Auf Kurs zum erstmaligen Bezirksliga-Aufstieg: Der lediglich Vorjahresachte FSV Waldebene Stuttgart-Ost hat eine starke erste Saisonhälfte hinter sich. Foto: Günter Bergmann

Ein Wechsel sorgt für Zündstoff beim FSV Waldebene Stuttgart-Ost. Bei den Sportfreunden Stuttgart wird der Trainerstuhl zum Schleudersitz und in einem Spiel fallen gleich 15 Tore.

Titelkampf Die heißesten Anwärter auf den Titel sind nach den ersten 15 Spielen der FSV Waldebene Stuttgart-Ost und der ABV Stuttgart. Letzterer hatte als Bezirksliga-Absteiger vor der Saison offensiv den direkten Wiederaufstieg als Ziel ausgerufen. Die Hinrunde beendete das Team von Trainer Achim Häusler mit 31 Punkten auf dem zweiten Platz. „Wir stehen punktemäßig gut da, und auch die Rolle des Jägers gefällt uns ganz gut“, sagt der Coach. Das Ziel sei aber weiterhin Rang eins. Im Rückblick wurmen ihn die beiden Spiele gegen die Kellerkinder Heumaden (1:2) und Sportfreunde Stuttgart (1:1). „Am Ende sind es die Punkte, die uns zur Herbstmeisterschaft fehlen“, sagt Häusler. Tatsächlich haben die Degerlocher drei Punkte Rückstand auf den Tabellenführer FSV Waldebene Stuttgart-Ost. Hinzu kommt, dass der ABV das Gipfeltreffen völlig in den Sand setzte. Bei der 0:5-Niederlage war Häuslers Team weit von seinem Leistungsmaximum entfernt. „Das spornt uns für die Rückrunde an, weil das Spiel letztlich zu deutlich und unglücklich war“, sagt der Trainer.

 

An der Tabellenspitze stehen wie erwähnt die Waldebene-Kicker. Der Fusionsverein arbeitet seit Jahren am Aufstieg in die Bezirksliga. In der vergangene Saison verpatzte die Mannschaft unter dem damaligen Coach Christopher Eisenhardt den Rundenstart und fand auch nach einem Trainerwechsel nicht mehr entscheidend in die Erfolgsspur. Vor dieser Saison scheint dem Verein mit Rocco Cesarano jedoch ein Glücksgriff gelungen zu sein. Dem langjährigen Coach des damaligen Bezirksligisten Sportvg Feuerbach ist es gelungen, eine erfolgreiche Einheit zu formen. „Die Mannschaft und das Trainerteam haben sehr gut zusammen gefunden“, sagt der Spielleiter Christos Goulis. Cesarano habe das ganze Potenzial aus den Spielern herausgekitzelt. „Wir wollen in der Rückrunde an unsere bisherigen Leistungen anknüpfen“, kündigt Goulis an. Und ist der Aufstieg bereits Thema bei der Waldebene? „Träumen darf jeder“, sagt der Spielleiter vorsichtig.

Ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitsprechen möchte auch der KF Kosova Bernhausen. Der Liganeuling ist mit vielen höherklassig erfahrenen Spielern bestückt und galt schon vor der Runde als einer der Meisterschaftsfavoriten. Nach einem starken Saisonstart führten die Bernhausener sogar tatsächlich zeitweise die Liga an, zuletzt waren die Auftritte aber eher durchwachsen. Die Folge: der Rutsch auf Platz vier. Dennoch ist man im Kosova-Lager zufrieden mit der bisherigen Runde. „Auch wenn wir locker mehr Punkte hätten holen können“, sagt der Teammanager Shpetim Mushkolaj.

Gemessen an der aktuellen Tabellenposition, spielt auch der SV Hoffeld erneut um die Aufstiegsplätze (siehe auch „Überraschungsteams“). Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt für den amtierenden Vizemeister drei Punkte. Gelingt abermals die Teilnahme an den Aufstiegsspielen? Oder ist für den Außenseiter von der Hohen Eiche sogar mehr drin?

Abstiegskampf Der Aufsteiger TV Kemnat musste bislang viel Lehrgeld bezahlen. Nur ein einziger Sieg gelang dem Team von Trainer Markus Hummel bislang, dieser dann gleich richtig. Beim 8:2 gegen den MK Makedonija Stuttgart am zwölften Spieltag zeigte das recht junge Team, welches Potenzial es besitzt. Doch bislang rufen die Kemnater ihre Qualitäten zu selten ab. Mit nur sechs Punkten stehen sie auf dem letzten Tabellenplatz und gehen als Abstiegskandidat Nummer eins in die Rückrunde. In den restlichen Spielen müsse die Mannschaft abgezockter werden, fordert Hummel. Der Coach hofft, durch eine intensive Vorbereitung neuen Rückenwind zu sammeln und mit wiedergenesenen Schlüsselspielern wie dem lange verletzten Liam Kovacevic neu angreifen zu können. Nötig wäre allerdings eine große Aufholjagd.

Die größere Enttäuschung sind bisher die Kicker des MK Makedonija Stuttgart. Jene hatten eigentlich um die vorderen Tabellenplätze mitspielen wollen, sind nun aber Vorletzter. Die Hinrunde hat man im Verein auch aufgrund zahlreicher Verletzungen dann vorzeitig abgeschrieben. Vom FV Germania Degerloch ließ man sich beim 4:11 (!) abschießen, und gegen den Spitzenreiter FSV Waldebene Stuttgart-Ost trat die Mannschaft des Trainers Zhivko Kolev schon gar nicht mehr an (siehe auch „Tore satt und Nullnummern“). Im Winter wolle man sich neu sortieren, wenn möglich Neuverpflichtungen tätigen und in der Rückrunde Boden gutmachen. „Wir geben nicht auf und kämpfen bis zum Schluss“, versichert der Makedonija-Fußballchef Jan Dimitrovski.

Ebenfalls auf einem Abstiegsplatz steht der TSV Heumaden. Vor zwei Jahren sorgte der damalige Aufsteiger noch für Furore und landete am Ende der Saison 2023/24 auf Platz sieben. Bereits im vergangenen Jahr tat sich das Team schwer und rettete sich erst in der Relegation. Vor dieser Runde verließen dann die beiden Torjäger Ardi Kryeziu und Laurent Shkodra den Verein. Von daher eigentlich keine Überraschung, dass die Heumadener erneut zu kämpfen haben. Bislang hat das Team der Trainer Adnan Shakir Mannan und Akim Linke nur drei Siege eingefahren. „Die Hinrunde war für uns enttäuschend“, bilanziert Mannan. „Wir haben zwar hin und wieder guten Fußball gezeigt, die knappen Spiele aber nicht für uns entschieden. Daran müssen wir arbeiten.“

Den Relegationsrang belegen zum Jahreswechsel die Sportfreunde Stuttgart. Lange Zeit sahen die Degerlocher wie ein sicherer Absteiger aus, ehe sie sich mit vier Siegen aus den letzten acht Hinrundenspielen aus dem Keller arbeiteten (siehe auch „Trainerwechsel“).

Überraschungsteams Dass der SV Sillenbuch die Hinrunde mit 16 Punkten auf dem zwölften Platz abschließt und damit nur zwei Punkte vor dem Relegationsrang steht, hätten vor der Runde wohl keiner für möglich gehalten – und ist damit eine der negativen Überraschungen. Vergangene Saison spielte der ehemalige Bezirksligist lange um Meisterschaft und Aufstieg und gab beides erst im Saisonendspurt aus der Hand. In dieser Runde finden die Spitalwald-Kicker so gar nicht in den Tritt. „Die Runde ist bislang sehr anstrengend für uns“, sagt der Abteilungsleiter Hans-Georg Spies. Zu viele Spieler seien verletzt oder angeschlagen. „Leider ist unser Kader etwas zu dünn“, berichtet er. Deshalb würden angeschlagene Spieler zu früh wieder einspringen und fielen dann noch länger aus. „Bei uns herrscht das Prinzip Hoffnung, dass alle in der Winterpause wieder fit werden“, sagt Spies. Externe Verpflichtungen sind nicht geplant. Man werde „keinen Spieler einkaufen oder abwerben“. Das war auch schon in der Vergangenheit nie der Weg seines Vereins.

Vergangene Saison war der SV Hoffeld das Überraschungsteam schlechthin – in positiver Hinsicht. Nach dem Aufstieg stürmte der Neuling direkt auf Platz zwei und verpasste schließlich erst in der Relegation den Durchmarsch in die Bezirksliga. Nach dem heuer schwachen Saisonstart schien die Euphorie verflogen, doch mittlerweile sind die Kicker von der Hohen Eiche seit elf Spielen unbesiegt. Zum Hinrundenende reichte das sogar für den Sprung auf Platz drei und damit eine erneute Überraschung. Das ganze Jahr mache ihn „happy“, sagt der Trainer Grigorios Dimoulatos.

Torjäger-Abgang Der aktuelle Wechsel von Waldebene-Torjäger Andreii Shamenko zum Landesligisten TSV Bernhausen sorgte für reichlich Gesprächs- und Zündstoff. Bereits im November war das Bernhausener Interesse öffentlich geworden. Und der schnelle Außenbahnspieler tat fünf Wochen vor der Winterpause seinen Wechselwunsch kund – worauf er von seinem Trainer Rocco Cesarano aus dem Kader gestrichen wurde. Vorzeitiger Abpfiff für Shamenko auf der Waldebene. Die abschließenden vier Spiele bestritt der Tabellenführer dennoch erfolgreich, dies auch ohne seinen Torjäger.

Was Cesarano, der den Ukrainer schon auf seiner Vorgängerstation in Feuerbach trainiert hatte, irritierte: Mit seinem Verein habe sich zuvor kein Bernhausener Verantwortlicher in Verbindung gesetzt. Shamenkos Waldebene-Gastspiel währte damit nicht einmal ein halbes Jahr. Seine Bilanz: zehn Ligaspiele, neun Treffer.

Zuhause hui, auswärts pfui Sechsmal in Folge ging die Spvgg Stetten als Sieger vom eigenen Platz. Sogar den Spitzenreiter FSV Waldebene Stuttgart-Ost schlug das Team von Trainer Erdinc Cakir (3:2). Im siebten Heimspiel wurde der Nimbus schließlich vom ABV Stuttgart gebrochen. Der Bezirksliga-Absteiger rang die Stettener auf der Weidacher Höhe mit 2:1 nieder.

So gut es auf dem eigenen Rasen lief, so schwer tat sich der Tabellenachte auf fremdem Geläuf. Erst im achten Anlauf, mithin am letzten Hinrunden-Spieltag, gelang der langersehnte erste Auswärtssieg der Saison. In Rohr gewann die Spvgg Stetten mit 2:0. Während die Mannschaft zu Hause 18 Punkte sammelte und dabei ein Torverhältnis von 25:7 aufweist, stehen in der Fremde nur sechs Zähler zu Buche, dies bei 9:14 Toren.

Trainerkarussell Der Trainerstuhl der Sportfreunde Stuttgart war bislang ein Schleudersitz. Ursprünglich hatte Alexander „Sascha“ Malchow die Nachfolge des zum FSV Waiblingen II abgewanderten Trainers Fabio Criscuolo angetreten. Doch kurz vor dem Saisonstart sprang der ehemalige Kickers-Profi aus beruflichen Gründen wieder ab. Daraufhin übernahm der Spieler Tim Eichler das Amt für ein Spiel, ehe Georg Lois als nächster neuer Trainer einstieg – und sich mit den Seinen beim Debüt eine 0:6-Klatsche bei der Spvgg Stetten abholte. Nach nur zwei Siegen in zehn Spielen warf auch Lois das Handtuch.

Also zurück auf Anfang: Seit dem elften Spieltag trägt wieder Eichler die Verantwortung als Spielertrainer – und hat die Wende eingeleitet. Seitdem verloren die Degerlocher in sieben Partien nur einmal und kletterten auf den 14. Platz. Geht es nach dem positiven Trend also auch in der Rückrunde mit Eichler weiter? Noch offen. „Wir werden uns zusammensetzen, und dann entscheiden wir“, kündigt Eichler an.

Die höchsten Siege Am 14. Spieltag glühten bei eisigen Temperaturen die Tornetze auf dem Platz des FV Germania Degerloch. 15 Tore fielen am ersten Adventstag im Duell mit dem MK Makedonija Stuttgart. Die Gastgeber trafen beim 11:4 sogar zweistellig. Kein anderes Team erzielte in der bisherigen Runde mehr Tore in einem Spiel als der Tabellensechste, in diesem Fall freilich auch gegen einen stark ersatzgeschwächten Gegner. Am selben Spieltag gewann der Wintermeister FSV Waldebene Stuttgart-Ost gegen den TV Kemnat ebenfalls mit einem Sieben-Tore-Vorsprung. Das Waldebene-Team machte beim 9:2 gegen den Tabellenletzten von Minute eins an den Klassenunterschied deutlich.

Am deutlichsten machte es jedoch die Spvgg Stetten am zehnten Spieltag. Anfang November überrollte der Tabellenachte den TSV Heumaden mit 9:0. Bereits in der ersten Minute netzten die Gastgeber nach einer einstudierten Variante ein. Im weiteren Spielverlauf trafen alle eingesetzten Angreifer und sorgten damit für den höchsten Sieg in der bisherigen Saison.

Torjäger Beim oben erwähnten 11:4-Kantersieg gegen MK Makedonija Stuttgart stockte Emil Scheuermann sein Torekonto auf 13 Treffer auf. Der Angreifer des FV Germania Degerloch ist damit der aktuell beste Torjäger der Staffel. Ihm folgen Endi Ramadani von KF Kosova Bernhausen mit elf Toren sowie Rohrs Miguel Accardi und der Waldebene-Angreifer Ioannis Potsou mit jeweils zehn Treffern.

Tore satt und Nullnummern Generell verspricht die Staffel 2 der Kreisliga A in dieser Saison Tore satt. Insgesamt 534 fielen in den 119 gespielten Partien, im Schnitt also mindestens vier pro Begegnung. Nur dreimal fielen gar keine Tore. Zweimal war der SV Sillenbuch beteiligt. Am dritten Spieltag hatte der Tabellenzwölfte Glück, dass sein Keeper Valentin Schulik einen Foulelfmeter von Robin Hock parierte. Trotz personeller Überzahl gelang den Sillenbuchern kein eigener Treffer, weshalb es beim torlosen Unentschieden blieb. Am achten Spieltag trennten sich der SV Hoffeld und der SV Sillenbuch im Derby ebenfalls mit 0:0.

Die Begegnung des MK Makedonija Stuttgart und des FSV Waldebene Stuttgart-Ost fand dagegen gar nicht statt. Wegen Spielermangels traten die Gastgeber nicht gegen den Tabellenführer an. Die Partie wurde mit 0:3 gewertet.