Spannende Spiele und packende Zweikämpfe gab es auch am 20. Spieltag der Kreisliga A. Foto: IMAGO/Maximilian Koch

Der Tabellenführer und der Verfolger kommen über ein Remis nicht hinaus. Derweil sorgt ein kurioser Handelfmeter bei Mühlhausen gegen Feuerbach für Gesprächsstoff.

Am 20. Spieltag der Staffel 1 der Kreisliga A Stuttgart/Böblingen wird im Tabellenkeller mächtig gepunktet, ärgert der TB Untertürkheim das Team von der anderen Seite des Württembergs und sorgt Shkemb Miftari für das Ausrufezeichen schlechthin.

 

SSV Zuffenhausen – OFK Beograd Stuttgart 1:1

Auch wenn das Ergebnis nicht das ist, was der Spitzenreiter Beograd erwartet hat, kann Trainer Ratko Milic dem Ganzen doch etwas Positives abgewinnen: „Hauptsache nicht verloren“, sagt er. Wobei dem Übungsleiter durchaus bewusst war, dass es Spiele geben wird, bei dem sein Team nicht bei 100 Prozent sein werde, auch das Spielglück fehle. „So eines hatten wir eben an diesem Spieltag“, konstatiert Milic. Sein Gegenüber Nevzat Dursun hat indes „keinen Unterschied zwischen Spitzenreiter und Tabellenachtem“ ausmachen können, richtet ein Lob an seine Mannschaft: „Da stand eine Einheit auf dem Platz, wo jeder für jeden gekämpft hat“. Ein Extralob gibt’s zudem für Barjalei Khostwal. Der Spielertrainer der eigenen Zweiten – aus seinem Team unterstützten noch Pedro Loureiro (Startelf) und Martin Mataija (eingewechselt) den Zuffenhausener Erstverbund – spielte Innenverteidiger und „war der beste Mann auf dem Platz, hat Beograds Torjäger Nikola Lakovic keinen Stich gelassen“, so Dursun. Und dennoch trug sich der beste Torschütze der Liga in die Trefferliste ein: Per Foulelfmeter traf Lakovic zum 1:1-Endstand. Die Gäste hatte Erdem Akcan in Führung gebracht.

Für Milic ist das „Remis dem Spielverlauf entsprechend“, während Dursun der ein oder anderen vergebenen Chance nachtrauert. Vor allem in der Schlussphase. Da schoss Kapitän Max Weinmann an den Innenpfosten und David Ivan „hämmerte den Ball mit 100 Km/h über das leere Tor“, bedauert der Zuffenhausener Coach.

Tore: 1:0 Akcan (11.), 1:1 Lakovic (58., Foulelfmeter).

Besonderes: –

TSV Münster – TV89 Zuffenhausen 3:3

Der Tabellenzweite aus Münster hat den Patzer von Spitzenreiter Beograd nicht ausgenutzt. Ein Sieg der Grünhemden und sie hätten aufgrund des Torverhältnisses den Tabellenthron erklimmen können. Dabei hatten sie alle Trümpfe in der Hand. Nach 19 Minuten ein Mann mehr auf dem Feld – Zuffenhausens Ekrem Sahin sah nach einer Notbremse zurecht die Rote Karte – zudem nach 62 Minuten eine 3:1-Führung. Zweimal traf Marko Sorgic, einmal Marko Markovic. Beide standen in der vergangenen Saison noch in den Diensten der Gegenseite. „Wir haben vor allem in der ersten Hälfte verpasst, mehr Tore zu schießen, Chancen gab es dazu, auch hochkarätige“, sagt der Münsterer Coach Angelo Nigro. Und nach der 3:1-Führung habe seine Mannschaft wohl geglaubt, das war es, die drei Punkte sind eingefahren. Denn: „Plötzlich haben sie mit Fußballspielen aufgehört und die nie aufgebenden Gäste fanden ins Spiel zurück.“ Ein Fehler, denn die Zuffenhausener haben in der Rückrunde ihre Comeback-Qualitäten mehrmals bewiesen. Gegen die SportKultur und gegen Feuerbach lag das Team in den Spielen zuvor jeweils zurück und verließ jeweils den Platz noch als Sieger. Dementsprechend sagt TVZ-Coach Umut Yürük: „Trotz Unterzahl wusste ich zu jeder Zeit, dass wir was holen können“. Die Mannschaft gebe nie auf, Respekt vor ihr, legt der Coach nach, der sich im zweiten Abschnitt selbst aufs Feld brachte. Bei aller Freude ärgert ihn aber eine Sache: Erst ein Rückstand sei aktuell nötig, damit man aufwache und ins Spiel finden würde. „Das können wir uns sparen.“ Mann des Tages auf Gästeseite war Doppelpacker Anwar Moutot. Beim wichtigen 1:1-Ausgleich noch vor dem Pausenpfiff „ist er aus unserer Hälfte losmarschiert, ließ sich nicht aufhalten und schloss erfolgreich ab“. Auch Münsters Coach Nigro sagt anerkennend: „Der war brutal gut, ein echter Unterschiedsspieler. Ihn haben wir einfach nicht verteidigt bekommen.“

Tore: 1:0 Sorgic (38.). 1:1 Anwar Moutat (45.), 2:1 Markovic (50.), 3:1 Sorgic (62.), 3:2 Nallinger (69.), 3:3 Anwar Moutat (88.).

Besonderes: Rote Karte für Zuffenhausens Sahin (19./Notbremse).

SC Stammheim – Türkspor Stuttgart 2:14

„Wir sind wieder frischer und freier im Kopf, die Partie war schön anzuschauen“, sagt Türkspor-Coach Memik Erdogan, der aber betont: „Stammheim ist nicht so schlecht wie es das Ergebnis ausdrückt, sie hatten auch noch vier, fünf hochkarätige Chancen.“ Aber sie haben eben keinen Ex-Profi in ihren Reihen, so wie ihn Türkspor in Shkemb Miftari hat. Dieser fiel bislang in allen Partie auf, doch am Sonntag setzte er gleich mehrere Ausrufezeichen. Ihm gelang ein Neunerpack garniert mit zwei lupenreinen Hattricks. Einer davon binnen sechs Minuten. Mittlerweile steht er bei 19 Toren aus fünf Spielen. Sein Ziel: „Zumindest meinen Mitspieler Emir Dogansoy zu übertreffen, das habe ich ihm auch gesagt“, erzählte Miftari im Gespräch mit unserer Zeitung. Dogansoy machte gegen Stammheim sein drittes Spiel nach einer langwierigen Knieverletzung und hat seinen Zähler von 23 auf 25 hochgeschraubt. Damit belegt er (noch) Platz zwei in der Staffelschützenliste. Zudem trafen für die Gäste noch Blendi Muji, Ugur Capar und Elmedin Sovtic. Für das tapfere Schlusslicht betrieben Kevin Rupp und Torjäger Nikitas Skordoulis Ergebniskosmetik.

Freudig nahm Türkspor auch Notiz von den Patzern von Spitzenreiter Beograd und dem Vize Münster. Somit beträgt der Abstand noch acht beziehungsweise sechs Zähler. „Auch sie lassen immer wieder was liegen, deshalb müssen wir unsere Hausaufgaben machen, dann können wir noch ins Aufstiegsrennen mit eingreifen.“

Tore 0:1 Miftari (1.), 0:2 Miftari (7.), 0:3 0:1 Miftari (21.), 0:4 Muji (26.), 0:5 Miftari (36.), 0:7 Miftari (39./Foulelfmeter), 0:8 Miftari (42.), 0:9 Capar (55.), 0:10 Sovtic (71.), 0:11 Dogansoy (76.), 0;12 Dogansoy (78.), 1:12 Rupp (82.), 1:13 Miftari (89.), 1:14 Miftari (90. + 1), 2:14 Skordoulis (90. +3).

Besonderes: –

TSV Weilimdorf II – SG Stuttgart-West 4:1

„Bei uns ist aktuell richtig der Wurm drin“, sagt Wests Spielertrainer Benedikt Goos nach der dritten Niederlage in Serie. Dabei habe sein Team ganz ordentlich begonnen, aber durch Luis Henke die Großchance zur Führung liegen gelassen. Dann lief es, wie häufig in jüngster Vergangenheit. Im Gegenzug ein kapitaler Bock, als ein Verteidiger am eigenen Strafraum zum Solo ansetzte, der „Weilimdorfer Angreifer ihm aber den Ball wegschnappte und zur Führung traf“. Torschütze war Sascha Kraft. Davon erholten sich die Gäste nicht wirklich und Weilimdorfs Yutaro Takasaki erhöhte nach der Pause. Spielertrainer Goos war höchstpersönlich am gegnerischen 3:0 mitbeteiligt, er lenkte einen Schuss ins eigene Tor. Erneut Takasaki erhöhte für die Verbandsliga-Reserve auf 4:0, ehe Denis Schmidt noch der Ehrentreffer gelang.

Abhaken und im Kollektiv den Bock umstoßen, so die Devise Goos’ für die kommenden Aufgaben.

Tore: 1:0 Kraft (17.), 2:0 Takasaki (67.), 3:0 Goos (70. Eigentor), 4:0 Takasaki (76.), 4:1 Schmidt (89.).

Besonderes: –

SportKultur Stuttgart – TV Zazenhausen 0:2

Zazenhausens Coach Stefan Schuon ordnet die Partie wie folgt ein: „Abstiegskampf pur, mit hoher Intensität, vielen harten, aber nicht unfairen Zweikämpfen, aus denen sein Team vor allem im ersten Abschnitt meist als Verlierer hervorgegangen sei. Zudem spricht er von einer glücklichen 1:0-Pausenführung der Seinen. Ein Geistesblitz des Duos Fidan Ademaj und Marvin Kellner – Letzterer vollendete – sei dafür verantwortlich gewesen. Zudem ein sehr gut aufgelegter Johann Renner im Zazenhausener Tor, „der zweimal überragend gehalten hat“, so Schuon. Sein Überungleiterkollege Ender Mermer kann dem nur teilweise zustimmen. Er sah von seinem Team kein Kampfspiel, sondern „eines mit vielen geglückten Spielzügen und deutlich mehr Torchancen“. Jedoch Woche für Woche das gleiche Spiel. „Wir treffen einfach nicht. Was nur den Abschluss anbelangt, stehen wir zurecht auf dem vorletzten Tabellenplatz“, konstatiert Mermer. Der Rest sei deutlich konkurrenzfähiger.

Erfreut war Schuon dann vom zweiten Abschnitt. „Da haben wir es besser gemacht und uns durchaus auch Chancen erspielt.“ Sören Frank erhöhte auf 2:0, ließ aber per Foulelfmeter das 3:0 liegen – er scheiterte an SportKultur-Keeper Fabio la Torre. „Zazenhausen verfügt über eine gnadenlose Effizienz, die haben wir eben nicht. Das ist der große Unterschied“, so Mermer.

Tore: 0:1 Kellner (43.), 0:2 Frank (58.).

Besonderes: Zazenhausens Frank scheitert per Foulelfmeter an Fabio la Torre (71.)

TSV Uhlbach – TB Untertürkheim 2:4

In der Vorrunde triumphierten die Götzenberg-Kicker noch mit 7:1 am Gehrenwald, dieses Mal ging das Lokalderby zugunsten der Untertürkheimer aus. Das TBU-Team sei nicht mehr mit dem der Vorrunde zu vergleichen, sei nun stärker, sagt Uhlbachs Spielertrainer Joshua Menger. Wobei er die Schuld für die Pleite in den eigenen Reihen sucht. „Wir haben in der ersten Hälfte zu viele Chancen verdattelt und dann mit zwei Fehlern dem TBU die Möglichkeit gegeben, ins Spiel zu finden, was sie durch ihr gutes Umschaltspiel denn auch genutzt haben“, so der spielende Uhlbacher Coach, der zwar selbst traf, für den aber die Partie aufgrund einer Ampelkarte in der 79. Minute vorzeitig beendet war. Sein Kommentar zur Platzverweis-Situation: „Ich bin nicht clever genug gewesen.“ Auch TBU-Coach Michael Kienzle, der nach zehn Punkten aus den vergangenen fünf Spielen im Abstiegskampf wieder Hoffnung geschöpft hat, sah die Uhlbacher vor der Pause „stark mit so manchem glücklichen Moment für uns, während wir in der zweiten Hälfte besser im Spiel waren und auch nicht unverdient gewonnen haben“. Vor allem habe seine Mannschaft, anders als bei der chancenlosen 0:4-Vorwochen-Niederlage gegen Mühlhausen, wieder gekämpft: „Das ist die Grundvoraussetzung, sonst holen wir nichts“, weiß Kienzle. Zum Sieg haben Rene Schmitt, Michael Höschele und Doppelpacker Robin Wittmann eingenetzt. Die Uhlbacher brachte Jens Ersing bereits nach sechs Minuten in Führung.

Beim Blick auf die anderen Ergebnis war der TBU-Sieg überlebenswichtig. Bei einer Niederlage wäre der Relegationsplatz-Inhaber Mühlhausen bis auf neun Punkte weggezogen. Die Uhlbacher müssen indes nach drei Niederlage in Serie schleunigst wieder punkten. Die kritische Zone ist nur noch fünf Punkte entfernt.

Tore: 1:0 Ersing (6.), 1:1 Schmitt (26.), 1:2 Höschele, 1:3 Wittmann (58.), 1:4 Wittmann (67.), 2:4 Menger (67.).

Besonderes: Gelb-Rot für Uhlbachs Menger (79.).

SV Prag – SG Weilimdorf 1:4

Nach zwei Niederlagen in Serie sieht der Blick auf die Tabelle für den SV Prag allmählich etwas bedrohlich aus. Das Team von Trainer Frederik Bruder hat nur noch ein Polster von vier Zählern auf den kritischen Relegationsplatz. Panik? „Keineswegs“, bleibt Bruder gelassen, er vertraut auf die Fähigkeiten seiner Mannschaft. „Inklusive Weilimdorf haben wir drei der Top Vier in Folge gespielt und meine Mannschaft hat dabei sehr gut mitgehalten“, sagt Bruder. Aus diesem Grund sei ihm in Sachen Klassenverbleib auch nicht bange. „Nun folgen Gegner mit weniger Qualität.“

Zuversichtlich stimmt ihn zudem die erste Hälfte gegen Weilimdorf. Den besseren Start gehabt, die Führung verpasst und dann den Gegner zum Toreschießen eingeladen und unverdienten in Rückstand geraten“, bilanziert der Prag-Coach. Besagte Gästetore bis zur Pause erzielten erzielte Argon Gaxherri und Lino Glück. Durchgang zwei sei sein Team das schlechtere gewesen und so hätte man letztlich auch verdient verloren, konstatiert der Prag-Coach. Wobei, das schönste Tor des Tages gehörte den Hausherren in Person von Hugo Stojcic. Dieser schmiedete einen direkten Freistoß in den Winkel. Auch Weilimdorfs sportlicher Leiter Philip Balsios schwärmt vom Gastgeber-Freistoß und sagt lachend: „Einfach herrlich, er hat das Spinnennetz aus dem Knick geschossen.“

Derweil atmet der sportliche Leiter mächtig durch, weil ein Angstgegner keiner mehr ist. Zusammen mit Prag sind die Weilimdorfer nämlich vor zwei Spielzeiten aufgestiegen und haben bis Sonntag „alle drei Aufeinandertreffen verloren. Dieses Thema ist nun zum Glück keines mehr.“ Möglich machten dies ein weiteres Tor von Gaxherri sowie eines von Luxas Teixeira,

Tore: 0:1 Gaxherri (15.), 0:2 Glück (32.), 0:3 Teixeira (66.), 1:3 Stojcic (73.), 1:4 Gaxherri (90. + 2).

Besonderes: –

TSV Mühlhausen – Sportvg Feuerbach 2:1

Der Hauptdarsteller der Nachspielzeit war der Feuerbacher Verteidiger Moise Nyamuisi. In der zweiten Nachschlag-Minute ließ sich dieser feiern, traf zum 1:1 für die Gäste. Zwei Minuten später verstand er die Welt nicht mehr. Er streifte den Ball bewusst mit der Hand, weil er diesen im Aus sah und wollte ihn dadurch zu seinem Torhüter befördern, um umgehend einen Abstoß machen zu können. Vorausgegangen war eine Grätschaktion des Mühlhauseren Kapitäns Arber Bylykbashi, der den Ball dadurch an der Grundlinie im Spiel halten wollte. Plötzlich ertönte der Pfiff des Schiedsrichter – die Entscheidung lautete Hand und Elfmeter für die Gastgeber. „Unglaublich“, schimpft Feuerbachs Coach Sven Damnig, sowohl „Moise als auch unser Torhüter Luca Engel haben mir versichert, dass der Ball im Aus war.“ Mühlhausens Trainer Armend Mehmeti kann das nicht bestätigen: „Ich war zu weit weg, um das zu beurteilen, aber der Schiedsrichter hat weiterspielen lassen, darauf muss man sich einstellen.“

„Grätschenmann“ Bylykbashi verwandelte denn auch den Elfmeter zum 2:1-Siegtor der Gastgeber. „Zwar glücklich, aber hoch verdient, schließlich ging unser Matchplan voll auf, war mein Team taktisch, kämpferisch und läuferisch große Klasse, hat kaum was zugelassen und hatte die besseren Chancen“, so Mehmeti. Die seinen gingen kurz nach der Pause durch einen abgefälschten 35-Meter-Freistoß von Kevin Krewenka in Führung.

Ganz so deutlich wie Mehmeti hat Damnig indes die Kräfteverhältnisse auf dem Feld nicht gesehen: „Wir sind derzeit verunsichert, sind mit dem Mann-gegen-Mann-Spiel der Mühlhausener über das gesamte Feld in der esten Hälfte nicht zurecht gekommen und hatten zweimal großes Glück, bis zur Pause nicht zurückzuliegen“, sagt er. Anders dann nach der Pause. „Da haben wir uns darauf eingestellt, gut mitgespielt und auch Chancen gehabt.“

Für Mühlhausen, das weiterhin auf dem Relegationsplatz steht, war der zweite Sieg in Serie wichtig, haben doch einige andere Teams im Tabellenkeller ebenfalls gepunktet. Bei den mit Ambitionen in die Runde gestarteten Feuerbachern scheint ob der Perspektivlosigkeit langsam die Luft raus zu sein – die Damnig-Truppe rangiert im gesicherten Mittelfeld auf Rang sieben.

Tore: 1:0 Krewenka (47.), 1:1 Nyamuisi (90. + 2), 2:1 Bytyci (90. + 4/Handelfmeter).

Besonders: –