Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding zeigt das neue Schild am Bahnhof in Endersbach, das zu Ehren von Nico Schlotterbeck aufgehängt worden ist. Foto: red

Die Deutsche Bahn will sich bei der Europameisterschaft als zuverlässiger Dienstleister für Fans und Mannschaften zeigen. Ehe es losgeht, ehrt sie Nationalspieler mit Tafeln in deren Heimatstädten. Die erste davon hängt seit Montag in der Nähe von Stuttgart.

Auf die Schnelle hat sich nicht eruieren lassen, wie oft Nico Schlotterbeck in seiner Jugend schon auf die S-Bahn in Endersbach hat warten müssen, weil die mal wieder die Vorgaben des Fahrplans eher großzügig auslegte. Und ob der Fußballprofi, der im deutschen Kader für die Europameisterschaft steht, heute überhaupt noch oft auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzt, ist auch nicht bekannt. Klar ist hingegen: seit Montag erfahren Fahrgäste, die in Endersbach ein- und aussteigen oder einfach nur halten, dass sie sich nun in der Heimatstadt des Nationalspielers befinden.

 

Erste Tafel einer bundesweiten Aktion

So verkündet es eine Zusatztafel, die direkt über dem Bahnhofsschild prangt. Nikolaus Hebding, Bahnhofsmanager in Stuttgart und damit eben auch für Endersbach zuständig, hat sich am Montag ins Remstal aufgemacht, um den korrekten Sitz des neu angebrachten Schilds zu prüfen. Schließlich war es eine Premiere. Die Tafel für Nico Schlotterbeck ist die erste, die bundesweit aufgehängt wurde. Die seiner Teamkameraden in der National-Elf folgen in den kommenden Tagen.

Die DB ist „Nationale Partnerin“ der EM, gehört also zum Kreis der Unterstützer des Sportereignisses – und verspricht sich davon wohl auch, dass die Fußballeuphorie das angekratzte Image des Schienenkonzerns wieder etwas aufpoliert. Fans durften einen ICE wählen, der während des Spektakels mit dem Namen der per Online-Voting ermittelten Fan-Hauptstadt durch die Lande fährt. Eine eigene Arbeitsgruppe unter Leitung des Stuttgarter Eisenbahners Taylan Ayik tüftelt schon länger an der Frage, wie die verschiedenen Nationalmannschaften von ihren Quartieren möglichst umweltschonend auf der Schiene zu den Spielorte kommen.

Musiala am Hauptbahnhof Stuttgart

Das Fußballfieber scheint also auch die eher spröde daherkommende Deutsche Bahn erfasst zu haben. Und in der Euphorie nimmt man gerne auch die eine oder andere Unschärfe hin. Nico Schlotterbeck ist in Waiblingen geboren und spielte zunächst für die SG Weinstadt. In der Remstalgemeinde wäre auch noch der Bahnhof Beutelsbach als möglicher Schildstandort möglich gewesen. In der Landeshauptstadt sollen am Mittwoch Schilder für Jamal Musiala am Hauptbahnhof aufgehängt werden. Der ist tatsächlich in Stuttgart geboren worden, die Familie zog aber alsbald nach Fulda.

Weitere Bahnhöfe in Baden-Württemberg

Und noch drei weitere Bahnhöfe in Baden-Württemberg werden vorübergehend Fußballer-Stationen. In Rottweil hängt alsbald eine Tafel zu Ehren von Joshua Kimmich, in Mannheim für Pascal Groß und in Breisach am Rhein für Oliver Baumann. Die Aktion läuft bis zum Ende der Europameisterschaft. Sollte am Ende des Turniers Deutschland tatsächlich die Nase vorne haben, will Nikolaus Hebding nach Endersbach zurückkommen. Am Bahnhof wächst ein junger Baum in den Himmel, zwei Bänke stehen davor. Im Falle des Titelgewinns soll das Ensemble nach Hebdings Vorstellungen zum Nico-Schlotterbeck-Plätzle werden.