Ein potenzieller Hauptdarsteller der EM: Antoine Griezmann Foto: dpa

Die EM in Frankreich ist die große Bühne der Fußball-Stars. Wer bringt es zu besonderen Ehren? Wir haben – analog zur Oscar-Verleihung – vorab nominiert. Teil 1: Die Kandidaten in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“.

Stuttgart - Ronaldo und Messi. Messi und Ronaldo. Romessi. Seit einer gefühlten Ewigkeit dominieren die beiden Superstars des Weltfußballs die öffentliche Wahrnehmung. Nun steht die Europameisterschaft in Frankreich an – und es gibt tatsächlich Menschen, die an eine Wachablösung glauben. Und solche, die vollziehen könnten. Messi ist als Argentinier logischerweise gar nicht dabei, Ronaldo ist bereits 31 Jahre alt. Seine (ganz) große Zeit neigt sich womöglich dem Ende entgegen. Weil das auch für andere große Namen gilt, herrscht in Europas Fußball so etwas wie Götterdämmerung. Denn die Nachfolger für die Rolle als künftiger Hauptdarsteller klopfen an.

Beispiel England: Mit einem Altersschnitt von 25 Jahren zählt die Mannschaft von Trainer Roy Hodgson zu den jüngsten EM-Teilnehmern. John Stones (21/FC Everton), Eric Dier (22/Tottenham Hotspur), Dele Alli (20/Manchester United), Harry Kane (22/Tottenham Hotspur) sowie Raheem Sterling (21/Manchester City) sind nach dem Turnier wohl allesamt Kandidaten für einen europäischen Topclub – sofern sie nicht längst bei einem spielen. „Vertraut der Jugend“, lautet die Botschaft von Hodgson, die so auch aus Belgien und Frankreich kommen könnte.

Deutschland hat aktuell nicht die großen Talente wie vor einigen Jahren

Beide Teams sind ebenfalls gespickt mit Talenten an der Schwelle zum Topstar. Frankreichs Antoine Griezmann (25/Atlético Madrid) flog bislang vor allem deshalb unter dem Radar, weil die Equipe Tricolore den Umbruch erst zur WM 2014 vornahm. Seine große Stunde könnte jetzt beim Heimturnier schlagen; auch, weil er eine Reihe anderer Toptalente wie Paul Pogba (23/Juventus Turin) und Anthony Martial (20/Manchester United) an seiner Seite weiß. In diesem Ausmaß nur vergleichbar mit Belgien, das 2014 in Brasilien (Aus im Viertelfinale) mit Stars wie Kevin de Bruyne (24/Manchester City), Eden Hazard(25/FC Chelsea) und Romelu Lukaku (23/FC Everthon) schon Anlauf zum großen Sprung genommen hat.

Und Deutschland? Sitzt als Weltmeister noch auf dem Thron, weshalb die Neuausrichtung in den vergangenen zwei Jahren verhältnismäßig moderat ausfiel. Außerdem verfügt der deutsche Fußball im Moment nicht über eine Generation wie diejenige, die 2009 U-21-Europameister wurde und später den Stamm der Weltmeistermannschaft bildete. In Leroy Sané, Joshua Kimmich, Julian Brandt und Julian Weigl sind nur vier echte Newcomer vorläufig dabei. Von denen Sané die größte Verheißung darstellt. Der Junge kann nicht nur gut kicken, sondern verfügt auch über ein gehöriges Maß an dem, was man gemeinhin Ausstrahlung nennt.

Als Hauptdarsteller auf Europas großen Fußballbühnen vereint man am besten möglichst viele Talente. Ronaldo glänzt schließlich auch nicht nur auf dem Platz. Apropos: Fragt man die Stars von morgen nach ihren Vorbildern, fallen meist eben jene Namen: Ronaldo und Messi. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann eifert die übernächste Generation ganz anderen Idolen nach.

Unser Kandidaten für einen Oscar als potenziell bester Hauptdarsteller:

Antoine Griezmann (Frankreich)

Antoine Griezmann (Frankreich)

In München hören sie seinen Namen gar nicht gern: Antoine Griezmann. Mit seinem Tor im Halbfinal-Rückspiel schoss er den FC Bayern aus der Champions League. Wichtige Tore sind die Spezialität des Franzosen. Unter seinen 32 Saisontoren für Atlético Madrid waren acht Siegtreffer. In Frankreich wird er als Nach­folger von Franck Ribéry gefeiert, Atlético-Mitspieler Juanfran meint über den Spätzünder: „Jetzt ist er einer der besten Fußballer der Welt.“ Daran ändert auch sein verschossener Elfmeter im Finale der Champions League nichts.

Romelu Lukaku (Belgien)

Romelu Lukaku (Belgien)

Der 23-Jährige hat schon so viele Rekorde gebrochen, dass Statistikern ganz schwindelig wird. Meister und Torschützenkönig in Belgien – als 17-Jähriger. Mit 18 Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea. Als einer von nur fünf Spielern erzielte er 50 Tore in der Premier League, ehe er 23 wurde. Aktueller Marktwert des Stürmers vom FC Everton: 35 Millionen Euro. Schwächen? Eigentlich keine. Die hat er sich schon früh abtrainiert, hinzu kommt: „Meine Statur ist ein Geschenk von Gott.“ 1,92 Meter ist er groß, in Vielem ähnelt er seinem Vorbild Didier Drogba.

David Alaba (Österreich)

David Alaba (Österreich)

Beim FC Bayern gehört er trotz seinen erst 23 Jahren schon zu den fleißigsten Titelsammlern, die EM in Frankreich allerdings ist das erste große Turnier mit der Nationalmannschaft für David Alaba. Das er selbstbewusst angeht: „Ich habe gelernt, mit Druck und hohen Ansprüchen umzugehen. Ich bin Fußballer geworden, um ständig gefordert zu werden.“ Entsprechend ist seine Prognose für seine Österreicher: „Ich traue uns sehr viel zu.“

Breel Embolo (Schweiz)

Breel Embolo (Schweiz)

Ein Schweizer auf dem Weg zum künftigen Superstar des Fußballs? Früher undenkbar, heute zumindest nicht mehr ungewöhnlich. Und was heißt schon Schweiz? Halb Europa ist hinter dem 19-jährigen Sturmjuwel her, auch Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig soll dabei sein. Der Schweiz, oder vielmehr dem FC Basel, hat Embolo seine gute fußballerische Ausbildung zu verdanken. Hinzu kommt eine ihm immanente Freude am Spiel. „Die Menschen lieben es, dass da jemand nicht schablonenmäßig spielt“, sagt Basels Präsident Bernhard Heusler. Trotzdem, oder gerade deshalb urteilt sein Noch-Teamkollege, der frühere VfB-Profi Marco Streller: „Breel steht vor einer Weltkarriere.“

Raheem Sterling (England)

Raheem Sterling (England) Für den Beliebtheitspreis haben sie den Mann mit den jamaikanischen Wurzeln im Sommer 2015 nicht ­vor­geschlagen. Zu sehr artete sein Wechseltheater (von Liverpool zu Manchester City) in einem Rosenkrieg aus. Sterling (21) drohte sogar mit Boykott. Die Reds gaben nach und kassierten 69 Millionen Euro Ablöse. Die Bürde dieser Summe lastete dann aber doch auf dem jungen Ballkünstler – was an seinen Qualitäten nichts ändert: Der 21-Jährige ist schnell, ballgewandt, dribbelstark.

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