Rani Khedira (rechts) legt sich in der Bundesliga für den 1. FC Augsburg Foto: dpa

Der tunesische Verband möchte Rani Khedira aus Oeffingen, der in der Bundesliga für den FC Augsburg spielt, als Nationalspieler zur Weltmeisterschaft 2018 nach Russland mitnehmen – doch der 23-Jährige will das in Ruhe überdenken.

Oeffingen - Der tunesische Fußball-Bundestrainer Nabil Maaloul hat kürzlich im nationalen Radio von Rani Khedira geschwärmt: „Er ist ein großartiger Mittelfeldspieler.“ Der 23-jährige Oeffinger, der in der Bundesliga für den FC Augsburg spielt, hat bestätigt, dass es eine offizielle Anfrage des tunesischen Fußball-Verbands gibt. Dessen Nationalteam wird nach einem Unentschieden im letzten Qualifikationsspiel gegen Libyen bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland am Start sein – am liebsten mit Rani Khedira. „Fakt ist, die Tunesier wollen“, sagt der jüngere Bruder von Weltmeister Sami Khedira. Ob Rani Khedira will, steht allerdings noch in den Sternen.

Der mittlere der drei Khedira-Brüder stand in der Saison 2015/2016 noch im Kader des Fußball-Landesligisten TV Oeffingen

Über das Angebot, bei der Weltmeisterschaft im Sommer unter der rot-weißen Flagge mit Halbmond und Stern aufzulaufen, hat sich Rani Khedira gefreut. Mit ihm die ganze Familie. Vater Lazhar, der vor rund 35 Jahren der Liebe wegen aus Tunesien nach Deutschland kam, Mutter Doris, die aus Oeffingen stammt, und natürlich auch Denny Khedira. Der mittlere der drei Khedira-Brüder stand in der Saison 2015/2016 noch im Kader des Fußball-Landesligisten TV Oeffingen. Doch die Kickstiefel hat er danach beiseitegelegt. Er konzentriert sich stattdessen – nach einem Abschluss als Jahresbester im Fach Management an der Universität Hohenheim – lieber auf die Belange der im Profifußball arrivierten Brüder. „Es zeigt eine große Wertschätzung“, sagt der 25-jährige Denny Khedira zum Angebot der Tunesier.

Vor zwei Jahren gab es bereits einmal eine vorsichtige Annäherung der Nordafrikaner an den im Schwabenland geborenen Deutsch-Tunesier. Damals schlug Rani Khedira, der in der U-15-Auswahl erstmals für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gespielt hatte, die Anfrage aus – mit Blick auf seinen großen Traum, einmal für die deutsche A-Nationalmannschaft aufzulaufen. „Ich fühle mich wohl im DFB, bin hier aufgewachsen und habe die Mentalität der Deutschen. Es gab nie den Gedanken, nach Tunesien zu gehen.“

Es muss Sinn für beide Seiten machen

Eine so deutliche Abfuhr hat es für den zweiten Anlauf der Tunesier bisher nicht gegeben. Und alle haben Verständnis, dass Rani Khedira in aller Ruhe überlegen will, bevor er eine so wichtige Entscheidung trifft. Schließlich würde sich der Deutsch-Tunesier mit dem ersten Spiel in der tunesischen Nationalmannschaft den Weg ins deutsche Team für alle Zeit versperren. Und da gibt es auch noch die sprachliche Hürde. „Fakt ist, ich spreche kein Arabisch, kein Französisch. Ich kenne kaum einen Spieler von da. Es ist etwas komplett anderes. Es muss Sinn für beide Seiten machen. Ich muss dem Land helfen können, das Land muss mir helfen können, und wenn das nicht gegeben ist, braucht man es nicht zu machen, weil es dann in die Hose geht“, sagt Rani Khedira. Er setzt ohnehin zurzeit andere Prioritäten. „Ich möchte erst einmal in der Bundesliga Fuß fassen und mich weiterentwickeln. Ich will mal die nächsten zehn Spiele spielen, und dann können wir uns irgendwann im Frühjahr zusammensetzen und gucken, ob es für beide Seiten passt.“

Für welchen Weg sich Rani Khedira entscheiden wird, ist offen

Nach einer harten Zeit bei RB Leipzig hat sich Rani Khedira, der zuvor beim VfB Stuttgart engagiert war, nach seinem Wechsel zum FC Augsburg in dieser Saison einen Stammplatz erkämpft. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass der FCA, derzeit auf dem achten Rang in der Bundesliga-Tabelle, eine gute Saison spielt. „Wir sind alle froh, wie es gerade bei ihm sportlich läuft. Rani hat seinen Platz gefunden“, sagt Denny Khedira. Dass er – wie sein älterer Bruder Sami Khedira – von Bundestrainer Joachim Löw für die Weltmeisterschaft in Russland nominiert wird, ist, Stand jetzt, ziemlich unwahrscheinlich. Mit Tunesien indes wäre der 23-Jährige wohl sicher dabei, wenn die besten Teams der Welt vom 14. Juni bis 15. Juli um den vergoldeten Pokal spielen. Michael Bren, der Abteilungsleiter der Oeffinger Fußballer, ist überzeugt, dass es keine einfache Entscheidung für den 23-Jährigen ist und er deswegen die Alternativen gut abwägen wird. „Ich freue mich aber vor allem, wie es für ihn in Augsburg läuft, wo er maßgeblichen Anteil am Erfolg hat.“

Für welchen Weg sich Rani Khedira entscheiden wird, ist offen. Noch ist Zeit bis zum Frühjahr. Während der kommenden Weihnachtstage, wenn die Familie in Oeffingen zum Feiern zusammenkommt, wird aber bestimmt im privaten Kreis das eine oder andere Mal über die Offerte aus Tunesien gesprochen werden. „Er wird sich sicher auch Rat holen, aber letztlich ist es seine Entscheidung“, sagt Denny Khedira.

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