Public Viewing auf dem Schlossplatz gab es zuletzt bei der EM 2008 - schwelgen Sie in Erinnerungen! Foto: SIR

Facebook-Seite plädiert für öffentliche Leinwand auf Schlossplatz. Stadt bleibt aber hart.

Stuttgart - Den 9. Juni haben sich die deutschen Fußballfans schon vor Monaten im Terminkalender schwarz-rot-golden angestrichen. Den 13. Juni natürlich auch, ebenso den 17. Juni. An diesen drei Abenden, jeweils um 20.45 Uhr, ist die Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im Einsatz. Auch dass das EM-Endspiel am 1. Juli steigt, soll sich der eine oder andere Anhänger schon vorgemerkt haben ...

Die Fußballfans in Stuttgart wissen ebenso wie die Stadtverwaltung natürlich auch um den fußballerischen Höhepunkt in diesem Sommer. Eine öffentliche Videoleinwand in der Stuttgarter Innenstadt, etwa auf dem Schlossplatz, ist bei dieser EM aber nicht geplant.

Und das ärgert ganz besonders einige Fußballfans, die sich auf Facebook zur Seite "FÜR Public Viewing bei der EM 2012 auf dem Schlossplatz" zusammengeschlossen haben. Exakt 543 Personen sind der Initiative von Schülern, Studenten und Auszubildenden aus dem Großraum Stuttgart bislang beigetreten (Stand: 4. April, 10 Uhr).

"Es ist dafür kein Geld im Haushalt vorgesehen"

"Wir sind der Meinung, dass eine breite öffentliche Zustimmung für Public Viewing vorhanden ist, wie etwa auch schon bei der Fußball-WM 2006, bei der EM 2008 oder auch beim Bundesliga-Finale des VfB 2007", sagt der Architektur- und Stadtplanungs-Student Jochen Schaible, einer der Initiatoren der Facebook-Seite. "Und die Stadtverwaltung täte sehr gut daran, für vergleichsweise wenig Geld damit sehr viele Menschen in der ganzen Region zu erreichen und in die Stadt zu holen", findet er.

Nach den Recherchen des 21-jährigen Stuttgarters würde es zirka 250.000 Euro kosten, eine Videoleinwand für die komplette EM anzubieten - Stadtsprecher Sven Matis hat da allerdings andere Informationen: "Bei der Euro vor vier Jahren musste die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 400.000 Euro leisten." Die heutige Haltung im Stuttgarter Rathaus also: Ein öffentliches Public Viewing bei der EM 2012 ist schlicht zu teuer.

"Public Viewing ist mehr als nur der Schlossplatz"

"Es ist dafür kein Geld im Haushalt vorgesehen. Daher ist keine städtische Veranstaltung geplant", sagt Matis, der zudem erklärt: "Public Viewing ist mehr als nur der Schlossplatz. Es geht um Dezentralität. Und vor zwei Jahren war Stuttgart die Public-Viewing-Hauptstadt Deutschlands!" Und in der Tat haben wie auch in den Vorjahren einige private Gastronomen das Fußball-Rudelgucken wieder im Angebot: Sonja Merz in ihrem Schlossgarten-Biergarten etwa, an der Alten Kanzlei wird das Hofbräu Regiment für Stimmung sorgen.

An der möglichen DFB-Euphorie will und wird sich die Stadtverwaltung also nicht beteiligen. Jochen Schaible und Co. finden das bedauerlich: "Es geht nicht darum, mit unserer Facebook-Seite Druck auf die Stadt auszuüben. Uns geht es darum, sie darauf aufmerksam zu machen, dass praktisch alle jungen Leute, mit denen wir gesprochen haben, ein Public Viewing gutheißen würden."

Auch dass dem Facebook-Aufruf bislang lediglich nur etwas mehr als 500 Menschen gefolgt sind, findet der Stuttgarter Student sehr schade: "Obwohl die Zeit drängt, fehlt leider etwas der Schwung. Für die meisten kommt das Thema wohl zu früh, der Sommer ist schließlich noch weit weg." Aber auch wenn die Unterstützung der Stuttgarter Fußballfans nach dem Bundesligafinale Anfang Mai vom VfB zum DFB schwappen sollte, wird es kein Public-Viewing-Angebot der Stadt geben. Facebook-Seite hin oder her.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: