Der Zufall des Terminplans will es so: An diesem Sonntag stehen in der Landesliga, Bezirksliga und Kreisliga A gleichzeitig Topduelle an. Ein Blick auf die Begegnungen TSV Bernhausen – TSV Weilimdorf, TSV Plattenhardt – SV Bonlanden und ASV Botnang – Türkspor Stuttgart.
Landesliga-Gipfelduell, Filderstädter Bezirksliga-Derby, Kreisliga-A-Showdown – der aktuelle Spieltag hat es in sich.
TSV Bernhausen – TSV Weilimdorf (Sonntag, 15.30 Uhr)
Wenn nicht jetzt, wann dann? Der TSV Bernhausen ist nach vier Siegen in Folge mit einem Torverhältnis von 18:1 das Team der Stunde in der Landesliga-Staffel 2. Und dennoch erfolgt von den Filderstädtern vor dem Spitzenspiel keine Kampfansage. Bei Roko Agatic, dem Trainer des Tabellendritten, überwiegt der Respekt vor dem Klassenprimus TSV Weilimdorf – vor allem vor dessen Offensivabteilung. „Geballte Power, schießen sie im Schnitt doch mehr als drei Tore pro Spiel“, weiß Agatic. Besonders treffsicher bei den Weilimdorfern: der Kapitän Bastian Joas mit 14 Saisontoren. Zwischen ihm und dem Bernhausener Spielführer Ivan Matanovic kommt es nun zum Torjägerduell. Letzterer hat exakt gleich oft eingenetzt.
Agatics Bedenken: wenn es denn nur bei dem einen gefährlichen Weilimdorfer Abschlussspezialisten bliebe. Doch weit gefehlt, da ist auch noch Riccardo Scarcelli. Dieser ist Joas auf den Fersen, stieg erst nach vier Spieltagen beim Spitzenreiter ein. Sein Zähler steht bei elf – davon viele wichtige und entscheidende Treffer. So zum Beispiel auch im turbulenten Hinspiel. Der Aufsteiger Bernhausen führte damals dreimal, ehe Scarcelli mit seinen beiden Premierentoren noch den 4:3-Sieg für die Nord-Stuttgarter herstellte.
An das Spiel kann sich Weilimdorfs Trainer Manuel Fischer noch gut erinnern, jedoch spielt es in seinen aktuellen Planungen keine Rolle mehr. „Andere Umstände, andere Verhältnisse“, sagt er und bleibt mit dem Fokus auf seiner Mannschaft. „Wir machen derzeit vieles richtig, sind in einer guten Ausgangslage und wollen gewinnen.“ Dass dafür eine starke Leistung nötig sein wird, steht für ihn außer Frage, schließlich sei der Gegner derzeit mit einer breiten Brust unterwegs. „Sie haben eine enorme Wucht, arbeiten engagiert gegen den Ball. Ich weiß aber auch, was mein Team kann“, sagt Fischer. Jenes tritt im Fleinsbachstadion nach jetzigem Stand nahezu vollzählig an, während die Gastgeber auf ihren bisher gut eingeschlagenen Winterzugang Bogdan Rangelov verzichten müssen. Der rechte Offensivspieler sitzt eine Gelb-Rot-Sperre ab.
Sein Coach Rokko Agatic sieht es gelassen, gleich mehrere Kandidaten stünden in der Warteschleife und würden auf ihren Einsatz brennen. Mit ein Grund, warum der Aufsteiger im Jahr 2025 bislang so beeindruckend auftritt. Anders als im Sommer seien in der Wintervorbereitung alle da und keiner im Urlaub gewesen. Nun sei jeder hungrig und fit. Dass sein TSV Bernhausen einen qualitativ starken Kader zur Verfügung hat, „das wusste ich bereits im Sommer“, sagt Agatic und freut sich ebenso wie Fischer auf das Spitzenspiel.
TSV Plattenhardt – SV Bonlanden (Sonntag, 15 Uhr)
So lernt man dazu. „Habe ich gar nicht gewusst“, räumt Carmine Napolitano lachend ein. Aber es sei ihm nachgesehen. Schließlich ist der Trainer des SV Bonlanden ein Neu-Filderstädter, quasi ein Reingeschmeckter. Wie sollte er sich da im Detail mit den städtegeschichtlichen Besonderheiten auskennen. Und so krass wie zu früheren Zeiten, als es bereits als gefühlter Tabubruch galt, wenn ein Plattenhardter bloß einen Fuß über die Bonlandener Grenzen setzte und umgekehrt, ist es ja zum Glück auch nicht mehr. Freilich, eine stets knisternde Rivalität zwischen den beiden Fußballvereinen ist geblieben. Das Derby, das hat nach wie vor seinen speziellen Reiz. Umso mehr, wenn die Tabellenkonstellation eine solch interessante ist wie dieses Mal.
Auf der einen Seite der TSV Plattenhardt, der zuletzt mit der Entschlossenheit eines Bulldozers den Weg bereitete, heuer seiner großen Titelfavoritenrolle gerecht zu werden. Von 19 Spielen unter ihrem Coach Slobodan Markovic haben die Weilerhau-Kicker nur eines verloren. Das Klassement führen sie mittlerweile mit acht Punkten Vorsprung an. „Ein jetziger Sieg wäre ein enorm wichtiger Schritt“, sagt der Abteilungsleiter Sascha Krammer. Auf der anderen Seite die Bonlandener, bei denen die Formkurve seit Napolitanos Amtsübernahme Ende Oktober einen bemerkenswerten Anstieg genommen hat. 15 Zähler trennten die Schwarz-Weißen zwischenzeitlich schon von Platz zwei, nun sind es gerade mal noch sechs. Gelingt am Ende gar die ganz große Aufholjagd? Napolitano sagt es so: „Im Moment sind wir Tabellenführer der Nichtabsteiger. Aber wer mich kennt, der weiß: Ich gehe nirgends hin und sage, ich will Neunter werden. Ich will immer nach oben.“ Der Hoffnungsfunke, wider alle ursprünglichen Erwartungen selbst noch in den Aufstiegskampf eingreifen zu können, ist allemal gezündet.
Entsprechend lautet Napolitanos Ankündigung: „Wir sind krasser Außenseiter, aber wir fahren dorthin, um unseren Fans einen schönen Tag zu bereiten.“ Sprich: „Um dort zu gewinnen.“ Stoppen müssten die Seinen hierfür die torhungrigste Offensive und knacken die beste Abwehr der Staffel. Auch in diesen beiden Rankings hat der Kontrahent Plattenhardt bislang die Maßstäbe gesetzt. Markovics Verdienst bei den Gastgebern: Anders als seinen Vorgängern ist es ihm gelungen, aus viel individueller Klasse ein funktionierendes Team zu formen. Im Konstrukt um Eckpfeiler wie den Ex-Profi und Trainerbruder Nemanja Markovic, Pierre Eiberger und den Torjäger Aristidis Perhanidis ist die mannschaftliche Geschlossenheit zur zusätzlichen Stärke geworden. Gutes Timing für die Plattenhardter, dass der Coach seinen Vertrag just in dieser Woche um ein Jahr verlängert hat.
Pikant: gleich vier Spieler aus dem Kader des Spitzenreiters (Gyselincks, Pein, Hornung, Zugac) treffen am Sonntag auf ihren Ex-Verein. So viel zum Thema „keinen Fuß über die Ortsgrenze setzen“.
Demgegenüber erklärt sich Napolitano den eigenen Aufschwung vor allem damit, dass wir „an ein paar Stellschrauben gedreht haben“. Die aus seiner Sicht wichtigste: den Ex-Futsal-Nationalspieler Jonathan Baur auf die Zehnerposition zu verschieben. Aber auch die nachträglichen Verpflichtungen Agonis Berisha (inzwischen 15 Saisontore) und Giancarlo Pinna (früher Regionalliga) schlugen ein.
Dass auch ihnen der Stallgeruch fehlt? Oder, genauer gesagt: die Derby-Prägung? Muss ja nichts heißen. Ein heißes Duell erwarten beide Seiten auch so.
ASV Botnang – Türkspor Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr)
Showdown in der Staffel 1 der Kreisliga A. Der zweitplatzierte ASV Botnang empfängt den ungeschlagenen Tabellenführer Türkspor Stuttgart. Nur drei Punkte trennen die beiden Teams – eine Folge aus dem Hinspiel, das für die Botnanger mit einer 1:5-Klatsche endete. Während sich das Spitzenduo seither im Fernduell einen heißen Kampf liefert, ist die restliche Konkurrenz bereits abgeschlagen. Praktisch klar ist: Einer der beiden wird direkt aufsteigen, dem anderen wird nur der Versuch über den Umweg „Relegation“ bleiben.
Mit einem Sieg würden die Gastgeber das Titelrennen erst richtig scharf machen. „Wenn wir verlieren, ist das Ding an der Spitze dagegen quasi entschieden“, sagt der Botnanger Trainer Alexander Schweizer. Seine Mannschaft würde in diesem Fall unfreiwillig ihren Ruf des ewigen Zweiten festigen. Die vergangenen drei Spielzeiten schlossen die West-Stuttgarter jeweils als Vize ab. „Türkspor ist der Favorit, aber wenn wir unsere Hausaufgaben machen, haben wir gute Karten“, schätzt Schweizer, der das Hinspielergebnis so nicht stehen lassen will.
Beim Gegner könnten derweil die personellen Vorzeichen bessere sein. Dem Türkspor-Trainer Memik Erdogan zufolge sind mehrere Stammkräfte verletzungsbedingt fraglich. Zudem dürfte den Seinen das Bezirkspokal-Viertelfinale von diesem Donnerstagabend beim TSV Kuppingen in den Knochen stecken. Nichtsdestotrotz ist Erdogan guter Dinge: „Wir reisen mit breiter Brust an“, sagt er.