Gelingt mit ihm der Aufschwung? Rocco Cesarano, neuer Trainer beim FSV Waldebene Stuttgart-Ost. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Saisonvorschau, Teil vier: FSV Waldebene Ost, FV Germania Degerloch und TV Kemnat – mit Blick auf einen 17-jährigen Hoffnungsträger und einen Aufsteiger mit brüderlichem Doppel-Wumms.

Der Anpfiff rückt näher, die Spannung steigt: Am Sonntag rollt der Ball in der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen erstmals wieder. Bis dahin nehmen wir die 16 Mannschaften unter die Lupe. Welche Veränderungen hat der Transfersommer gebracht, wie verlief die Vorbereitung, und mit welchen Ambitionen gehen die Teams an den Start? Heute in unserem vierten Teil: FSV Waldebene Stuttgart-Ost, FV Germania Degerloch und TV Kemnat.

 

FSV Waldebene Stuttgart-Ost

Für Rocco Cesarano hat es in diesem Sommer eine Luftveränderung gegeben: Nach fast acht Jahren als Trainer beim Bezirksligisten Sportvg Feuerbach mitsamt unschönem Ende, nämlich seiner Entlassung im Abstiegskampf, hat es ihn nun vom Norden des Stuttgarter Talkessels hinauf in den Osten verschlagen. Er ist beim FSV Waldebene als Amt Coach eingestiegen. Die Staffel 2 der Kreisliga A ist für ihn dabei weitgehend eine Unbekannte: „2024 habe ich mit Feuerbach mal ein Testspiel gegen die Waldebene gemacht. Und als im Frühjahr klar war, dass ich hier Trainer werde, habe ich mir ein Spiel von Ermis gegen Hoffeld angeschaut. Das war es aber auch schon. Ich lasse mich gerne auf eine spannende Herausforderung mit unbekannten Gegnern ein“, sagt der 42-Jährige.

Nach Platz acht in der vergangenen Saison – eine Spielzeit zuvor war der FSV noch Vizemeister geworden und erst in der Relegation am Bezirksliga-Aufstieg gescheitert – sind die sportlichen Erwartungen nicht allzu hoch. „Wenn wir uns in der Tabelle verbessern, wäre ich schon zufrieden, wobei ich ganz und gar nichts gegen eine Überraschung hätte – nämlich wir vorne mitspielen würden“, sagt Cesarano. Mittelfristig würde er mit seinem neuen Club schon gerne zurück in die Bezirksliga.

Mitgebracht hat der Coach für den Kader die beiden Ex-Feuerbacher Ioannis Potsou (zuvor Verbandsliga beim VfL Pfullingen und Calcio Leinfelden-Echterdingen) und Andreii Shamenko sowie seinen Sohn Leon Cesarano von der SG Weilimdorf. Die beiden Letztgenannten sollen den Torjäger Leon Renner (64 Treffer in den vergangenen drei Spielzeiten) in der Offensive entlasten. Bis zur Rückrunde ausfallen wird der ebenfalls stürmende Neuzugang Max Klobeck (FV Plochingen). Er hat sich das Kreuzband im Knie angerissen.

Zugänge: Fabio Nardella (TSV Musberg), Max Windeisen (TuS Freiberg), Ioannis Potsou, Andreii Shamenko (beide Sportvg Feuerbach), Max Klobeck (FV Plochingen), Leon Cesarano (SG Weilimdorf).

Abgänge: – .

Trainer: Rocco Cesarano (bis März Sportvg Feuerbach) für Yavuz-Selim Demir.

Saisonziel: eine bessere Platzierung als vergangene Saison (Platzierung in der vergangenen Saison: 8.).

Meistertipp: SV Sillenbuch, SV Hoffeld.

Auftaktspiel: auswärts bei der Spvgg Möhringen (Sonntag, 31. August, 15 Uhr).

FV Germania Degerloch

Eigentlich hatte sich Claudio Marques, Cheftrainer und sportlicher Leiter beim FV Germania Degerloch, gefreut: Im Bezirksliga-Absteiger ABV Stuttgart ist ein weiteres Degerlocher Team hinzugekommen – zwei zusätzliche interessante Derbys also in dieser Saison. Dann aber haben die Germanen am Sonntag in der ersten Runde des Bezirkspokals gleich mit 0:4 eine sportliche Lektion vom eben 300 Meter entfernten Nachbarn erhalten. „Die werden ganz sicher gleich wieder vorne mitspielen. Für uns geht es nach fünf Jahren des Zitterns bis zum Schluss lediglich darum, endlich mal eine sorgenfreie Saison zu spielen, in der wir frühzeitig gerettet sind“, sagt Marques.

Hoffnung in dieser Hinsicht macht die vergangene Rückrunde, als die Germanen 22 ihrer 38 Zähler sammelten und dabei 44 Tore erzielten. „Wenn wir diesmal über die gesamte Runde drei Dinger pro Spiel machen, dann werden wir keine Sorgen bekommen“, sagt der Coach. Einer der bei der offensiven Ausbeute entscheidend mithelfen soll, ist der A-Jugendliche Emil Scheuermann, der sowohl im Nachwuchs als auch in der ersten Männermannschaft auf Torejagd gehen wird. Der 17-Jährige, der obendrein beim tus Stuttgart zum Tennisschläger greift, erzielte in den vergangenen drei Juniorenjahren jeweils mehr als 30 Tore. „Er ist ein Juwel, das auch bei den Erwachsenen schnell den Anschluss finden wird“, sagt Marques.

Was die Degerlocher auf jeden Fall erneut umsetzen wollen, ist die zuletzt erst in der Rückserie entdeckte Art, Fußball zu spielen: „Da waren wir mutig und in jedem Spiel dominant. Das versuchen wir, in die neue Spielzeit mitzunehmen“, kündigt Marques an.

Zugänge: Massis Saglamer (Junioren SV Vaihingen), Emil Scheuermann, Jakob Linder (beide eigene Jugend), Frederic Moquet (zurück aus Fußballpause/zuvor MTV Stuttgart II).

Abgänge: Tyren Arnautovic (SV Grün-Weiß Sommerrain).

Trainer: Claudio Marques (seit September 2024).

Saisonziel: ein einstelliger Tabellenplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 10.).

Meistertipp: ABV Stuttgart, SV Sillenbuch.

TV Kemnat

Nach einer relativ schwachen Hinrunde und bereits fünf Zählern Rückstand auf den Tabellenführer VfL Stuttgart hat der TV Kemnat in der vergangenen Saison eine starke zweite Saisonhälfte hingelegt: Nur noch ein Spiel ging verloren. In der Endabrechnung bedeutete das die Vizemeisterschaft und nach zweijähriger Abwesenheit die Rückkehr in die Kreisliga A, weil der Meister FSV Waldebene II auf sein Aufstiegsrecht verzichtete. Dort will das Team aus dem Ostfilderner Stadtteil, das seine Heimspiele schon seit einigen Jahren im sportlichen Exil im Scharnhauser Park austrägt, nun den ewigen Fahrstuhl anhalten. Zwölf der vergangenen 21 Spielzeiten wurden in der untersten Spielklasse verbracht, neun in der Kreisliga A, in der es diesmal einen längeren Aufenthalt geben soll. „Wir haben keine Angst vor der neuen Klasse. Wir wollen weiter unseren mutigen Angriffsfußball spielen, und dann sollte es für einen guten Mittelfeldplatz reichen“, sagt der Trainer Markus Hummel, dessen Mannschaft vergangene Saison 141-mal ins Schwarze traf.

Die Erfolgsgaranten in der Offensive und Anführer des Teams sind die beiden Brüder Dean und Liam Kovacevic. Beide spielten einst in der Jugend der Stuttgarter Kickers, des VfB Stuttgart und des 1. FC Heidenheim und waren sogar zu Lehrgängen der kroatischen Jugendnationalmannschaften eingeladen, ehe sie vor drei Jahren dem Leistungsfußball gemeinsam adieu sagten. Für den TV Kemnat hat das Duo in den vergangenen beiden Wettbewerbsjahren zusammen mehr als 100 Tore erzielt.

Aktuell hat der TV Kemnat fünf Talente des Geburtsjahrgangs 2006 von unterschiedlichen Vereinen verpflichtet. „Wir setzen gezielt auf junge, frische, hungrige Spieler und wollen mit ihnen unseren mutigen Stil fortsetzen“, sagt der Coach Hummel.

Zugänge: Joah Bräuning (Junioren SV Fellbach), Alexander Bräuning (Junioren SSV Reutlingen), David Erhardt (Junioren TSV Weilheim/Teck, Felix Elsäßer (Junioren TSV Bernhausen), Fabian Streuff (Junioren VfL Kaltental).

Abgänge: Sadir Salam (KV Plieningen).

Trainer: Markus Hummel (seit Juli 2014 – mit einem Jahr Unterbrechung in der Saison 2018/19).

Saisonziel: Klassenverbleib (Platzierung in der vergangenen Saison: 2. Kreisliga B, Staffel 1).

Meistertipp: SV Hoffeld.