Pechvogel im deutschen Team: Marco Reus verpasst nach der WM 2014 auch die EM 2016 Foto: dpa

Sie sind verletzt oder wurden verschmäht: Zahlreiche Stars sind bei der Endrunde zum Zuschauen verdammt. Dabei könnte die ausgefallene Elf wohl um den Titel mitspielen. Wir stellen sie in unserer Bildergalerie vor.

Stuttgart - Die einen hatten bis zuletzt gehofft, die anderen hatten ihre Felle schon frühzeitig dahinschwimmen ­sehen – und wieder andere wurden kalt ­erwischt: Nun, da alle EM-Kader feststehen, sind einige Namen überraschend dabei – und andere Namen ebenso überraschend nicht. Den Niederländern fehlt sogar eine komplette Mannschaft – das Land hat sich erst gar nicht qualifiziert. Ein Überblick: Tor Im Team des Weltmeisters ist die Konkurrenz groß. Hinter Manuel Neuer war kein Platz für Kevin Trapp frei. Dabei hat der ehemalige Frankfurter in seinem ersten Jahr bei Paris St. Germain alles richtig gemacht. Er wurde Stammkeeper, gewann das Double aus Meisterschaft und Pokal und blieb in 20 Ligaspielen ohne Gegentor.

Abwehr Belgien gilt als Geheimfavorit, Vincent Kompany ist der Kapitän – und nur Zuschauer. Eine Leistenverletzung aus dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid macht dem Innenverteidiger von Manchester City einen Strich durch die Rechnung. Der Franzose Raphael Varane, Innenverteidiger von Real Madrid, laboriert an einem Muskelriss im linken Oberschenkel. Auf der rechten Abwehrseite fällt der Spanier Dani Carvajal (24) von Real Madrid wegen einer Verletzung an der Hüftmuskulatur aus, die er seit dem Champions-League-Finale gegen Atlético Madrid hat. Der Portugiese Fabio Coentrao (28/AS Monaco), der seit Jahren als linker Verteidiger Cristiano Ronaldo den Rücken frei hielt und an den letzten drei Endrunden teilnahm, muss wegen einer Oberschenkelverletzung passen.

Mittelfeld Die WM 2014 verpasste er wegen einer Verletzung, die EM in Frankreich nun auch: Der Dortmunder Ilkay Gündogan, dessen Wechsel nach Manchster City beschlossene Sache ist, fehlt wegen einer schweren Knieverletzung. Andrea Pirlo wäre trotz seiner 37 Jahre neben Gündogan wohl gesetzt gewesen, doch Italiens Nationaltrainer Antonio Conte wertete den Wechsel des 116-maligen Nationalspielers von Juventus Turin zu New York City FC als Eintritt in den Vorruhestand – und verzichtete auf den großen Strategen. Isco hätte dem Spiel nach vorn Schwung verleihen können, doch Spaniens Trainer Vicente del Bosque verzichtet auf den Mann, der einst als größtes Talent seiner Heimat galt. Seit Zinedine Zidane Trainer von Real Madrid ist, kommt der Mittelfeldspieler (zentral und auf beiden Flügeln) deutlich seltener zum Zuge als zuvor. Marco Reus bleibt der Pechvogel im deutschen Team. Wegen Problemen am Schambein flog der Dortmunder, der den linken Flügel besetzen könnte, in letzter Minute aus dem Kader. 2014 hatte er sich am Tag vor dem Abflug nach Brasilien verletzt.

Sturm Vor vier Jahren warf Mario Balotelli mit zwei Toren im Halbfinale die deutsche Elf aus dem EM-Turnier, der Exzentriker stand an der Schwelle zum Weltstar, doch seine Eskapaden warfen ihn zurück. Der AC Mailand hat ihm einen Verhaltenskodex auferlegt, seither ist es sportlich um den Angreifer ruhiger geworden. Bei der WM 2014 schied er mit Italien in der Gruppenphase aus, beim FC Liverpool konnte er sich wie nun auch in Milan nicht durchsetzen. Auch Karim Benzema hat schon bessere Zeiten erlebt. Der französische Verband und Trainer Didier Deschamps straften den Stürmer von Real Madrid ab, weil er seinen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena mit einem Sexvideo erpresst haben soll.

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Elf Mann, elf Enttäuschte – damit nicht genug: Auch die Ersatzbank lässt sich mühelos mit klangvollen Namen besetzen, die nicht dabei sind: Javi Martinez (Spanien) ­etwa, mit 40 Millionen Euro der teuerste Transfer in der Geschichte von Bayern München. Oder Fernando Torres (Atlético Madrid), der Spanien 2008 zum EM-Titel geschossen und auch 2012 beim Finalsieg gegen Italien getroffen hat. Oder Holger Badstuber: Der Verteidiger des FC Bayern hat sich das Sprunggelenk gebrochen. Sie leiden mal mehr, mal weniger. Nicht jeder findet sich mit seiner Zuschauerrolle ab wie Vincent Kompany. „Ich bin jetzt der leidenschaftlichste Fan“, sagt der ­Belgier.

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