Saisonstart in der Fußball-Landesliga, Staffel 1 Foto: Patricia Sigerist

Die Landesliga-Mannschaft des SV Fellbach kommt nicht gut in die Saison. Dafür gelingt Giuseppe Catizone in Gmünd ein entscheidender Volltreffer.

Fellbach - Die Landesliga-Fußballer des SV Fellbach haben beim TSV Münchingen gefällig begonnen; aber bald hat der kleinen Besuchergruppe aus Fellbach nicht mehr alles gefallen, was da am Sonntagabend zu sehen war. Schon gar nicht am Ende das Ergebnis – die Gäste sind zum Saisonstart mit einer 2:4-Niederlage vom Rasen geschlichen. „Wir haben unser Spiel gemacht, und die Münchinger haben auf Fehler gewartet“, sagt der stellvertretende Abteilungsleiter Jochen Pflüger. Das muss ja nicht schlecht sein. Ungeschickt allerdings, dass die Fellbacher dann auch bereitwillig Fehler eingestreut haben. Der japanische SVF-Schlussmann Yusaburo Matsuoka hätte das erste Gegentor von Roberto Ancona verhindern können. Der Kapitän Manuel Schmid, Benjamin Röseke und Brian Hof mann waren später an den Ballverlusten beteiligt, die gegen hartnäckige Widersacher zu den beiden nächsten Gegentreffern von Michele Ancona und Nico Klenk führten. Nach rund einer Stunde war die Partie quasi entschieden, für den SVF hatte bis dahin lediglich Gianluca Marsiglio getroffen. Der Torschütze hatte in der ersten Spielhälfte einmal noch in aussichtsreicher Position den Abschluss verpasst – wie auch Philipp Hörterich. Die Aktionen des TSV Münchingen waren zwingender. Den zwingendsten Eindruck beim Verlierer hinterließ noch Benjamin Röseke, unser Spieler des Tages. Im Gespräch war ein Wechsel nach oben in die Regionalliga, zum Berliner AK 07 oder zu Germania Halberstadt. Gelandet ist Jan Nagel, der vergangene Saison beim Fußball-Landesligisten SV Fellbach immer wieder mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machte, dann jedoch letztlich ganz unten – bei der SG Schorndorf (Kreisliga B). „Ich weiß auch nicht, was ich dazu sagen soll“, sagt der Fellbacher Trainer Markus Kärcher. „Er muss wohl ein Angebot bekommen haben, das er nicht ausschlagen konnte.“ Der 21-jährige Flügelflitzer folgte Zoran Cutura nach Schorndorf, mit dem er auch zusammen in einem Winterbacher Sportgeschäft arbeitet. „Das ist eben die Situation im Fußball. Ich finde es schon auch kurios, dass so ein Spieler in die Kreisliga B geht. Aber solange es Clubs gibt, die finanzielle Lockangebote machen können, hat man es schwer als Verein ohne diese finanziellen Möglichkeiten“, sagt Markus Kärcher. Die Fellbacher haben ihren Etat in diesem Sommer reduziert. Teuer wird es für den SVF angesichts entsprechender Prämien nur, wenn das Landesliga-Team wider Erwarten kaum einen Zähler abgeben sollte. „Wenn die Mannschaft keine 80 Punkte holt, passt es. Wobei sie dann so überragenden Fußball spielen müsste, dass uns die Zuschauer das Stadion einrennen – dann würde es auch wieder aufgehen“, sagt der SVF-Abteilungsleiter Mathias Fischer. Aber mit 80 Punkten ist nun ja – siehe auch die 2:4-Auftaktniederlage beim Verbandsliga-Absteiger TSV Münchingen – nicht zu rechnen. 69 Punkte haben dem zweiten Verbund der SG Sonnenhof Großaspach in der vergangenen Landesliga-Saison bequem zu Meistertitel und Aufstieg gereicht. Eine vergleichbare Vorstellungsreihe wird in der laufenden Runde der Neckarsulmer Sport-Union zugetraut. Zumal der eh schon starke Bewerber um die besseren Plätze, zuletzt auf Rang vier, mit einem von Markus Kärcher schon erwähnten Lockangebot Volkan Demir hinzugewinnen konnte. Jener nun 21-jährige Angreifer ist mit 30 Treffern der amtierende Torschützenkönig in der Landesliga, Staffel 1. Die 30 Tore hatte er für die TSG Öhringen erzielt, der er im Juli etwas überraschend abhandenkam. Davor hatte er nach Auskunft des Öhringer Trainers Martin Weiß „bei uns per Handschlag zugesagt“. Da traf es sich vielleicht ganz gut, dass Volkan Demir zum Saisonstart der Neckarsulmer Sport-Union Urlaubsvergnügungen vorzog – zum Saisonstart eben gegen die TSG Öhringen! Der erste Titelanwärter gewann sein erstes Spiel auch ohne den ersten Torjäger. Doch vor den ersten drei Punkten mussten die Neckarsulmer erheblichen Widerstand brechen. Alessandro Reinecke gelang am Samstagabend drei Minuten vor Spielende der 2:1-Siegtreffer. Fehlen nach Lage der Dinge noch 66 Punkte bis zur Nachfolge der SG Sonnenhof Großaspach II. Ganz vorne steht nach dem ersten Spieltag aber ein ganz anderes Team. Der FV Löchgau hat zum Landesliga-Auftakt am Samstag die Gäste der TSG Backnang nach Toren von Baris Tökmel (2), Salvatore Langella und Peter Wiens mit 4:0 besiegt. Das ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Zum einen blieb der FV Löchgau in unserer Umfrage nach den Meisterschaftstipps ligaweit ohne jede Erwähnung. Niemand wollte den Basisarbeitern, die am Samstag mit den A-Jugendlichen Fabian Kirsten und Kai Irrgang aufgelaufen sind, viel zutrauen. Zum anderen ist da der Gegner, dem fast alle viel zutrauen wollten. Doch jetzt haben eben jene Backnanger zur Premiere eine desolate Leistung geboten. Daran konnte auch Mario Marinic nichts ändern. Der passionierte Torjäger, früher beim TV Oeffingen und beim SV Fellbach allzeit treffsicher, war vor der Saison vom VfB Neckarrems in die Landesliga zur TSG Backnang gewechselt. Bei seinem neuen Verein erfuhr er jetzt erst einmal Ungewohntes; er blieb bedeutungslos. Bedeutungslos wie bezeichnend war auch eine Szene in der 75. Spielminute. Mario Marinic erzwang immerhin einen Elfmeter für die TSG. Doch Oguzhan Biyik scheiterte am Löchgauer Schlussmann Salvatore Rivarolo, und beim Nachschuss war Aljoschka Schäffner das leere Tor nicht leer genug. Der Titelanwärter ist jetzt erst mal Letzter.   Und noch ein Saisonstart – ein ganz geschmeidiger für Giuseppe Catizone. Der ehemalige Berufsfußballer aus Fellbach, der jetzt in Rommelshausen wohnt, hat mit dem Oberliga-Absteiger 1. FC Normannia Gmünd zum Verbandsliga-Einstieg am Sonntagabend gegen den Göppinger SV eher nicht mehr mit einem Sieg rechnen dürfen – bis zur 88. Minute. Dann hat Giuseppe Catizone den ersten Rückschlag der neuen Runde mit einem Volltreffer verhindert. Der 34-Jährige, der einst beim SV Fellbach mit dem Fußballspielen angefangen hatte, bekam beim Stand von 1:1 (Tore bis dahin: 1:0 Benjamino Molinari, 1:1 Lars Ruckh) nach einer Abwehraktion der Gäste vor dem Göppinger Strafraum den Ball. Er lief zwei, drei Meter. Und weil niemand so recht eingreifen wollte, hat der frühere Profi des VfB Stuttgart, seit 2007 bereits beim 1. FC Normannia Gmünd, kurz mal markant ins Spielgeschehen eingegriffen. Er hat den Ball vor den 400 Zuschauern aus 25 Metern halbhoch zum 2:1 ins Tor gedroschen – und damit auch sein unglücklich abgestiegenes Team zum glücklichen Erfolg im Derby. „Ich hab’ einfach gedacht, ich versuch’s mal. Aber bei solch einem Schuss braucht man halt auch Glück, da muss alles passen“, sagt Giuseppe Catizone.

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