Der TV Echterdingen verliert das Relegationsspiel gegen den Abstieg aus der Fußball-Verbandsliga mit 0:1– und darf dennoch bleiben.
Samstagnachmittag, 17.30 Uhr, Rasenplatz des TSV Weilimdorf, 1200 Zuschauer: Der Schiedsrichter Janik Wieland pfeift die Relegationspartie zwischen dem Verbandsligisten TV Echterdingen und dem Landesligisten VfR Heilbronn ab. Das Team sowie die Fans aus der Käthchen-Stadt sind aus dem Häuschen, feiern durch ihren 1:0-Erfolg den Aufstieg. Gleichzeitig sacken die Echterdinger Akteure zu Boden. So mancher starrt ins Leere, andere schlagen die Hände vor die Augen.
Dreieinhalb Stunden später, Rasenplatz im Sportpark Goldäcker – Stimmungswandel. Aus den „Weilimdorf-Frustrierten“ bricht plötzlich Jubel. Sie verfolgen, wie ausgerechnet der lange ungeliebte Platznachbar Calcio Leinfelden-Echterdingen sein Entscheidungsspiel zur Oberliga (siehe oben) gegen Auggen mit 2:1 gewinnt und damit doch noch den Verbandsliga-Platz des Ortsrivalen sichert.
„Ein finaler Tag mit Aufs und Abs – typisch für unser Wechselbad der Gefühle während der gesamten Saison“, sagt der Echterdinger Co-Trainer Valentin Haug, Den Dank für die Nachbarschaftshilfe gibt es nun auf ausländischem Terrain. Spontan nach dem finalen Samstagkrimi haben er, der Trainer Antonino Rizzo und der Torjäger Caglar Celiktas beschlossen, am Sonntagmorgen für einen Nacht nach Mallorca zu fliegen. Wen trift man da? „Klar, die Calcio-Jungs; das ein oder andere Getränk wird durchaus auf uns gehen“, merkt Haug lachend an.
Zugleich hat sich beim Filderteam der Glaube an den Fußball-Gott verstärkt. Rizzo beschwor diesen nach der Niederlage, hoffte auf seine Unterstützung. „Wegen der grandiosen Aufholjagd in der Rückrunde hätten wir es verdient, dass Calcio gewinnt und wir drin bleiben“, sagte der Coach einige Minuten nach dem Abpfiff der eigenen Partie schon etwas gefasster. Zuvor benötigte er zunächst einmal die Einsamkeit auf der Trainerbank, um einigermaßen fassen zu können, was in den 90 Minuten zuvor passiert war.
Ähnlich sah es auch Deniz Bulut. Keiner habe den TVE noch auf der Rechnung gehabt, doch die Rückrunde sei famos verlaufen, und den Klassenverbleib habe die Truppe auf jeden Fall verdient – egal wie, konstatierte der Mittelfeldspieler. Der dienstälteste Echterdinger Akteur verlässt nach vier Jahren – ebenso wie Leon Gerxhaliu und Julian Miller – den Verein wie berichtet in Richtung des Klassenkonkurrenten TSV Oberensingen. Nach einer „fantastischen Zeit im Verein“ sei nun der richtige Augenblick für etwas Neues gekommen, so Bulut. Bereits in der Vorsaison habe er schon an Abschied gedacht, doch aufgrund der Aufstiegseuphorie diesen Gedanken verworfen.
Obwohl Bulut die Verbandsliga-Garantie bei seinem neuen Club vor den Toren Nürtingens schon hatte, war er einer der wenigen im gelb-schwarzen Team, der Normalform zeigte. Gleiches gilt für seinen Nebenmann Max Bey, der nach Freiburg zieht und ebenfalls sein letztes Spiel für den TVE bestritt. Insgesamt ließ die Echterdinger Belegschaft die Energie der vergangenen Wochen vermissen. Gründe? Vielleicht die zweiwöchige Spielpause. „Wir hatten Probleme, Heilbronn war im Rhythmus“, spekuliert Rizzo. Oder die angespannte Personalsituation. Die Echterdinger mussten auf die beiden Außenverteidiger Leon Gerxhaliu und Christian Heinrich (beide verletzt) verzichten, ihre Positionen nahmen Anes Handangic und Miller ein. Und für den Urlauber Michael Deutsche kam Elion Mahmuti ins Team. Auf der Bank saßen fünf Akteure aus der eigenen Kreisliga-A-Meistermannschaft. Zudem winkte kurzfristig der Torhüter Tim Becker (Handverletzung) ab, Yule Tröger sprang ein.
Dennoch wies die Startelf eigentlich genug Verbandsliga-Erfahrung auf, um zu bestehen. Beide Teams neutralisierten sich aber nahezu die gesamten 90 Minuten über, wobei die Heilbronner Defensive einmal mehr kompakt stand – der Vertreter der Landesliga-Staffel 1 hat nun in allen drei Entscheidungsspielen kein Gegentor kassiert. Einzig zwischen der 55. und 70. Minute boten sich Celiktas und Handanagic zwei Großchancen, zudem hätte es durchaus einen Elfmeter nach einem harten Einsteigen gegen Miller geben können. Ansonsten erlebte der gegnerische Schlussmann Murat Zeyrek einen ruhigen Nachmittag – ähnlich wie sein Pendant Tröger. Wobei dieser eben in der 26. Minute hinter sich greifen musste. Der Ex-Drittliga-Profi Mirco Born ließ an der Mittelfeldlinie den Ball prallen, startete im Eilzugtempo in die Spitze, nahm den langen Pass schön an und netzte zum Aufstiegstor ein – die Echterdinger Abwehr schaute nur zu.
TV Echterdingen: Tröger – Handanagic (84. Kienzle), Todorovic, Kuhn, Miller – Mahmuti (57. Vran), Bulut, Bey, Pirracchio (69. Wörne), Dölker, Celiktas.
VfR Heilbronn: Zeyrek – Faber (76. Fallmann), Reitz, Hofmann, Gentner – Marmullaku (90. + 6 Diakiesse), Hellmann (62. Scheurenbrand), Marmein, Dörner (40. Gurley)– Halilaj, Born (90. + 2 Häffele).