Die Nationalmannschaft um Superstar Kevin De Bruyne bereitet sich vom 13. Juni an in Freiberg am Neckar auf ihre Spiele vor. Bis dahin werden die Sportanlagen in Schuss gebracht. Jedes Detail muss stimmen.
Das Publikum in Freiberg ist durchaus gepflegten Fußball gewohnt, mischt doch der heimische SGV in der Spitzengruppe der Regionalliga mit, kreuzt dort die Klingen mit Traditionsclubs wie den Offenbacher Kickers. Doch die Kicker, die demnächst über die Rasenplätze am Wasen dribbeln werden, bewegen sich in nochmals anderen Sphären. Die belgische Nationalmannschaft bereitet sich in der Stadt auf ihre Spiele bei der Europameisterschaft vor. Damit die hoch bezahlten Sportler bestmögliche Bedingungen vorfinden, muss bis zu ihrem Eintreffen noch kräftig in die Hände gespuckt werden. Nichts soll dem Zufall überlassen werden.
Bus probt für den Ernstfall
Das wird auch an diesem Dienstagmorgen deutlich. Vertreter des belgischen Verbands sind vor Ort, lassen testen, wie sich ein Bus am geschicktesten vors Stadiontor manövrieren und wieder ausparken lässt. Der Bus habe exakt die Abmessungen wie jener, in dem bald schon Kevin de Bruyne, Jérémy Doku und all die anderen Ballkünstler zum Training chauffiert werden, berichtet Stefan Kegreiß, Erster Beigeordneter der Kommune. Klar, die Tage der Profis sind minutiös durchgetaktet. Vom Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg, wo die Roten Teufel nächtigen werden, geht es in Trainingsmontur nach Freiberg und nach Abschluss der Einheit ohne Umschweife retour, sagt Kegreiß.
Die belgischen Nationalspieler unter Anleitung ihres schwäbischen Trainers Domenico Tedesco werden sich also höchstens sporadisch in den Umkleiden in Freiberg aufhalten. Trotzdem reserviert die Stadt in dem Gebäudekomplex auf Tuchfühlung zum Stadion vier der zehn Kabinen für die Gäste aus dem Nachbarland. Dort können sie sich gegebenenfalls von einem Arzt oder einem Physiotherapeuten behandeln lassen. Zudem hat das Trainerteam dort einen Rückzugsort. Auf der Wiese davor wird ein Fitnesszelt aufgebaut, in dem beispielsweise Regenerationstraining angeboten werden oder sich ein angeschlagener Spieler auf dem Ergometer fit halten könne, erklärt Kegreiß.
All das sind im modernen Fußball unverzichtbare Bausteine. Doch am allerwichtigsten dürfte auch für die Superstars aus Belgien ein blitzsauberer Untergrund sein, auf dem die Kugel wie am Schnürchen gezogen läuft. Genau daran wird mit Hochdruck gearbeitet. Der Rasen auf dem Spielfeld neben dem Stadion wurde abgefräst. Anschließend ließ man das Geläuf einebnen, Sand aufbringen und zur Belüftung auflockern. Zuletzt wurde Rasen ausgesät. „Jetzt wird es langsam grün“, sagt Kegreiß. „Das wird der Haupttrainingsplatz sein“, fügt der Erste Beigeordnete hinzu.
Vor neugierigen Blicken geschützt
Das liegt vor allem daran, dass das Areal versteckter als der Stadionplatz liegt. Eingezäunt und vor den Blicken neugieriger Kiebitze geschützt werden aber beide Felder, sagt Kegreiß. Immerhin ein öffentliches Training gleich nach der Ankunft der Belgier ist am 13. Juni geplant. „Das heißt aber nicht, dass jeder kommen kann“, schränkt Kegreiß ein. Es stehe ein gewisses Kontingent an Tickets bereit, die wohl an Schüler verteilt werden. „Wir wollen eine Art Tag des Fußballs drumherum gestalten“, erklärt der Erste Beigeordnete. Die Stadt würde die berühmten Gäste auch gerne standesgemäß begrüßen. Es sei aber noch unklar, ob sich das mit dem Zeitplan der Fußballer vereinbaren lasse.
Ein paar Wochen sind es ja noch, um solche Angelegenheiten zu besprechen. Und die Drähte glühen ziemlich heiß zwischen den Verantwortlichen in Freiberg und den Fußballstrategen im Königreich. „Am vergangenen Samstag war eine größere Delegation hier“, sagt Kegreiß. Darunter der Sicherheitskoordinator des Verbands und Ex-VfB-Profi Andreas Hinkel, die rechte Hand von Nationalcoach Tedesco. Sie hätten Umkleiden und Stadion gecheckt, seien die Abläufe durchgegangen.
Es ist kein Zufall, dass ein so prominentes Team in Freiberg an Form und Taktik feilt. Bei Europapokal- oder Länderspielen in Stuttgart trainieren hier immer wieder Teams, die im Monrepos ihre Zelte aufgeschlagen haben. Zum Beispiel die norwegische Nationalmannschaft vor der WM 2018. Das Hotel in Ludwigsburg hatte sich auch für die anstehende EM im Paket mit Freiberg als Basis-Quartier bewerben wollen, wie Kegreiß erzählt. „Aber was da gefordert wird, hätten wir mit eigenen Mitteln nicht leisten können“, sagt er zu den strengen Vorgaben unter anderem im Hinblick auf die Qualität der Plätze. Also habe man damals, vor mehr als zwei Jahren, den Kopf geschüttelt, worauf das Monrepos mit Bietigheim-Bissingen eine Allianz einging. Die Belgier wollten aber unbedingt nach Freiberg. DFB und württembergischer Fußballverband schalteten sich ein. Da die örtlichen Vereine und Schulen mitzogen, gewisse Einschränkungen beim eigenen Trainingsbetrieb hinnehmen und die Stadt vor allem die Kosten für Sichtschutz, das Herausputzen der beiden Rasenfelder und anderes mehr nicht selbst tragen muss, schlug man bei einer neuerlichen Anfrage im Dezember doch ein – und darf sich nun über ein Stelldichein der Stars freuen.
Basiscamp in Ludwigsburg
Hauptsitz
Die belgische Nationalmannschaft wird während der Fußballeuropameisterschaft in Deutschland ihr Basiscamp im Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg aufschlagen. Die Anreise ist für den 12. Juni geplant. Trainieren wird das Team von Domenico Tedesco in Freiberg im Stadion. Die erste Einheit ist für den 13. Juni angesetzt.
Gegner
Die Belgier werden, solange sie im Turnier sind, in Ludwigsburg und Freiberg bleiben. Das Finale geht am 14. Juli über die Bühne. Wenn Partien in anderen Städten als in Stuttgart anstehen, reisen sie einen Tag vorher ab, kehren dann aber wieder in ihr Basiscamp zurück. In der Vorrunde treten die Roten Teufel gegen Rumänien, die Slowakei und die Ukraine an.