Während der EM sind die Parkplätze vor der Markthalle nicht verfügbar. (Archivbild) Foto: imago / Lindenthaler/Julian Rettig

Die Einzelhändler beklagen, dass die Stammkundschaft während der Fußball-EM die Innenstadt meidet. Der Umsatzverlust ist groß – auch in der Stuttgarter Markthalle.

Etwa 700 000 Menschen waren in den ersten drei EM-Wochen in den vier Fan-Zonen in der Stuttgarter Innenstadt. Die gute Stimmung und Atmosphäre wurde vielerorts immer wieder hervorgehoben. Doch haben die durch das Großereignis entfachte Euphorie und die vielen Gäste auch dem Einzelhandel Geld in die Kassen gespült? Die EM als Wirtschaftsmotor?

 

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schätzte vor dem Großereignis, dass die zusätzlichen Umsätze im Einzelhandel bei rund 3,8 Milliarden Euro liegen werden. Doch wenn man sich in der Stuttgarter Innenstadt umhört, konnten nur die wenigsten profitieren. Wer Lebensmittel und Fanartikel verkauft, konnte Umsatz generieren. Ansonsten ging es vielen wie Daniel Brunner vom Kaufhaus Mitte: „Unser normales Sortiment blieb nahezu unberührt.“ Und auch in der Rathauspassage heißt es: „Es wird eher so sein, dass diese vier Wochen EM uns einen ganz schönen Umsatzeinbruch bescheren werden, da viele Stammkunden und auch viel weniger Laufkunden unterwegs sind“, sagt Anja Hailfinger vom Damenmode-Geschäft Frehse Chic.

Hohe Umsatzeinbußen

Von EM-Begeisterung ist in der Markthalle ebenfalls nichts zu spüren. Viele E-Mails und Telefonate haben unsere Redaktion erreicht. Unter anderem auch von Salvatore Mezzapelle, der die Macelleria Italiana betreibt. Der Metzger geht davon aus, dass er während der EM Umsatzeinbußen von mindestens 40 Prozent hat.

Auch Bäcker- und Konditormeister Jochen Baier muss feststellen, dass die Europameisterschaft Licht und Schatten mit sich bringt: „Es gibt tolle Zeiten, in denen sich alle freuen und Zeiten, in denen das eher nicht so ist.“ Letzteres sei aktuell der Fall. Die Stadt sei zwar sehr belebt, aber der Umsatz sei merklich zurückgegangen. „Die Stammkundschaft ist aktuell in der Markthalle deutlich weniger zu sehen“, sagt Baier. „Einige meiner Kolleginnen und Kollegen befürchten, dass die Kundinnen und Kunden auch nach der EM nicht wiederkommen.“

Parkplätze sollen komplett entfallen

Bei Früchte Mayer heißt es: „Die Situation während der EM ist eine Vollkatastrophe für uns.“ Die Kundinnen und Kunden blieben aus. Ganz anders, als die Stadt im Vorfeld propagiert habe. „Es hieß immer, dass die Touristen und Gäste sicher in die Markthalle kommen. Aber das ist nicht so.“ 40 bis 50 Prozent Umsatzeinbußen müsse man derzeit verkraften – „und das vor den umsatzschwachen Sommerferien, die noch bevorstehen“. Für manche Unternehmen sei es existenziell, jetzt Erlöse zu generieren. „Wir fühlen uns von der Stadt, Stuttgart Marketing und der in.Stuttgart etwas alleine gelassen.“ Die Märkte Stuttgart habe keine Schuld an der Situation. Dort sei man sehr bestrebt, zu helfen, wo es möglich ist. Das gilt auch bei der Diskussion um die Parkplätze, die direkt vor der Markthalle liegen.

Im Rahmen des EM-Sicherheits- und Verkehrskonzepts liegen die Stellflächen in der Sperrzone. „Das ist schon einmal ein kleiner Test“, sagt Thomas Lehmann, Geschäftsführer von Märkte Stuttgart. Denn der Gemeinderat hat mehrheitlich beschlossen, dass die Parkplätze dauerhaft wegfallen sollen. „Es handelt sich um knapp 30 Stück. Mein letzter Stand ist, dass sie 2026 nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Nach den jüngsten EM-Erfahrungen gebe es da definitiv noch Gesprächsbedarf mit der Stadtverwaltung und der Politik. Es sei sehr schwierig, die Kundinnen und Kunden in die umliegenden Parkgaragen zu lenken, wenn sie beim Supermarkt direkt vor die Tür fahren könnten.

Trotz Fußball-Fans in die Innenstadt zum Einkaufen?

Die fehlenden Parkplätze seien aktuell auf jeden Fall ein Problem, das dafür sorge, dass es in der Markthalle merklich leerer zugehe als sonst. Ein weiterer Grund sei, dass viele Kundinnen und Kunden aufgrund der vielen Fußball-Fans nicht in die Innenstadt kommen wollen. „Aber Sie müssen sich keine Sorgen machen, die Atmosphäre ist friedlich und entspannt“, betont Lehmann. Niemand müsse Angst haben, nach Stuttgart zu kommen. „Wir sind da und freuen uns auf Sie.“