Kochen für bis zu 1500 Menschen in Küchencontainer und Feldküche: Alexandra und Björn Bohnert mit ihrer Mannschaft. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Verpflegung der Einsatzkräfte bei der Fußball-EM in Stuttgart ist ein Thema. Nicht jeder bekommt warme Mahlzeiten. 1500 Leute von Feuerwehr, Rettungsdienst und Bundespolizei aber schon. Ehrenamtliche des THW kochen für sie.

Es ist alles ein bisschen größer in der Lagerhalle in Bad Cannstatt. Am Eingang stapeln sich mannshoch Paletten mit Wasserfläschchen. Ein paar Schritte weiter stehen Olivenölflaschen. Nicht die, die man aus der eigenen Küche kennt, sondern solche mit zehn Litern Inhalt. Die Dosen mit Tomatensoße sind so gewaltig, dass eine davon eine komplette Großfamilie mehrere Tage lang versorgen könnte.

 

Die Halle hat sich für die Fußball-Europameisterschaft in eine improvisierte Küche verwandelt. Das Technische Hilfswerk (THW) ist mit allem angetreten, was die ehrenamtlichen Katastrophenhelfer in Baden-Württemberg zu bieten haben. Der Ortsverband Achern (Ortenaukreis) ist mit einem vollausgestatteten Küchenanhänger angerollt. Daneben steht eine Feldküche genauso wie Hightech-Geräte für die Zubereitung von Speisen. Frauen und Männern mit Kochmützen rühren in riesigen Töpfen.

Bis zu 35 THW-Ehrenamtliche aus dem ganzen Land kochen hier an Tagen mit Spielen in Stuttgart für bis zu 1500 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Bundespolizei. Es handelt sich dabei um die Leute, die mit zahlreichen Fahrzeugen an mehreren Bereitstellungsräumen in der Stadt darauf warten, ob sie für größere Einsätze gebraucht werden. „Bisher war es zum Glück eine ruhige EM“, sagt THW-Sprecher Peter Buß – mit Ausnahme der Messerattacke am späten Mittwochabend auf dem Schlossplatz. Das Technische Hilfswerk betreut dabei die gesamten Bereitstellungspunkte – inklusive Zubereitung des Essens. Die Bundespolizei mit mehreren Hundert Kräften wird sogar täglich beliefert.

Dass die Verpflegung ein Riesenthema sein kann, hat nicht zuletzt die Diskussion über die Essenspakete der Uefa für Volunteers im Stadion oder die Kontroverse über das Essen für die Landespolizei gezeigt. „Ein gescheites Essen ist auch eine Anerkennung für die Leute, die sich im Ehrenamt engagieren. Es ermöglicht nicht nur, sich zu stärken, sondern auch mal kurz runterzukommen“, sagt Alexandra Bohnert, die die Küche leitet. Sie und ihr Mann Björn kommen ebenfalls aus Achern. „Die Verpflegung ist immer ein Riesenthema, das haben wir zum Beispiel auch bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal gesehen. Da war das auch extrem wichtig“, erzählt sie. Die Leute seien sehr dankbar, bisher erhalte man nur positive Rückmeldungen.

Strenge Hygienevorschriften

In Stuttgart gab es bisher schon Käsespätzle, Gulasch, Maultaschen, Puten- und Gemüsecurry, dazu Salat, Obst und Schokoriegel. An diesem Tag werden 370 Kilo Nudeln mit 300 Litern Speck- oder Gemüsesoße die Halle verlassen. Das Essen wird am frühen Nachmittag in gewaltigen Wärmeboxen von Shuttles abgeholt und verteilt. Beauftragt worden ist das THW vom Regierungspräsidium Stuttgart, das auch die Kostenkalkulation vorgibt. Gewinn macht das weitgehend vom Bund finanzierte Hilfswerk damit nicht.

Gutes Essen in derartigen Mengen zuzubereiten, ist nicht so einfach – noch dazu, wenn die Großküche improvisiert ist. „Die Kunst ist, das alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt Alexandra Bohnert und lacht. Machbar sei grundsätzlich alles, abhängig vom Budget. Dabei gelten strenge Auflagen. „Wir unterliegen hier denselben Hygienevorschriften wie ein Restaurant“, sagt Buß.

An diesem Spieltag arbeiten Helfer aus Achern, Mannheim, Stuttgart und anderen THW-Standorten zusammen. Nicht wenige davon haben Erfahrung in der Gastronomie. Auch die Leiterin. Alexandra Bohnert arbeitet hauptberuflich zwar als Referatsleiterin bei den Maltesern, kommt aber aus der Gastronomie. Seit 24 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich beim THW. Ihr Mann ist bereits seit 27 Jahren dabei. „Wir kennen das nicht anders. Unsere Kinder sind inzwischen auch dabei. Unsere Familie lebt das Ehrenamt“, sagt er – und verschwindet wieder im Küchenanhänger. Nicht mehr lang, dann muss alles fertig sein.

Die Spieltage sind lang. Morgens um 7 Uhr fährt so mancher Helfer daheim los, um 9 Uhr beginnt das Kochen. Abends geht es dann wieder zurück nach Hause. Dafür werden die Ehrenamtlichen von der Arbeit freigestellt. „Von der EM-Stimmung in der Stadt bekommen wir meistens nur den Polizeihubschrauber mit“, sagt ein Helfer und lacht. Was es zum Viertelfinale in Stuttgart am 5. Juli geben wird, steht übrigens schon fest: Linseneintopf mit Spätzle. 1500 Einsatzkräfte werden sich sehr darüber freuen.