Gegner damit überholt und nun Zehnter ist.

Der Aufsteiger Vaihingen wartet indes seit vier Spielen auf einen Sieg. „Wenn du kein Glück hast, dann kommt auch noch Pech dazu“, sagt der Spielertrainer Oliver Heringhaus. In der neunten Minute der Nachspielzeit trafen die Gastgeber noch die Latte. „Ein schäbiges 1:0 wäre mir aktuell auch lieber“, sagt Heringhaus. Nach den Gegentoren sei der Kopf angegangen „und man bekommt Angst zu verlieren. Und mit der spielt es sich nicht mehr gut und frei“. Immerhin: „Spielerisch waren einige gute Ansätze dabei“, sagt der Coach. Kommende Woche gegen Stetten soll dann auch endlich wieder das Ergebnis stimmen.

Tore: 1:0 Fuchs (9.), 2:0 Irion (13.), 3:0 Awed (24.), 3:1 Eipper (28.), 3:2 Stepan (33.), 3:3 Stepan (40.), 3:4 Stepan (48.), 4:4 Irion (54.), 4:5 Dragusha (70.).

Besonderes:

TV Kemnat – SV Hoffeld 3:6

Grigorios Dimoulatos kennt seine Jungs zu gut. Deshalb hatte er vor dem Spiel eine unruhige Nacht. Der Trainer des SV Hoffeld weiß, wie seine Kicker in eine Partie gegen einen vermeintlich schwachen Gegner gehen. Und die Befürchtungen sollten sich bestätigen. Nach 27 Minuten lag der Vizemeister beim Tabellenletzten mit 0:3 hinten. „Ich dachte, das war es und ist nicht mehr reparabel“, sagt der Coach, der dann aber die „Notbremse“ zog. Früh wechselte er zweimal, noch in Durchgang eins. „Ich musste taktische Änderungen vornehmen“, erläutert er, „Gott sei Dank haben es die Jungs verstanden und mir nicht übel genommen.“

Die Folge: Der Favorit kippte die Begegnung tatsächlich noch. Patrick Wüst leitete mit seinem ersten Saisontreffer die Aufholjagd ein. Ali Younis mit einem Doppelpack und Philipp Janle legten nach. Und die rote Karte für den Kemnater Keeper Andreas Mildenberg spielte den Hoffeldern dann ebenfalls in die Karten. Für ihn musste bei den Gastgebern mangels Alternativen in Kai Ansorge ein gelernter Feldspieler zwischen die Pfosten. „Wir haben dann viel auf Ballbesitz gespielt, daraus ist dann noch das sechste Tor gefallen“, berichtet Dimoulatos – und fügt an: „Ich mag die Kemnater sehr. Wenn ich nicht Trainer von Hoffeld wäre, hätte ich es ihnen wirklich gegönnt.“ Hintergrund: Er hat selbst 30 Jahre im Ort gelebt hat und ist dort aufgewachsen.

Tore: 1:0 Dean Kovacevic (10.), 2:0 Dean Kovacevic (19.), 3:0 Eißler (27.), 3:1 Wüst (45.), 3:2 Ali Younis (49.), 3:3 Ali Younis (60.), 3:4 Janle (63.), 3:5 Mehdi Younis (71., Foulelfmeter), 3:6 Daniel Ade (84.).

Besonderes: rote Karte für Mildenberg (Kemnat, 65./Notbremse).

Spvgg Möhringen – SV Sillenbuch 0:2

Die Spvgg Möhringen hat auf schmerzliche Weise vor Augen geführt bekommen, dass 30 gute Minuten zu wenig sind. Nach einer schwachen ersten Hälfte und einem 0:1-Pausenrückstand kamen die Gastgeber zwar besser ins Spiel. Mehr als eine Handvoll Chancen sprang jedoch nicht heraus. Stattdessen traf der Sillenbucher Max Auhagen nach einem Befreiungsschlag zur Entscheidung. Zu allem Möhringer Überfluss verletzte sich der Torhüter Ben Bartsch und musste durch den A-Jugend-Keeper Maximilian Müller ersetzt werden. „Er hatte davor schon in der Zweiten gespielt, als junger Spieler kann man das aber wegstecken“, sagt der Trainer Tobias Fuchs und lacht. Sollte Bartsch bis zum kommenden Sonntag nicht wieder genesen sein, muss Müller erneut aushelfen.

Bei den Gästen ist man nach vier sieglosen Ligaspielen froh, endlich mal wieder drei Punkte eingefahren zu haben. „Wir hatten auch in den vergangenen Spielen eigentlich eine gute Truppe auf dem Feld, haben aber zu wenig draus gemacht und es nicht geschafft, die Spiele auf unsere Seite zu ziehen“, sagt der spielende Co-Trainer Nico Hering. Das klappte nun besser. „Es war eine gute Mannschaftsleistung“, urteilt Hering. Als Zwölfter steht der ursprüngliche Meisterschaftsfavorit allerdings nach wie vor nur knapp über der Abstiegszone.

Tore: 0:1 Harder (43.), 0:2 Auhagen (82.).

Besonderes:

TSV Rohr – MK Makedonija Stuttgart 1:0

„Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann soll man den Kopf nicht hängen lassen“ – diese Lebensweisheit bezieht der Makedonija-Fußballchef Jan Dimitrovski auf seine eigene Verletzung an der Achillessehne, sie passt aber auch zur Situation seines Clubs. Aktuell belegen die Filder-Mazedonier mit dem 14. Rang einen Abstiegsplatz. In Rohr gab es für den eigentlich so ambitionierten Verein nichts zu holen. „Wir haben angekämpft, aber uns wurden die Grenzen aufgezeigt“, sagt Dimitrovski. Ersatzgeschwächt mussten die Gäste mit elf Mann durchspielen. Die Hoffnung ist, „dass es nach der Winterpause besser wird“.

Das Tor des Tages erzielte Miguel Accardi. Es war der achte Treffer in dieser Runde für den Rohrer Offensivmann, der damit auf Platz zwei der Torjägerliste steht. In der 26. Minute verwandelte der 21-Jährige einen an ihm verursachten Foulelfmeter. „Leider ist durch die berechtigte Entscheidung des Schiedsrichters beim Gegner unglaublich viel Hektik reingekommen, davon haben wir uns aus dem Konzept bringen lassen“, berichtet der Trainer Klaus Kämmerer. Die Folge: nicht mehr als Stückwerk auf beiden Seiten und ein offenes Spiel. Unschöner Höhepunkt: Nach rund 75 Minuten unterbrach der Unparteiische Julian Hummel die Begegnung kurzzeitig und beorderte beide Mannschaften zum „Abkühlen“ in ihre Strafräume. „Das war kein schöner Moment“, sagt Kämmerer.

Tore: 1:0 Accardi (26., Foulelfmeter).

Besonderes: