Die Devise im Fußball: keinen Ball herschenken. Foto: IMAGO

Nach dem Spitzenreiter-Sturz gibt es nun einen alleinigen Tabellenführer und im Tabellenkeller keine Veränderungen.

Spitzenreiter-Sturz am zwölften Spieltag der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1. Darüber hinaus wundert sich ein Coach über die Schiedsrichtereinteilung und hat eine Mannschaft einen ganz gechillten Spieltag. Der Blick auf die Begegnungen.

 

SG Weilimdorf – Türkspor Stuttgart 4:3

Die SG Weilimdorf hat Türkspor durch den Dreier vom Tabellenthron gestoßen. Völlig überraschend war dies für Gästetrainer Memik Erdogan nicht. „Weilimdorf ist keine Laufkundschaft, die bereiten auch anderen Mannschaften große Probleme“, sagt er. Vor allem in Sachen Einstellung hat er die Gastgeber lange Zeit besser gesehen als seine Schützlinge. „Die sind alle mit 100 Prozent in die Partie gegangen, während wir rund 70 Minuten benötigt haben, um richtig im Spiel angekommen zu sein.“ Auch für Weilimdorfs Spielleiter Philip Baltsios war der Erfolg nicht unverdient. Die Gäste seien zwar mit ihrer individuelle Klasse auf einem ganz anderen Level und dominant gewesen, doch kämpferisch habe man es geschafft, sie häufig vom Strafraum fern zu halten. Und selber auch noch eigene Chancen kreiert und getroffen. Bereits nach fünf Minuten brachte Martin Schdanowitsch die Gastgeber in Führung. Doch bereits drei Minuten später nahm Emir Dogansoy einen zu kurz abgewehrten Ball an der Strafraumgrenze volley und dieser schlug unhaltbar zu seinem 19. Saisontreffer ein. Baltsios’ Tor-Bewertung: „Klasse Ding, Dogansoy hat einfach Qualität.“ Aus dem Konzept ließen sich die Gastgeber dadurch aber nicht bringen, sondern blieben weiter mutig und wurden belohnt: Argon Gaxherri traf nach 30 Minuten zur erneuten Gastgeber-Führung. Nach der Pause kam der Tabellenführer mit mehr Schwung aus der Kabine. „Doch zum günstigsten Zeitpunkt hinein in die Gäste-Drangphase haben wir getroffen.“ Und zwar per Doppelschlag von Leon Übelacker (54.) und Niklas Janik (55.) binnen einer Minute. Isa Bozkurt und erneut Dogansoy machten die Partie bis zur 83. Minute wieder scharf. Was folgte, waren noch einige Chancen hüben wie drüben, aber ohne Tore.

Weilimdorf ist es also gelungen, den Tabellenführer zu stürzen. Am kommenden Sonntag hat die SG die Chance, dieses Kunststück zu wiederholen. Dann ist man zu Gast beim neuen Klassenprimus Beograd. „Gelingt uns der nächste Spitzenreiter-Sturz“, so Baltsios, „dann können wir durchaus nach ganz vorne schielen“. Türkspor tritt indes beim Schlusslicht TB Untertükheim an.

Tore: 1:0 Schdanowitsch (5.), 1:1 Dogansoy (8.), 2:1 Gaxherri (30.), 3:1 Üblacker (54.), 4:1 Janik (55.), 4:1 Isa Bozkurt (76.), 4:3 Dogansoy (83.).

Besonderes:

TV89 Zuffenhausen – OFK Beograd Stuttgart 1:2

„Es war zwar ein hitziges Spiel, aber jederzeit auf Augenhöhe und auf einem sehr guten Niveau“, sagt der Zuffenhausener Umut Yürük. Zwei Sachen haben ihn dabei aber gestört. Zum einen natürlich der Ausgang der Begegnung. Yürük: „Ein Unentschieden oder gar ein Sieg für uns wäre durchaus möglich gewesen.“ Zum anderen die Schiedsrichter-Einteilung. Es sei generell schwierig und unglücklich, wenn ein Landsmann zum Pfeifen vom Verband geschickt würde. „Entweder er bevorteilt seine Landsleute oder er pfeift alles gegen sie, um sich nichts nachsagen zu lassen“, konstatiert Yürük. Aus seiner Sicht und speziell in der 43. Minute habe er Beograd bevorteilt. Was war passiert? Nach einem Rempler ging ein Beograd-Akteur zu Boden, der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß. „Zwei Meter Abseits, den Ball mit der Hand mitgenommen und dann noch fallen gelassen. Das war kein Foul. Eine komplette Fehlentscheidung“, schimpft der TVZ-Coach. Nikola Lakovic war’s egal, er traf zum 1:1-Pausenstand. Die Gastgeber-Führung besorgte Sergio Mavinga in der 33. Minute aus dem Getümmel heraus. Nach der Pause blieb die Begegnung weiter auf hohem Niveau, eben mit dem besseren Ausgang für den neuen Tabellenführer: Oliver Fundanovic traf zum Siegtor (80.). Das schöne an der Sache: Trotz erhöhtem Puls während der 90 Minuten „war die Stimmung nach dem Abpfiff entspannt, haben sich die Teams gegenseitig zu einem echt guten Spiel gratuliert“, sagt Yürük. Beograd ist nach dem Ausrutscher von Türkspor bei der SG Weilimdorf damit alleiniger Spitzenreiter.

 Tore: 1:0 Mavinga (33.), 1:1 Lakovic (43./Foulelfmeter), 1:2 Fundanovic (80.).

Besonderes:

Sportvg Feuerbach – TV Zazenhausen 1:0

Von der Voll-Katastrophe, über die kleinere Katastrophe, über immer besser bis hin zu sehr, sehr ordentlich – so beschreibt Trainer Stefan Schuon den Saisonverlauf des TV Zazenhausen, der aktuell – aber nicht aussichtslos – auf einem Abstiegsplatz anzutreffen ist. Ein Problem ist den Zazenhausenern aber trotz der positiven Entwicklung geblieben: „Wir haben einfach keinen richtigen Knipser, auch gegen Feuerbach wieder einige sehr gute Chanen vergeben, denn ein Remis wäre nicht unverdient gewesen“, so Schuon. Beschweren hätten sich die ambitionierten Feuerbacher um Trainer Sven Damnig nicht dürfen, wenn nur ein Teilerfolg am Sonntag herausgekommen wäre. Zwischen der 55. und 70. Minute „haben wir den Zugriff verloren, hatte Zazenhausen die Oberhand und wir großes Glück bei einem Pfostenschuss und einer Klärung in höchster Not“, hat denn auch Damnig erkannt. Wobei für den Talkrabben-Coach der Sieg in Ordnung geht, hätten die Seinen doch vor der Pause nach vergebenen Chancen von Eric Gursch, Luca Lombardi und Mergon Ramaj doch höher als 1:0 führen können. Besagten Treffer besorgte Letzterer nach schöner Ablage von Danny-Shane Jarominiak bereits nach zehn Minuten. Der Bezirksliga-Absteiger rangiert damit weiter drei Punkte hinter dem Tabellenführer Beograd und Damnig weiß: „Wir haben die Züge einer Spitzenmannschaft angenommen, da gewinnt man dann auch mal enge Spiele mit etwas Glück.“

Tore: 1:0 Ramaj (10.). Besonderes:

TSV Mühlhausen – TSV Münster 1:2

Zwei Mannschaften, zwei unterschiedliche Sichtweisen. Während Mühlhausens Trainer Armend Mehmeti von einem „glücklichen Gästesieg“ spricht, spricht Münsters Abteilungsleiter Benjamin Beck von einem „Arbeitssieg, der aber nicht unverdient war“. Mehmeti trauert der ein oder anderen Chance nach, speziell nach der eigenen Führung von Marco Ludica (35.) und dem Gegentreffer von Florian Reu (38.) aus dem Getümmel heraus im Anschluss an einen Eckball. Christos Koutretsis hatte die Großchance zur erneuten Führung, fand aber in Laurin Quast, der „ganz stark reagierte“, so Mehmeti, seinen Meister. Mit Folgen. Kurz danach nahm Münsters Kapitän Daniel Weiß einen langen Ball auf und lupfte diesen nicht nur zum 2:1-Pausenstand, sondern letztlich auch zum Siegtreffer über Schlussmann Christian Tadic ins Netz. „Im zweiten Abschnitt war es nicht mehr schön, was wir gezeigt haben, wobei die Jungs aber auch nichts zugelassen haben“, konstatiert Beck. Und zumindest in diesem Punkt herrscht Einigkeit. „Wir haben zwar viel versucht, aber ohne uns wirklich gefährliche Aktionen zu erarbeiten“, sagt Mehmeti. Münster bleibt der Spitze damit bis auf drei Zähler auf den Fersen und „ist absolut im Soll“, bestätigt Beck. Mühlhausen rangiert weiter mit nur zwei Zählern Vorsprung auf den Relegationsrang auf Tabellenplatz zwölf.

Tore: 1:0 Ludica (35.), 1:1 Reu (38.), 2:1 Weiß (45. + 2). Besonderes:

 SV Prag Stuttgart – TSV Weilimdorf II 0:3

Die Verbandsliga-Reserve des TSV Weilimdorf feierte den dritten Sieg in Serie und steht mit 19 Punkten im gesicherten Mittelfeld. „Für einen Aufsteiger, der sonst immer eine Fahrstuhlmannschaft war, machen wir das bislang sehr, sehr ordentlich“, sagt der Weilimdorfer Coach Jürgen Zeyer. Wobei das 3:0 der Seinen klarer klingt, als es auf dem Platz laut Zeyer tatsächlich war: „Für mich ist Prag eine der bisher spielstärksten Mannschaften, wir mussten sehr viel Energie aufbringen, um zu gewinnen.“ Aus einer insgesamt kampfstarken Mannschaft ragte Torhüter Andreas Moderau heraus. „Er hat mehrmals stark pariert, unter anderem kurz vor der Pause einen Elfmeter abgewehrt.“ Dies hatte zur Folge, dass die Gäste nach den Toren von Dennis Windhager und Yutaro Takasaki mit mehr Luft in die Pause gehen konnten. Nach 67 Minuten sorgte dann Dominik Hordes für die endgültige Entscheidung. Über die „Blumen“ des Gegners freut sich Prags Trainer Frederik Bruder zwar, weiß aber auch, dass „wir uns davon nichts kaufen können, wir letztlich frustriert und auch mit einigen Fragezeichen vom Platz gegangen sind.“ Fragezeichen deshalb, weil die Seinen sehr gut im Spiel gewesen seien, aber trotz vieler Chancen „ohne Tor geblieben und mit einer sehr hohen Niederlage vom Feld“ geschlichen sind. Die Prager stehen auf dem elften Tabellenplatz, haben noch sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.

Tore: 0:1 Windhager (17.), 0:2 Takasaki (26.), 0:3 Hordes (67.).

Besonderes: Weilimdorfs Torhüter Moderau pariert Foulelfmeter von Ruoff (40.), Gelb-Rote Karte für Prags Torhüter Brunner (86.).

TSV Uhlbach – SportKultur Stuttgart 4:1

Joker-Tore sind ja keine Seltenheit im Fußball. Doch, dass gleich vier Tore von drei verschiedenen Nachrückern erzielt werden, durchaus. Verantwortlich dafür zeichnet Uhlbachs Spielertrainer Joshua Menger. Dieser brachte nach 58 Minuten Janitz Wörner Alvarez in die Partie, fünf Minuten später seinen Trainer-Vorgänger Tim Wagner und sich selbst aufs Feld. Die Kehrtwende der Partie zum Leidwesen der Gäste von der SportKultur. Diese führten nämlich „nach einem ausgeglichenen Spiel und einer ausgeglichenen Zahl an Chancen in Hälfte eins “, so Gästecoach Ender Memer, mit 1:0 durch das Premiere-Tor des 18-jährigen Samuele Sciangula und setzten bis zur 73. Minute noch zwei Bälle – die Absender waren Kapitän Mert Sönmez und Stürmer Zeynel Kavraz – gegen die Latte. Dann folgten die Horrorminuten für die SportKultur und die Neuankömmlinge schlugen zu. Erst Wörner Alvarez, dann zweimal Menger (79./87.) und in der Nachspielzeit noch Wagner. Die Götzenberg-Kicker feierten, die Gäste waren bedient, wobei Memer einräumt: „Wir verpassten es, auf 2:0 zu erhöhen und wurden dann bestraft. Uhlbach war in den letzten 20 Minuten bärenstark.“ Und was sagt der Uhlbacher Trainer zu seinem Händchen? „Pures Glück natürlich. Die Neuen haben nochmal frischen, entscheidenden Wind in die Partie gebracht, während ich den Eindruck hatte, dass der SportKultur immer mehr die Puste ausgegangen ist.“

Tore: 0:1 Sciangula (45. + 3), 1:1 Wörner Alvarez (73.), 2:1 Menger (79.), 3:1 Menger (79.), 4:1 Wagner (90. +1).

Besonderes:

TB Untertürkheim – SG West 1:4

Erneute Ernüchterung auf der einen Seite, großer Jubel und Erleichterung auf der anderen. Während das Schlusslicht TB Untertürkheim auch das dritte Spiel unter der Leitung des neuen Trainers Michael Kienzle verloren hat, konnte die SG West den Negativlauf von vier Pleiten am Stück beenden. „Alle sind erleichtert, der Druck war hoch, doch die Jungs haben das sehr gut gemacht auf dem kleinen, engen Kunstrasen“, sagt der West-Spielertrainer Benedikt Groos. Der Sieg der Seinen sei verdient gewesen, habe man in Summe doch mehr Möglichkeiten gehabt, unter anderem Nico Müller in Abschnitt eins einen Freistoß ans Aluminium gesetzt und sei Jonathan Derichs zweimal im Eins-gegen-Eins an TBU-Keeper Vito Gaeta gescheitert. Mit Einschränkung spricht auch TBU-Kapitän Marvin Wolf von einem verdienten Gästesieg, wobei „wir unmittelbar vor dem 0:1 in Führung hätten gehen können“. Yannick Riess-Morales scheiterte frei vor dem Tor an Keeper Matthias Schnitzler. Es folgten zwei Unachtsamkeiten des TBU in der 76. und 81. Minute und es hieß 2:0 für die Gästen – beides Mal hieß der Torschütze Moritz Aichele. Zwei besondere Treffer für den Doppelpacker und dies aus mehrerer Hinsicht. Dieser wechselte im Sommer aus Freiburg nach West, wechselte auch das Torhüter-Trikot mit dem des Feldspielers und erzielte seine beiden ersten Treffer für das Team von Benedikt Goos, von dem es auch ein Sonderlob gab: „Er macht seine Sache auf dem Feld auch sehr gut.“ Durch war die Partie aber noch nicht. Nur eine Minute später gelang Michael Höschele nach Vorlage von Wolf der Anschluss. „Wir haben dann natürlich alles auf eine Karte gesetzt, aber wieder einmal brachte es nicht den erhofften Erfolg“, so Wolf. Im Gegenteil. Luis Henke und Jannik Sulz, ebenfalls mit der diesjährigen Torpremiere, trafen noch in der Nachspielzeit.

 Tore: 0:1 Aichele (76.), 0:2 Aichele (81.), 1:2 Michael Höschele (82.), 1:3 Henke (90. + 2), 1:4 Sulz (90. + 4).

Besonderes:

SSV Zuffenhausen – SC Stammheim 9:0

Einen entspannten Nachmittag erlebten die Spieler samt Fans des SSV Zuffenhausen. „Nur in den ersten fünf Minuten mussten wir uns wehren, spätestens nach dem 2:0 hatten wir komplett leichtes Spiel“, sagt der SSV -Spielertrainer Nevzat Dursun, der einst fünf Jahre lang in Diensten der Stammheimer stand. Mann des Spiels auf Gastgeberseite war Dennis Klose, der den Fünferpack schnürte. Insgesamt war die Partie äußerst fair, die Karten blieben die gesamte Spielzeit über in des Schiedsrichters Taschen.

Tore: 1:0 Klose (5.), 2:0 Klose (7.), 3:0 Yilmaz (14.), 4:0 Klose (28.), 5:0 Yalman (43.), 6:0 Klose (45.), 7:0 Klose (60.), 8:0 Weinmann (79.), 9:0 Fall (87.).

Besonderes: