Während der Fußball-EM sind in der Stadt und am Stadion viele Einsatzkräfte unterwegs. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Frauen und Männer, die im Dienst sind. Über 1000 weitere halten sich an mehreren geheimen Orten bereit.
Die Bilder sind beeindruckend. Hunderte Einsatzfahrzeuge stehen in Reih und Glied. Feuerwehr, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk (THW), Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und andere sind vertreten. Großraum-Rettungswagen finden sich da, Feuerwehrautos, zig Rettungswagen, sogar Boote. „So etwas gibt es selten. Nur bei NATO-Gipfeln oder ähnlichen Großereignissen“, sagt der Stuttgarter Feuerwehrsprecher Daniel Anand. Und bei der Fußball-EM.
In Stuttgart finden fünf Spiele statt. Die letzte Begegnung bietet am Freitag mit der Viertelfinalpartie zwischen Deutschland und Spanien noch einmal einen Höhepunkt. Doch nicht nur die Fans werden voll und ganz von diesen Spielen eingenommen, sondern auch die Sicherheitskräfte und Retter. Denn angesichts der zahlreichen Krisen und Bedrohungslagen auf der Welt herrschen höchste Sicherheitsvorkehrungen.
Dazu gehört, dass vor allem an den Stuttgarter Spieltagen über 1000 zusätzliche Einsatzkräfte in mehreren sogenannten Bereitstellungsräumen darauf warten, ob sie für größere Einsatzlagen gebraucht werden. Wo genau sich diese Flächen befinden, wird offiziell nicht bekannt gegeben. Tatsächlich in die Innenstadt verlegt worden sind zusätzliche Kräfte im Laufe dieser EM bisher nur einmal – bei der Messerattacke in der Fanzone auf dem Schlossplatz mit drei Verletzten. Allerdings mussten sie nicht eingreifen.
Die Helfer kommen aus dem ganzen Land. „Es handelt sich überwiegend um Ehrenamtliche, deshalb versucht man, bei den einzelnen Spielen durchzurotieren“, sagt Anand. Christian Schmid von der Freiwilligen Feuerwehr in Spaichingen (Landkreis Tuttlingen) etwa ist mit 40 Feuerwehrleuten und 18 Helfern vom DRK-Sanitätsdienst zu der Begegnung zwischen Belgien und der Ukraine nach Stuttgart gekommen. In diesem Fall handelt es sich um absolute Spezialisten: „Wir führen eine Einheit zur Dekontamination von Verletzten an“, sagt Schmid. Sobald Gefahrstoffe im Spiel sind, ist seine Einheit gefragt.
15-Stunden-Tage
Ausrücken mussten der stellvertretende Kommandant und seine Leute zum Glück nicht. „Man wünscht sich auch, dass das nicht nötig ist“, erzählt er. Öde sei es trotzdem nicht geworden, auch wenn ein solcher Tag von der Abfahrt bis zur Rückkehr nach Hause gut und gerne 15 Stunden dauert. „Da kommt definitiv keine Langeweile auf. Es gibt viele interessante Gespräche mit anderen Einheiten, da ist vor Ort einiges geboten“, so Schmid. Auch das Spiel sei übertragen worden. „Für die meisten von uns ist das die erste Veranstaltung dieser Größe gewesen. Das ist eine gute Erfahrung, beginnend schon mit der Anreise im Verbund“, sagt er.
Organisiert und betrieben werden die Bereitstellungsräume vom THW-Landesverband und dem Regierungspräsidium im Auftrag der Stuttgarter Feuerwehr. An Spieltagen sind rund 150 THW-Helferinnen und THW-Helfer im Einsatz, auch sie überwiegend im Ehrenamt. Die Aufgaben reichen von der Verpflegung – auch von Kräften der Bundespolizei – über die Instandhaltung der Einsatzfahrzeuge bis hin zum Public Viewing für die eingesetzten Kräfte. „Darüber hinaus leisten ortskundige THW-Kräfte Lotsendienste für überörtliche Partnerorganisationen sowie Logistik- und Führungsunterstützung“, sagt ein Sprecher. Damit es bei der EM in Stuttgart möglichst sicher zugeht.