Mario Gomez trifft erneut, stellt einen Rekord ein und sagt: „Im Moment will ich nur nach Paris.“ Foto: AFP

Die Nationalelf schaltet einen Gang hoch und kommt bei der Fußball-EM in Fahrt. Gegen die Slowakei (3:0) bleibt sie im vierten Spiel das vierte Mal ohne Gegentor, was ihr noch nie zum Start in ein Turnier gelang. Und auch Mario Gomez stellt einen Rekord ein.

Stuttgart - Es war dann Toni Kroos, der es auf den Punkt brachte. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid fasste nach dem 3:0-Erfolg am Sonntagabend im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei die vergangenen zwei Jahre der deutschen Fußball-Nationalmannschaft prägnant zusammen: „Wir sind auf jeden Fall eher eine Turniermannschaft als eine Testspielmannschaft.“ Wenn es darauf ankommt, ist auf die DFB-Elf Verlass. Und so startete sie auch bei fünfter Gelegenheit unter dem Bundestrainer Joachim Löw erfolgreich in die K.-o-Phase eines großen Turniers und wartet nun auf ihren Viertelfinalgegner, der am Montagabend (18 Uhr/ARD) im Duell zwischen Spanien und Italien bestimmt wird.

Das deutsche Team zeigte in Lille gegen die Slowaken seine beste Leistung seit dem Gewinn des Weltmeistertitels mit dem 7:1-Kantersieg im Halbfinale gegen den Gastgeber Brasilien und den 1:0-Erfolg nach Verlängerung gegen Argentinien um Lionel Messi. Vergessen sind spätestens jetzt die mühsame EM-Qualifikation und die ungewöhnlich vielen Niederlagen in diesem Jahr. Der Weltmeister hat in den Turniermodus hochgeschaltet, er ist wieder voll in Fahrt.

Mario Gomez schließt zu Jürgen Klinsmann auf

Und das ohne ein Tor von Thomas Müller. Der Offensivmann vom FC Bayern München ist bei der Europameisterschaft in Frankreich bisher leer ausgegangen – wie übrigens auch sein Vereinskollege Robert Lewandowski, der mit Polen am Donnerstag (21 Uhr) in Marseille den Reigen der Viertelfinals gegen Portugal eröffnen wird. In der Qualifikation war der 26-Jährige mit neun Treffern noch der beste deutsche Torschütze. Bei zwei WM-Teilnahmen war er jeweils fünfmal erfolgreich, bei seiner zweiten EM-Teilnahme wartet er dagegen fast schon kurioserweise weiter auf sein erstes Tor bei einer Europameisterschaft.

Ganz anders als Mario Gomez. Der 30-jährige Unlinger, von 2004 bis 2009 beim VfB Stuttgart, durfte gegen die Slowakei zum zweiten Mal nacheinander von Beginn an spielen und bedankte sich mit seinem zweiten Tor dieses Turniers. Mit seinem insgesamt fünften EM-Treffer schloss der Mittelstürmer zum deutschen EM-Rekordtorjäger Jürgen Klinsmann auf. „Mein Ziel hier ist nicht, Rekorde zu brechen, sondern Europameister zu werden“, erklärte der Torschützenkönig aus der Türkei von Besiktas Istanbul. „Im Moment will ich nur nach Paris.“ Dort wird am 10. Juli das Finale ausgetragen.

Die Männer für die magischen Momente in der Offensive kommen auf Touren

Wenn es so weitergeht, dürften die deutschen Chancen auf den Einzug ins Endspiel ganz gut stehen. Vor allem auch dank der Abwehrstärke. In allen vier Begegnungen dieser EM blieb die Nationalelf ohne Gegentor, das gab es noch nie zum Start in ein Turnier. Die Weltmeister-Innenverteidigung mit Jérôme Boateng und Mats Hummels bildet vor dem Welttorhüter Manuel Neuer ein schier überwindbares Bollwerk. Und der Münchner Jungstar Joshua Kimmich belebt seit seiner Hereinnahme als Außenverteidiger die rechte Außenbahn – fast so wie bei der WM 2014 Philipp Lahm.

Das Mittelfeld kann sich ebenfalls sehen lassen. Der Abräumer Sami Khedira und der Spielgestalter Toni Kroos sorgen in bekannter Manier für Stabilität und Struktur. Und auch die Männer für die magischen Momente in der Offensive kommen auf Touren. Mesut Özil zeigte nach seinem verschossenen Foulelfmeter eine ansprechende Vorstellung. Und Julian Draxler avanciert mit einem Tor und einer Vorlage zum Spieler des Spiels. Das Viertelfinale kann kommen. „Für uns macht es keinen großen Unterschied, ob wir jetzt gegen Spanien oder Italien spielen“, sagte der Kapitän Bastian Schweinsteiger, der mit seinem 16. EM-Einsatz in dieser Statistik auf den geteilten zweiten Platz hinter Cristiano Ronaldo (18) vorrückte. Denn Deutschland ist ja keine Testspielmannschaft, sondern eine Turniermannschaft – und macht ihrem Ruf wieder einmal alle Ehre.

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