Lang ist’s her: Marko Markovic im Trikot des VfB. Nun heißt seine neue Station TV 89 Zuffenhausen. Foto: Archiv Baumann/Julia Rahn

Teil drei zur Staffel 1: TV 89 Zuffenhausen, SSV Zuffenhausen und TSV Uhlbach. Während sich der eine Zuffenhausener Verein mit zwei ehemaligen Spielern des VfB Stuttgart verstärkt, geht es beim anderen drunter und drüber. Ganz anders die Kollegen aus Uhlbach, die ihren Ruf als Familienverein festigen.

Der Countdown läuft, die Vorfreude steigt. Am 1. September beginnt in der Staffel 1 der Fußball-Kreisliga A die neue Saison. Bis dahin blicken wir auf die Ausgangslage bei den 16 Mannschaften. Was ist auf dem Transfermarkt passiert, wie lief die Vorbereitung, und wer hat welche Ziele? Heute in unserem dritten Teil: TV 89 Zuffenhausen, SSV Zuffenhausen und TSV Uhlbach.

 

TV 89 Zuffenhausen

Die vergangene Saison hat der TV 89 Zuffenhausen als guter Vierter abgeschlossen, in diesem Transfersommer verstärkte man sich unter anderem mit den höherklassig erprobten Ali Erne und Marko Markovic, die einst in der Jugend des VfB Stuttgart kickten, sowie dem bisherigen Stammheimer Bezirksliga-Torjäger Sergio Mavinga. Prompt werden die Nord-Stuttgarter von manchen Konkurrenten zu den Favoriten auf den Meistertitel gezählt. Nicht nur das. Auch das von der eigenen Abteilungsleitung formulierte Saisonziel lautet kurz und knapp: Aufstieg.

Der Trainer Yavuz Tepegöz will davon jedoch (noch) nichts wissen: „Das ist bei Ali und Marko sechs, sieben Jahre her; die kommen nicht direkt aus der Regionalliga“, sagt er. Jetzt gelte es zunächst einmal, „das Team zusammenzuschweißen, erst in der Rückrunde können wir vielleicht über solche Dinge reden“.

Die Vorbereitung war durchwachsen. Es gab mehrere Unentschieden, Siege fuhr man zum Beispiel gegen den Bezirksligisten SV Pattonville (3:1) und den B-Kreisligisten TSV Korntal (4:3) ein. Zu verkraften haben die Zuffenhausener den Abgang von Daniel Spiegelhalter, der jetzt beim Landesligisten TV Pflugfelden spielt. Sportlich sei das natürlich ein Verlust, vor allem aber auch aus menschlicher Sicht. „Wenn bei uns einer geht, dann ist es nicht so, dass ein Spieler geht, sondern ein Kumpel“, sagt Tepegöz. Dazu passt auch eine andere Einstellung von ihm: „Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber es geht vor allem um Zusammenhalt und eine gute Zeit mit den Jungs.“ Schließlich sei es immer noch Amateurfußball. Die Entwicklung bei manchem Konkurrenten kann er daher nicht ganz nachvollziehen – so auch den Totalumbruch beim Ortsnachbarn SSV. „Was die da veranstalten, das ist nicht meine Art. Aber das ist ihre Sache“, sagt der 43-Jährige, der sich gleichwohl auf die beiden Derbys freut. Stattfinden werden diese am 3. November und am 18. Mai.

Zugänge: Mateo Prajo, Flavio Galluccio, Julian Schumann (alle SV Rot), Sergio Mavinga (SC Stammheim), Philipp Linhart (TSV Birkach), Ali Erne (pausierte/zuletzt Türkspor Stuttgart), Marko Markovic (pausierte/zuletzt Türkspor Neckarsulm), Dani Mardini (TSV Heubach).

Abgänge: Daniel Spiegelhalter (TV Pflugfelden), Lukas Pohle (Fußballpause), Arlind Tuzi (SC Stammheim), Mehmet Kuzu (SSV Zuffenhausen).

Trainer: Yavuz Tepegöz (seit Juli 2023).

Spielstätte: Lange Allee 11, 70435 Stuttgart.

Saisonziel: Aufstieg (Platzierung in der vergangenen Saison: 4.).

Meistertipp: ASV Botnang, Türkspor Stuttgart, TV 89 Zuffenhausen.

Auftaktspiel: zuhause gegen TSV Mühlhausen (Sonntag, 1. September, 15 Uhr).

SSV Zuffenhausen

Der bisherige Sommer des SSV Zuffenhausen steht ganz im Zeichen des Umbruchs. Interne Turbulenzen hatten am Ende der vergangenen Saison für einen enormen Spielerschwund gesorgt, trotz eines ordentlichen sechsten Platzes. Die Nachbeben bekommt nun der Neu-Trainer Erhan Atici zu spüren, der seit Juli im Amt ist. „Es ist krass. Wir haben einen nahezu komplett neuen Kader“, sagt der 46-Jährige, „wir haben mehr als 20 neue Spieler, nur fünf sind geblieben.“Wobei Atici aus einem kein Geheimnis macht: „Der Umbruch war nicht freiwillig, Das hat vergangene Saison nicht so funktioniert, wie sich das die Verantwortlichen vorgestellt haben.“ Die Stimmung im Team sei schlecht gewesen, auch finanziell gab es Probleme. Einzelne Spieler hätten Geld erhalten – was es nun laut Atici im Verein nicht mehr geben wird.

Wo die Mannschaft nach der chaotischen Vorbereitung steht, sei schwer zu sagen. „Wir sind alle Optimisten, wir träumen alle. Aber realistisch gesehen, ist das natürlich brutal“, sagt der Trainer, der immerhin auf sieben Miteinsteiger von seinem Ex-Verein SC Stammheim bauen kann, darunter bisherige Bezirksliga-Leistungsträger wie der Außenbahnakteur Dielyani Fall oder der Angreifer Abdul Hakem Surasi Hamld. Mit einer Platzierung im oberen Mittelfeld, so wie zuletzt, wäre Atici sehr zufrieden. Jetzt gelte es aber erst einmal, die ganzen verschiedenen Charaktere im Team an Bord zu kriegen, den Rest müsse man abwarten.

Stunde Null also beim SSV. Aus dem Umbruch soll ein Aufbruch werden, nicht nur fußballerisch. Spielort der runderneuerten Mannschaft ist inzwischen wieder die altehrwürdige Bezirkssportanlage Schlotwiese, auf echtem Naturrasen. Atici erhofft sich davon größere Zuschauerzahlen und eine Stimmung wie zu besten Zeiten. „Wir wollen den Stadtteil wieder abholen, dass die Zuffenhausener wieder zuschauen kommen und wir einen attraktiven Fußball spielen“, sagt der Coach.

Zugänge: Marjan Tomasic (SV Pattonville), Marc Schuhmacher, Vojislav Jovanovic, Nevzat Dursun, Dieylani Fall, Abdul Hakem Surasi Hamld, Max Weinmann, Oliver Misiani (alle SC Stammheim), Youssef Khamassi (SG Untertürkheim), Samuel Kassaye (TSV Münster II), Enes Ergin, Abdulkadir Ergin (beide FC Stuttgart-Cannstatt), Florian Jörg (SG Stuttgart-West II), Joel Akuamoah (pausierte/zuletzt SC Stammheim II), Ronald Amakuah-Gyamfi (ASV Botnang II), Fahrettin Aycicek (pausierte/zuletzt TSV Oberbrüden), Kingsley Banseka (TSV Steinenbronn), Erhan Degirmenci (pausierte/zuletzt TDSV Kornwestheim), Selahattin Degirmenci (TSV Weilimdorf II), Mustafa Ergen (SV Özvatan Stuttgart), Jon Jakob Lauser (pausierte/zuletzt SV Friolzheim), Murat Yilmaz (pausierte/früher SSV Zuffenhausen), Mamid Reza Kolahi Azar (pausierte/früher TSV Plattenhardt), Armando Barbieri (pausierte/zuletzt TV 89 Zuffenhausen), Abel Gebrezghi (SV Fellbach II), Caner Ata.

Abgänge: Fabian Eichner (Trainer eigene zweite Mannschaft), Lars Müller (SGM Steinhaldenfeld/Max-Eyth-See), Enes Korkmaz, Erdem Akcan (beide Türkspor Stuttgart), Arif Akgün (Viktoria Backnang), Samir Camo (ABV Stuttgart), Dennis Karabulut, Marc Strohmaier (beide PSV Stuttgart), Nikola Kovacevic (OFK Beograd Stuttgart), Leon Gallenmiller (TSV Wernau), Admir Osmanovic (Omonia GFV Vaihingen), Mehmet Karakus (Spvgg Cannstatt), Christian Fajs (eigene zweite Mannschaft), Gabriel Antonesei (Karriereende/eigene AH), Tolga Soul (Co-Trainer TV Pflugfelden), Ivan Sudar (SV HNK Slaven Stuttgart), Laurentin Colompar (TSV Korntal), Rejhan Murati, Luca Gallenmiller, Albert Aliu, Onur Kutlu (bei allen Ziel unbekannt).

Trainer: Erhan Atici (MTV Ludwigsburg) für Armend Mehmeti (TSV Mühlhausen).

Spielstätte: Bezirkssportanlage Schlotwiese (Hirschsprungallee 18, 70435 Stuttgart).

Saisonziel: guten Fußball spielen; ein Mittelfeldplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 6.).

Meistertipp: Türkspor Stuttgart, OFK Beograd Stuttgart.

Auftaktspiel: auswärts bei SG Untertürkheim (Sonntag, 1. September, 15 Uhr).

TSV Uhlbach

So chaotisch es bei Teilen der Konkurrenz in diesem Sommer zugeht, so gewohnt harmonisch ist das Bild, das der TSV aus dem Stuttgarter 3000-Seelen-Stadtteil Uhlbach abgibt. Zwar befindet sich der Verein ebenfalls inmitten eines Umbruchs, bleibt seinem Ruf als „verschworener Haufen“ aber treu. Während fünf der sieben Abgänge in das eigene Ü-30-Team wechseln, füllt die nächste Generation mit sieben A-Junioren und drei Spielern aus der zweiten Uhlbacher Mannschaft die Reihen wieder auf.

„Man kann uns schon als eine Art Familienverein bezeichnen“, sagt der Spielertrainer Tim Wagner, der trotz seiner erst 26 Jahre der drittälteste Spieler im Kader ist. „Wir sind eine sehr junge Truppe, für viele ist es das erste Jahr bei den Aktiven.“ Auch deswegen macht Wagner keine gewagten Prognosen zum eigenen Abschneiden: Ziel sei ein einstelliger Tabellenplatz, vor allem aber soll der Generationenwechsel gelingen, danach sehe man weiter.

Die Stimmung ist nach einer Vorbereitung bislang ohne Niederlage gut. Unter anderem gewann man gegen die beiden A-Kreisligisten TSV Sechselberg (5:3) und TSV Nellmersbach (6:3). Wie ein Gegenentwurf zu Vereinen wie Türkspor Stuttgart erscheint die Uhlbacher Philosophie. Der erwähnte Kontrahent, zur Erläuterung, hat in der Vergangenheit immer wieder viel Geld in die Hand genommen und sich namhaft verstärkt. „Und wann hat es bei denen damit funktioniert?“, hält Wagner entgegen. Auf die Spiele gegen den Bezirksliga-Absteiger aus Cannstatt freut er sich besonders. „Am meisten Spaß macht es, gegen sie zu spielen und sie zu ärgern“, sagt der Coach und lacht.

Zugänge: Felix Kainz, Maximilian Kainz, Dominik Knezevic (alle eigene zweite Mannschaft), Noah Pilchowski, Janitz Wörner-Alvarez, Marius Herrling, Luca Schlotterbeck, Paris Kaisoudis, Shawn Ogayo, Patrik Knezevic (alle eigene Junioren).

Abgänge: Roman Bubeck, Florian Pachner, Pascal Kaiser, Jonas Hafenrichter, Patrick Feike (bei allen Karriereende/eigene AH), Nick Fröschle (Karriereende/nun Abteilungsleiter Wintersport im Verein), Luis Henke (TSV Münster).

Trainer: Tim Wagner (seit Juli 2023).

Spielstätte: Kufsteiner Straße 71, 70329 Stuttgart).

Saisonziel: ein einstelliger Tabellenplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 10.).

Meistertipp: ASV Botnang.

Auftaktspiel: zuhause gegen MTV Stuttgart II (Sonntag, 1. September, 15 Uhr).