Manuel Strobel trainiert seit Juli die Oberliga-Fußballerinnen des FSV Waldebene Stuttgart-Ost. An diesem Samstag geht es ins Spitzenspiel.
Die Balance zu finden zwischen Ergebnisdruck und Vermittlung der eigenen Vorstellungen von Fußball, in diesem Dilemma steckte Manuel Strobel zu Saisonbeginn. Gerade einmal ein Punkt stand für die Frauen des FSV Waldebene Stuttgart-Ost nach drei Oberliga-Spieltagen auf dem Konto. Doch der 32-jährige Trainer, der die Mannschaft in diesem Sommer übernommen hat, scheint mittlerweile den richtigen Dreh zu haben. Nach dem Leerlauf zum Auftakt schalteten die Waldebene-Fußballerinnen gleich mehrere Gänge hoch und haben acht Spiele in Serie – sechs Siege, zwei Remis – nicht mehr verloren. Die Folge: Platz drei, punktgleich mit dem Tabellenzweiten SV Hegnach und sieben Zähler hinter dem Klassenprimus Karlsruher SC II. Eben bei den Badenerinnen tritt Strobel mit den Seinen an diesem Samstag, 17.30 Uhr, zum Spitzen- und gleichzeitig ersten Rückrundenspiel an. Zudem ist es auch die letzte Partie vor der Winterpause.
Doch wie sieht sie aus, Strobels Philosophie? Er lege sehr viel Wert auf Leidenschaft, Einstellung und Mentalität, fordere ein, dass in jeden Zweikampf gegangen werde, als ob es der letzte sei, erklärt der Coach, der als Informatiker in Esslingen arbeitet und ursprünglich aus Giengen an der Brenz kommt. Was aber keineswegs bedeutet, dass er keinen Wert aufs Spielerische beziehungsweise eine attraktive Spielweise legt. Ganz im Gegenteil. Der defensive Gedanke sei zwar die Basis, wichtig sei ihm aber vor allem ein schön anzusehender, offensiver, zielstrebiger Fußball mit schnellem Spiel in die Spitze. „Das Ganze garniert mit permanentem Druck und Pressing“, sagt Strobel.
Und wie klappt es? Haben die Spielerinnen mittlerweile des Trainers Philosophie verinnerlicht? „Noch nicht ganz“, sagt der Strobel lachend, „aber sie befinden sich auf einem sehr guten Weg.“
Strobel selbst ist bis zu seinem 17. Lebensjahr dem runden Leder hinterhergerannt, machte dann mit dem aktiven Fußballspielen aufgrund mehrerer Verletzungen Schluss. Bereits seit er 14 Jahre alt war, stand er an der Außenlinie, trainierte seitdem unter anderem auch die Landesliga-Frauen des TSV Sondelfingen und zuletzt die U-17-Juniorinnen des SV Eutingen in der Oberliga. Danach wollte er eigentlich eine schöpferische Pause einlegen. Aber dann kam die Anfrage vom Waldebene-Spielleiter Florian Kapfer – und Strobel konnte nicht widerstehen. Denn die seit dieser Spielzeit bestehende Kooperation des Vereins mit den Stuttgarter Kickers sei „eine spannende Angelegenheit“. „Ich möchte mithelfen, langfristig eine gute Struktur aufzubauen und auch erfolgreichen Fußball zu präsentieren“, sagt Strobel. Dabei hat er aber nicht nur das Aushängeschild, seine Oberliga-Mannschaft, im Blick, vielmehr gelte es bereits die U 17 leistungstechnisch zu entwickeln und die Zweitvertretung auf ein bestimmtes Niveau zu bringen.
Die Sache mit dem erfolgreichen Fußball haben der Coach und seine Spielerinnen bereits jetzt in der eigenen Hand. Der Aufstieg in die Regionalliga ist keineswegs utopisch, Platz zwei könnte dafür reichen. Voraussetzung: Die Erstvertretung des Karlsruher SC, in der Regionalliga Fünfter mit fünf Punkten Rückstand auf die Spitze, vollbringt nicht noch eine Leistungsexplosion und holt sich den Titel. Stand jetzt ist der Weg für die Karlsruher Zweite blockiert. Sie kann selbst als Meister nicht aufsteigen. Bedeutet: „Wir haben die Chance zum Aufstieg, und wir wollen versuchen, diese zu nutzen“, so Strobel, der am Samstag drei Punkte anpeilt. Ebenfalls nicht utopisch. Im Hinspiel zum Saisonauftakt gab es zwar eine 0:1-Niederlage, doch sein Team sei besser gewesen, habe mehr Chancen gehabt, der KSC aber eine brutale Effizienz bewiesen.