Foto: PAP

Italiens Stürmer Balotelli hat seine Nerven oft nicht im Griff. Trotzdem ist er torgefährlich.

Krakau - Mal lässt er sich lachend in eindeutiger Pose mit Eckfahne zwischen den Beinen ablichten, mal liegt er gelangweilt auf der Trainingsmatte, während sich seine Kollegen mit Liegestützen quälen. Mario Balotelli ist immer für ein Foto gut. „Es gehörte schon richtig viel Mut dazu, Mario für die EM zu nominieren“, hatte Nationaltrainer Cesare Prandelli vor dem Turnier gesagt - und einfach hat es ihm sein Schützling mit dem blondierten Irokesenschnitt bislang nicht gemacht. Das war aber auch nicht zu erwarten.

„Ich habe den Arsch nicht in Nutella“, mit dieser kryptischen Aussage verblüffte Balotelli vor dem Viertelfinale gegen England die versammelten Medien und sogar Prandelli. Im Spiel zeigte sich der Angreifer dann zwar enorm engagiert, versemmelte aber Chance um Chance. Trotzdem hatte Balotelli im Elfmeterschießen den Mut, als erster anzutreten. Er verwandelte sicher.

Debüt in der Serie A mit 17 Jahren

Es sind Szenen wie diese, die Balotelli charakterisieren. Er ist ein schwieriger Charakter, empfindlich und aufbrausend, bisweilen naiv, oft eigensinnig und immer unberechenbar. Aber auch ein begnadeter Fußballer mit perfekter Ball- und Körperbeherrschung, immer wandelnd auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn.

Mit 17 Jahren debütierte er in der Serie A, mit 21 Jahren spielt er beim englischen Meister Manchester City, ist schon längst Multimillionär - und immer für einen Skandal gut. Ausschweifungen mit Prostituierten, Stadtrundfahrten mit Mafia-Bossen, Feuerwerkskörper im Badezimmer, Dartpfeile auf Jugendspieler: Seine Eskapaden abseits des Platzes würden schon jetzt Bücher füllen. Auch auf dem Feld sorgt Balotelli mit schöner Regelmäßigkeit für Eklats, holt sich reihenweise Rote Karten ab, weil er seine Nerven nicht im Griff hat. Aber er zeigt auch immer wieder berauschende Leistungen, die es jedem Trainer schwer machen, auf ihn zu verzichten.

Zwischenfall mit Jerome Boateng

Auch damit kann er seine Trainer zur Weißglut bringen. „Einer, der glaubt, der Beste der Welt zu sein, der nicht gerne arbeitet und der findet, dass alle ihm etwas schuldig sind, er aber niemandem“, hatte Jose Mourinho einst bei Inter Mailand geurteilt.

In Prandelli hat Balotelli endlich einen Coach gefunden, der sich immer wieder schützend vor ihn stellt, ihn aber auch fordert und notfalls sogar auf die Bank setzt wie in der letzten Vorrundenpartie gegen Irland.

Balotelli wurde eingewechselt und erzielte kurz vor Schluss das 2:0. Bei seinem wütenden Jubel - ob Richtung Fans oder Trainerbank, ist umstritten - musste ihm Mannschaftskamerad Leonardo Bonucci den Mund zu halten. „Eine Schutzgeste“, wie Prandelli später lobte.

Am Donnerstag will Balotelli im Halbfinale nun Deutschland aus dem Turnier schießen. Dabei trifft er voraussichtlich auf einen alten Bekannten aus Manchester: Jerome Boateng. Mit dem heutigen Bayern-Spieler hatte er auch schon einmal richtig Ärger. Nach einem Zweikampf im Training waren beide aufeinander losgegangen. Zahlreiche Fotografen haben den Vorfall dokumentiert. Balotelli ist eben immer für ein aussagekräftiges Foto gut.

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